Mysteriösem Goldkessel droht Garaus

"Heiliger Gral" aus dem Chiemsee zu verkaufen

Gefunden im Chiemsee: 28,5 Zentimeter hoch und 50 breit ist der Kessel.

München - Von manchen wurde er gar für den Heiligen Gral gehalten. Andere betitelten ihn abfällig als möglichen Nachttopf Hitlers: der mysteriöse Goldkessel vom Chiemsee. Nun steht er zum verkauf

Der mysteriöse Goldkessel vom Chiemsee sorgte weltweit für Schlagzeilen. Seit 2006 schlummert der Schatz nun schon im Tresor einer Schweizer Bank, nachdem ihn ein Millionenbetrüger verscherbeln wollte. Und nun? Jetzt steht das aus 18-karätigem Gold gefertigte Kunstwerk offiziell zum Verkauf. Der Preis: mindestens 400 000 Euro. So viel ist zumindest schon einmal das Gold selbst wert.

Der Kessel vom Chiemsee – wem wird er in Zukunft gehören? „Bisher haben sich nur wenige Interessenten gemeldet“, gibt die zuständige Konkursverwalterin Katharina Kuster im schweizerischen Rapperswill gegenüber dem Mysteries-Magazin zu. Derzeit gehört der Kessel nämlich sozusagen der Schweiz. Nach der Betrugs-Pleite des Unternehmers Marcel W. und dessen Verurteilung (tz berichtete) wurde das Gold-Gefäß nämlich von der dortigen Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Und da W. bei seinem Gläubigern Schulden hat, soll das Ding nun verkauft werden.

Schatz stammt aus dem vergangenen Jahrhundert

Die Geschichte um den „Gral“ könnte aus einer Abenteuer-Komödie à la Hollywood stammen: Alles begann im Jahr 2001. Da fanden zwei Taucher in etwa elf Metern Tiefe des Chiemsees den 50 Zentimeter breiten Topf. Die keltischen Motive auf der Oberfläche gaben Rätsel auf. War der Schatz antik? Vielleicht gar uralt? 2000 Jahre? Da das Stück im Chiemsee gefunden wurde, gehörte es automatisch dem Freistaat (die zwei Münchner Taucher bekamen eine Belohnung). Dieser überprüfte die Echtheit des Kessel und stellte schnell fest: Der Topf ist aus dem vergangenen Jahrhundert. Nix antik also. Und so verkaufte Bayern den Kessel für 160 000 Euro an eine Privatperson. Wenig später gelangte der Goldtopf dann in die Hände von Marcel W. Und der begab sich schnell auf Tingel-Tour: Überall suchte er nach Investoren, die sich an „dem Heiligen Gral“ beteiligen wollten. Er erzählte nämlich jedem, dass in diesem Gefäß das Blut Christi aufgefangen worden sei. Der Wert des Topfs liege daher bei mindestens 250 Millionen Euro. Unglaublich: Viele Investoren wollten sich beteiligen, gaben ihr Geld dem Firmenchef aus der Schweiz – bis der Schwindel aufflog.

Und nun steht der Kessel eben im Tresorraum einer Bank. Übrigens: Vermutlich hat ihn der Münchner Goldschmied Otto Gahr Ende der 1920er- oder Anfang der 1930er-Jahre gefertigt. Die Optik ist – naja, Geschmackssache. Egal, wenn sich ein Käufer findet, wird er wahrscheinlich eh eingeschmolzen. Und dann ist er endgültig Geschichte – der Goldkessel vom Chiemsee.

tz

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