Der Untergang

Ausnahmezustand im Raum Deggendorf

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Bilder wie diese sind im Landkreis Deggendorf leider keine Seltenheit.

Deggendorf - Im Landkreis Deggendorf herrscht Ausnahmezustand. Die Hochwasser-Katastrophe hat großen Schaden angerichtet. Viele Menschen bangen um ihre Existenz.

Gegen 7 Uhr hört Claudia Steininger (45) aus dem Radio eine ganze Reihe von Namen, die ihr bestens geläufig sind, weil ja Bekannte und Freunde dort wohnen. „Ruckasing“ … „Arbing“ … „Künzing“ – insgesamt 15 Ortsbezeichnungen, und das macht ihr Angst. Dann folgt „Evakuierung“. Gestern Früh verschärft sich die Flutkatas-trophe im Raum Deggendorf weiter. Donauabwärts bei Osterhofen droht ein durchgeweichter Damm zu brechen.

Wenig später fährt im Schlauchboot Joachim Zimmermann zu seiner Schreinerei nach Fischerdorf, jenem westlichen Stadtteil von Deg-gendorf, der bis zu den Dächern vom Hochwasser umspült wird. Mit dem 51-Jährigen fährt die Furcht mit. „Wie wird es meinem Betrieb gehen?“ Jenen Betrieb, den er in der dritten Generation führt. Am Boot treiben Gastanks vorbei. Auf einem Hausdach, das gerade mal so aus dem Wasser schaut, putzen sich Gänse ihr Gefieder. Es ist ein fast irreales Szenario, wie es dies in Bayern doch eigentlich nicht geben dürfte.

Die Schreinerei, wie sie früher dastand, sie gibt es nicht mehr. „Die Werkstatt im Erdgeschoss steht komplett unter Wasser, die Maschinen und die Materialien wie Lacke und Holz sind im Wasser“, berichtet der geschockte Handwerker und er spricht auch eine Sorge aus. „Soll ich jetzt nicht besser Insolvenz anmelden?“

Um Fassung ringt auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der sich zusammen mit Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) einen Eindruck im Krisengebiet verschafft. „Es ist unbeschreiblich schlimm. Das übersteigt alle Dimensionen.“ Vieles hat ein riesiges, braungraues Meer verschluckt, das es erst seit wenigen Tagen gibt. Darunter liegen zwei Autobahnen, Staats-, Kreisstraßen. Versuche, wenigstens die A 92 freizubekommen, scheitern. Die ganze Region ist isoliert, und wo noch der Verkehr rollen könnte, steht er meist wegen totaler Überlastung.

Was früher normal war, ist jetzt kaum zu schaffen. Etwa den dringenden Arzttermin einhalten. Die Praxis ist zwar nah, aber wie über die Donau kommen? Oder in die Schule gehen. Doch irgendwann wird es wieder soweit sein. Deswegen wartet Sandra Rager auf ein Schlauchboot-Taxi, das sie zu ihrem im Wasser stehenden Haus bringen soll. „Ich will Schulsachen für meinen Sohn holen. Der muss doch bald wieder in den Unterricht.“

Schock-Fotos: Land unter im Kreis Deggendorf

Schock-Fotos: Land unter im Kreis Deggendorf

Claudia Steininger wohnt auf sicherem Terrain. Doch ihr Mitgefühl tut den um die Existenz kämpfenden Freunden gut. Hab Angst um dich simst sie einer aus der Wohnung evakuierten Bekannten. Stunden später kommt eine hastig geschriebenes Danke zurück.

Kurz vor 13 Uhr – Sirenenalarm in Osterhofen. Noch hält der Damm.

tz

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