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Wasser als Mangelware: In Franken wird es knapp – Landkreise reagieren mit Verboten

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Von: Felix Herz

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Kaum Regen und niedriges Grundwasser: In Franken ist das Wasser derzeit knapp – viele Landkreise ziehen nun Konsequenzen.

Forchheim – Eine Hitzewelle jagt die nächste und Meteorologen rufen verzweifelt nach Regen: Der Sommer 2022 stellt eine hohe Belastung für Mensch und Natur dar. Doch die Lage ist nicht überall gleich: Während es in Alpennähe und im Bayerischen Wald verhältnismäßig gut aussieht, herrscht vor allem in Franken anhaltende Trockenheit. Mehrere Landkreise reagieren darauf mit Regeln, sie regulieren unter anderem, wer wie viel und welches Wasser zum Gießen nutzen darf.

Franken: Wegen Trockenheit – eingeschränkter Wasserverbrauch

Grundsätzlich ist es so: Kleinere Mengen Wasser dürfen Menschen aus Bächen abschöpfen, hier gilt der „Gemeingebrauch“, etwa mit Gießkannen und Flaschen. Für größere Mengen braucht es eine Genehmigung. Doch auch den Gemeingebrauch können die Behörden verbieten, wenn anhaltende Trockenheit und niedrige Wasserstände den Lebensraum im und am Wasser gefährden. Ein solches Verbot gilt zum Beispiel seit Mitte Juli in den Landkreisen Forchheim, Lichtenfels und Weißenburg-Gunzenhausen.

Auch ist es möglich, das Gießen mit Trinkwasser aus der Leitung zu untersagen – „in begründeten Einzelfällen“, sagt Juliane Thimet, Expertin für Wasserrecht beim Bayerischen Gemeindetag der Nachrichtenagentur dpa. Die Entscheidung obliegt den Wasserversorgern – meistens die Gemeinden oder Kommunen – vor Ort. Dann ist es beispielsweise verboten, mit Leitungswasser den Pool zu befüllen, den Garten zu gießen oder das Auto zu waschen. Ein solches Verbot galt zum Beispiel 2015 in Forchheim.

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Wassermangel: Drastischere Maßnahmen und mögliche Strafen

Rechtlich nicht möglich in Bayern sind aber verordnete Duschpausen oder ein Verbot, Leitungswasser fürs Baden in der Badewanne zu nutzem. Auch die Versorgung mit Trinkwasser komplett einzustellen, geht nur bei akutem Wassermangel – zum Beispiel bei einer größeren Störung des Versorgungsnetzes oder weil eine Quelle versiegte.

Es ist aber möglich, dass Landkreise und Gemeinden verbieten, den Garten mit Leitungswasser oder Wasser aus Flüssen, Bächen und Seen zu gießen. So geschehen vor wenigen Tagen im Landkreis Esslingen. In einem solchen Fall bleibt dann auch tatsächlich nur noch das Wasser aus dem Supermarkt zum Gießen des Gartens – eine teure Alternative.

Bei Verstößen gegen das Verbot von Wasserentnahme aus Gewässern droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Wer gegen die Trinkwasser-Einschränkung verstößt, muss mit Zwangs- und Bußgeldern rechnen. Generell ist es aber schwer, solche Verbote auch zu kontrollieren und durchzusetzen. Es gehe vor allem darum, Wasser nicht zu verschwenden, sagt eine Sprecherin des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft der dpa: „Wir brauchen und wollen keine Wasserpolizei.“

Ernste Situation? So ist die Lage in Bayern

Sorgen um die Wasserversorgung in Bayern müssen sich Privatleute derzeit aber keine machen. Doch wegen des Klimawandels muss man aber in Zukunft deutlich häufiger mit problematisch heißen und trockenen Sommern rechnen. Oberste Priorität hat daher das Thema „Wasserzukunft Bayern 2050“ – unter diesem Titel arbeitet die Staatsregierung an Konzepten zur Sicherstellung der Wasserversorgung auch in den kommenden Jahrzehnten, in denen die Folgen des Klimawandels immer sichtbarer werden.

Wasserrechtsexpertin Thimet rechnet damit, dass der Streit um die Verteilung des Grundwassers schärfer wird. Man müsse sich auf die Zukunft vorbereiten, auch darauf, dass es schlimmer wird. Hier sieht sie eine Ähnlichkeit zur aktuellen Situation rund um die Gasversorgung: „Brauchen wir erst Druck und Zwang, bevor wir reagieren?“ (fhz)

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