HirschRudel-Likör ein Plagiat?

Hirschkuss: Zoff mit Verpoorten

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Streit um den Kräuterlikör: Petra Waldherr-Merk hat mit ihrer Gaißacher Manufaktur Ärger mit einem der Großen der Likörbranche.

Gaißach - Neuer Rechtsstreit in der Likörbranche: Die Gaißacher Hirschkuss-Herstellerin Petra Waldherr-Merk geht gegen Verpoorten vor.

Hirschkuss-Herstellerin Petra Waldherr-Merk hat neuen Ärger. Nachdem die Manufaktur aus Gaißach (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) den Markenstreit mit Jägermeister gewonnen hatte, erhebt die 49-Jährige nun Plagiatsvorwürfe. Ihr Gegenüber ist erneut ein großer Name aus der Likörbranche.

Im Herbst 2015 wurde Petra Waldherr-Merk von einem Gastronomietester angerufen. Er habe einen Likör namens HirschRudel probiert und sei überzeugt, dass es sich dabei eigentlich um Hirschkuss handelt. Die Gaißacher Unternehmerin fand heraus, dass HirschRudel ein Produkt der Firma Seven Spirits ist. Und deren Geschäftsführer ist Dirk Verpoorten aus der gleichnamigen Bonner Eierlikördynastie.

Auf der Homepage der Firma heißt es, dass Oma Elly Verpoorten als Kind begeistert Kräuter sammelte. Dabei habe sie ein Rudel Feisthirsche entdeckt. Die an "diesem magischen Ort" gesammelten Kräuter habe sie ins Poesiealbum gepresst, und später soll sie daraus einen Likör kreiert haben. Enkel Dirk Verpoorten sei auf das Rezept gestoßen. Die Legende rund um den Kräuterlikör kommt Waldherr-Merk bekannt vor. "Es tauchen zu viele Ähnlichkeiten zu unserer Geschichte und unserem Herstellungsprozess darin auf", sagt sie zum Tölzer Kurier.

Zutaten des Hirschkuss-Rezeptes streng geheim

Tatsächlich stammt das Hirschkuss-Rezept von Waldherr-Merks Großtante. Zutaten und Zubereitung sind ein streng gehütetes Familiengeheimnis. "Es scheint, als ob hier praktisch unsere komplette Geschichte kopiert worden ist." Sie bezweifelt, dass Oma Elly bei ihren Streifzügen durch Berliner Wälder auf Alpenkräuter wie Enzian gestoßen ist - die sind Bestandteil von Hirschkuss und HirschRudel.

Laut einer Laboranalyse sei das Aromaprofil bei beiden Produkten nahezu identisch, so die Gaißacher Unternehmerin. Vor einem Rechtstreit scheute sie zunächst zurück. Weil aber HirschRudel deutlich mehr kostet als ihr Likör, befürchtet Petra Waldherr-Merk, "dass irgendwann jemand denkt, dass es sich bei Hirschkuss um das Plagiat handelt".

Patentanwalt eingeschaltet

Die Rezeptur von Hirschkuss habe man nicht von Anfang an geschützt. Man ging davon aus, dass diese dann - wie bei Patenten - en Detail veröffentlicht hätte werden müssen. "Das wäre quasi eine Einladung, unseren Hirschkuss nachzumachen." Waldherr-Merk schaltet ihren Patentanwalt ein. Der wies die Seven Spirits GmbH auf die Verletzung der gewerblichen Schutzrechte hin. Die Gegenseite drohte darauf mit einer Feststellungsklage. Waldherr-Merk sieht dem unerschrocken entgegen. Wenn das Unternehmen nicht einlenke, "werden wir beim Patentamt München Löschungsantrag für HirschRudel stellen."

Dirk Verpoorten äußerte sich zu den Vorwürfen: Man stelle "ein ultra Premium Produkt" her. "Eine Ähnlichkeit hinsichtlich HirschRudel und Hirschkuss sehen wir überhaupt nicht." Farbe, Form und Etikett der Flaschen seien völlig anders. Hirschkuss habe einen Alkoholgehalt von 38 Prozent, bei HirschRudel sind es nur 35 Prozent.

Veronika Ahn-Tauchnitz

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