Wie das Wetter wirklich wird

Heute beginnt der Frühling - aber nur im Kalender

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Am 20. März fängt der Frühling an - laut Kalender

München – Heute Mittag beginnt der astronomische Frühling: um 12.02 Uhr. Der genaue Zeitpunkt lässt sich jedes Jahr exakt voraussagen. Die Temperaturen zum Jahreszeitenwechsel dagegen nicht – sie schwanken gewaltig.

Der Frühling beginnt. Heute. Genauer gesagt um 12.02 Uhr. Dann steht die Sonne senkrecht über dem Äquator und der Winter ist astronomisch gesehen vorbei. Dem Wetter scheint das egal zu sein. Statt Frühlingsgefühlen und T-Shirt-Temperaturen sind gerademal zehn Grad geboten. „Der März ist ein extremer Monat. Vom tiefsten Winter bis zum Frühsommer ist alles möglich“, erklärt Johann Siemens . „Zur Zeit ist es eben etwas winterlicher.“ Siemens arbeitet im Observatorium des Deutschen Wetterdienstes auf dem Hohen Peißenberg und hat sämtliche Wetterdaten im Überblick (siehe Kasten). „Es war auch schon mal deutlich wärmer“, sagt der Meteorologe. „Im Jahr 1973 hatten wir hier oben 19,3 Grad,“ So stellt man sich einen Frühlingsanfang schon eher vor.

Doch es kann auch ganz anders kommen: Am 20. März 1887 zeigte das Thermometer auf dem Hohen Peißenberg nur frostige 10,9 Grad unter Null an. Zwischen Eisessen in kurzer Hose und Schneeschaufeln in der warmen Daunenjacke ist alles möglich.

Heute muss eher noch die Daunenjacke herhalten. „Dabei geht es uns in Bayern noch ganz gut“, sagt Siemens. Im Norden und Osten von Deutschland ist es dagegen bitterkalt. Der DWD registrierte bis zu 22 Zentimeter Schnee. Die Temperaturen liegen teilweise im zweistelligen Minusbereich. Auch in Bayern bleibt es trotz der milden Tage noch eine Weile kalt.

Die genaue Wettervorhersage finden Sie hier

Im Gegensatz zum ersten Biergartenausflug lässt sich aber zumindest der astronomische Frühlingsanfang jedes Jahr minutiös planen. Er richtet sich nach dem Sonnenverlauf und fällt immer auf den 20. oder 21. März. Das genaue Datum hängt von der Lage des Jahres zum nächsten Schaltjahr ab. Heute sind auf der ganzen Welt Tag und Nacht in etwa gleich lang: Zwischen dem ersten und letzten Sonnenstrahl vergehen exakt zwölf Stunden. Die Sonne geht genau im Osten auf und genau im Westen unter. Eine solche „Tagesundnachtgleiche“ gibt es nur zweimal im Jahr. Die zweite tritt immer am 22. oder 23. September zum Herbstanfang auf.

An der Tageslänge orientieren sich auch Vögel bei ihrem Balzgesang-Verhalten. „Je mehr das Tageslicht zunimmt, desto mehr Testosteron wird bei den Männchen ausgeschüttet. Das bedingt den vermehrten Gesang im Frühling“, erläutert Thomas Rödl vom Landesbund für Vogelschutz. Der Begriff „Frühlingsgefühle“ kommt nicht von ungefähr.

Der Frühlingsanfang hat in den vergangenen Jahrzehnten die unterschiedlichsten Facetten gezeigt. Auf dem Hohenpeißenberg ist alles genau notiert. Mittlerweile erfolgen die Messungen alle automatisch, und zwar im Sekundentakt. Trotzdem gehen Siemens und seine Kollegen selber dreimal täglich raus an die Messstationen und überprüfen die Werte eigenhändig. Genau wie bei der ersten Messung 1781. „Wir achten halt auf die Tradition“, sagt er. Schließlich ist die Messstation im bayerischen Voralpenland das älteste Bergobservatorium der Welt.

TASSILO PRITZL

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