Drama beim Schulsport

Herzinfarkt! So retteten Ärzte David (16)

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David Rühl (16) und sein Vater Andreas sind überglücklich

Memmingen - Der 16-jährige David erlitt beim Schulsport einen Herzinfarkt. Sein Vater ist empört, dass die Lehrer zu wenig getan haben. Die Ärzte retteten den Jugendlichen.

Die Ohnmacht traf David wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Eben noch hatte sich der begeisterte Fußballer und Judoka in der Schulturnhalle so richtig ausgetobt. Jetzt lag er da auf dem Boden, regungslos und leichenblass, seine Klassenkameraden standen hilflos um ihn herum. Kein Puls, Davids Herz hatte aufgehört zu schlagen. „Aber statt Wiederbelebungsversuche zu unternehmen, haben ihn seine beiden Sportlehrer lediglich in die stabile Seitenlage gebracht“, berichtet Vater Andreas. Er ist noch immer zutiefst empört. „Die Lehrer haben ihn nicht beatmet, sie haben praktisch tatenlos auf den Sanka gewartet.“

Erst der Notarzt übernahm die überfällige Reanimation. Und der Mediziner schaffte es tatsächlich, Davids Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Von der Realschule in einer schwäbischen Gemeinde kam er mit Blaulicht nach Memmingen ins Krankenhaus.

Experten am Kinderherzen: Prof. Rüdiger Lange und Prof. Christian Schreiber

Dort begannen die Ärzte sofort, ihren Patienten mit einer speziellen Kältetherapie zu behandeln. So wollten sie Blutungen und damit weitere Schädigungen von Gehirnzellen vermeiden. Trotzdem war die erste genauere Diagnose nach Davids Rettung niederschmetternd. Sein Gehirn hatte lange keinen Sauerstoff erhalten. Diese Unterversorgung hinterließ Spuren: Er konnte nicht mehr sprechen, nicht mehr gehen, seine Arme kaum vernünftig bewegen. „Wir mussten befürchten, dass David bettlägerig bleibt und zum Pflegefall wird“, erzählt sein Papa.

Inzwischen hatten die Ärzte auch herausgefunden, warum David kollabiert war. Er litt an einer seltenen Fehlbildung am Herzen, die Schätzungen zufolge nur etwa 0,25 bis 0,5 Prozent aller Babys aufweisen. Ein Fall für ausgewiesene Spezialisten – so wurde David ins Deutsche Herzzentrum München (DHM) verlegt. Dort kümmerte sich ein erfahrenes Team mit Chef Professor Rüdiger Lange und seinem Stellvertreter Professor Christian Schreiber um den schwerkranken Buben. „Jeder Mensch hat zwei Herzkranzarterien, die normalerweise aus der Aorta entspringen“, erklärt Lange. „Bei David ist die linke Herzkranzarterie aber aus der Lungenschlagader gewachsen.“

Wie die meisten anderen Betroffenen auch merkte der Bub nichts von dem Defekt – bis die Arterie eines Tages unter großer Belastung ihren Dienst versagte. „Dann kommt es zu ähnlichen Symptomen wie bei einem Herzinfarkt“, berichtet Schreiber.

Erfahrene Herzchirurgen können diese seltene Fehlbildung mit einer OP beheben. Aber bei David wäre ein solcher Eingriff zunächst zu riskant gewesen – sein Körper war nach dem Quasi-Infarkt zu sehr geschwächt. Deshalb entschieden sich die Ärzte, die OP zu verschieben und David zunächst in eine Rehaklinik nach Vogtareuth zu überweisen. Sein angeschlagenes Herz schützten sie vorübergehend mit einem Spezial-Schrittmacher. Er verhinderte vorübergehend, dass sich der Kollaps wiederholt. In der Reha lernte er langsam wieder laufen und sprechen, sein Erinnerungsvermögen begann sich zu erholen. „An die erste Zeit nach meinem Unfall kann ich mich zwar immer noch nicht erinnern“, erzählt David. „Aber in Vogtareuth ging’s mir von Tag zu Tag besser.“ Mit dem Spaß am Training kamen auch die Fortschritte bei der Genesung. „David hat sich super reingehängt“, lobt Papa Andreas. Inzwischen kann sein Sohn wieder fast normal laufen und sprechen.

Im März, gut drei Monate nach dem Herzstillstand, wagten Lange und Schreiber dann den Eingriff, um Davids Herz zu reparieren. „Wir haben die Kranzarterie verpflanzt, sie entspringt jetzt regelrecht aus der Aorta“, erläutert Schreiber. „Wir können davon ausgehen, dass sich David wieder von der Herzattacke erholen wird.“

Sein Vater ist überglücklich, er strahlt mit seinem Sohn um die Wette. „So sehr ich mich über das Versagen der Lehrer nach Davids Zusammenbruch ärgere, so dankbar bin ich den Ärzten für ihre Hilfe“, sagt Andreas Bühl. „Wir sind nur ganz normale Kassenpatienten, aber bereits im Memminger Krankenhaus und später im Herzzentrum haben sich die besten Spezialisten um meinen Sohn gekümmert. Ich hätte gedacht, dass man diese Chance nur als Privatpatient bekommt. Dass es aber nicht so war, hat mir ein Stück Vertrauen in Deutschland zurückgeben.“

Andreas Beez

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