Gemeine Hetzjagd auf Paar

Landrat Adam gewährt Schwulen Asyl

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Landrat Michael Adam will dem Pärchen helfen.

Regen - Ein homosexuelles Paar im Bayerwald ist einer gemeinen Hetzjagd ausgesetzt. Landrat Michael Adam gewährt den beiden Schwulen Asyl. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.  

Michael Adam hat noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass er homosexuell ist. Und die Menschen im Bayerwald hat das auch noch nie gestört. Adam wurde 2008 in Bodenmais im Alter von 23 Jahren der jüngste Bürgermeister Bayerns; seit gut einem Jahr ist der heute 28-jährige SPD-Politiker Landrat in Regen. Adam hat sich jetzt in einen Fall von besonders fieser Diskriminierung eines schwulen Paares in einem Dorf nahe Freyung eingeschaltet und will helfen: Er hat den beiden Männern quasi Asyl angeboten.

Die ganze Geschichte: Es geht um den 27-jährigen Tobias G. (Name geändert). Der lebt mit seinem Lebensgefährten in einem Dorf nahe Freyung (der Ort sei hier zum Schutz der Verfolgten nicht genannt). Die beiden stammen von dort, lebten aber zehn Jahre in Spanien. Dort hatte Tobias ein Restaurant geführt. Keine Spelunke – im Gegenteil: Der Mann ist Sternekoch – alles nur vom Feinsten. Vor wenigen Monaten entschloss der Niederbayer sich dann zur Rückkehr und dazu, in seinem Heimatdorf einen richtigen Gourmet-Tempel auf die Beine zu stellen.

Gesagt, getan – doch wenig später ging die perfide Hetzjagd los. Als erstes fand der junge Mann in seinem Briefkasten eine Drohung: „Lass die Finger von dem Lokal, wir brauchen so etwas wie Euch hier nicht“, stand in dem anonymen Schreiben. Es folgten weitere Zettel, weitere Drohungen. Doch dann kam der absolute Hammer: Ein Unbekannter gab bei der Passauer Neuen Presse – der dortigen Heimatzeitung – eine Todesanzeige für Tobias G. auf. In dem geschmacklosen Brief (siehe Foto rechts) wird vorgegeben, dass der Vater für seinen toten Sohn die Anzeige aufgibt. Zum Glück reagierten die Angestellten bei der PNP aufmerksam und riefen sicherheitshalber unter der angegebenen Nummer des echten Vaters an: Der Schwindel flog dadurch auf, die Anzeige wurde nicht gedruckt.

Doch das war noch nicht alles: In einem offenen Brief, den der oder die Unbekannten verfassten und an die PNP schickten, behaupteten sie, dass Tobias G. HIV-positiv sei. So einer könne doch kein Lokal führen – dann steckten sich doch alle Gäste mit AIDS an, so der Tenor des Hetzschreibens.

Tobias G. ist tatsächlich HIV-positiv, die Krankheit ist bei ihm aber nicht ausgebrochen. Zudem ist er durch spezielle Medikamente zu 99,9 Prozent nicht ansteckend. AIDS kann außerdem nur übertragen werden, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten mit Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen. Kochen gehört da sicher nicht dazu.

Mittlerweile ermittelt die Kriminalpolizei im Fall der Hetzjagd. Tobias G. hat Strafanzeige erstattet. Und Michael Adam? Der hat eben eine schnelle Lösung im Angebot: „Die Zwei können bei uns leben. Wir finden ein Restaurant für sie.“ Wenn nur alle so denken würden im Bayerwald …

age

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