Hochwasseropfer sind nicht allein

Welle der Hilfsbereitschaft geht durch Bayern

+
Ein Bild wird zum Symbol der Hilfsbereitschaft: Tausende klickten gestern das Foto des fleißigen Mini-Fluthelfers an, der Sandsäcke füllt. Wer er ist, ist leider nicht bekannt

München - Die Hochwasser-Katastrophe ist für viele Menschen in Bayern ein absoluter Albtraum. Vielerorts sind Existenzen bedroht. Doch durch den Freistaat geht eine Welle der Hilfsbereitschaft.

Auszug aus Facebook

Ein kleiner Bub schaufelt Sand in einen Sack, den ihm seine Mutter aufhält. Ja, sogar die Kleinsten packen an! Das rührende Foto ist derzeit das Symbolbild im Internet, wenn es um all die Hilfsangebote für die Hochwasseropfer geht. Und die Welle an Hilfsbereitschaft ist riesig: So bieten beispielsweise auf der Facebook-Seite Wir helfen Passau hunderte Menschen eine kostenfreie Unterkunft, warmes Essen oder auch „nur“ ihre helfenden Hände an, um den Flutopfern in Bayern irgendwie beizustehen. Und das ist nicht alles: Auch auf die verschiedenen Hilfskonten gingen gestern schon Hunderttausende Euro an Spenden ein. Die große Flut-Unterstützung – sie erstaunt auch viele Rettungskräfte: „So etwas habe ich in dieser Dimension noch nie erlebt“, sagt ein Sprecher der Bayerischen Roten Kreuzes gegenüber der tz. „Wildfremde Menschen kommen zu Einsatzorten und packen einfach an. Das ist toll!“

Im Internet können Flutopfer kostenfreie Unterstüzung regelrecht buchen: „Wer Hilfe beim Aufräumen braucht, soll mich kontaktieren“ schreibt da beispielsweise Daniel S. aus Passau. In der Dreiflüssestadt haben sich zudem mehrere Gruppen von Studenten zusammengetan, um Feuerwehrler und Einsatzkräfte während ihrer Arbeit mit Wurstsemmeln oder Kaffee zu versorgen. Aus eigener Tasche. Auch in Regensburg, Deggendorf oder Rosenheim packen Anwohner an, um betroffenen Nachbarn beizustehen. Die tz sprach mit einigen der Hilfsbereiten: 

Biete Schlafplätze

Ich wohne zwar in München, aber für mich war klar: Bei so einer Hochwasserkatastrophe muss man Hilfe anbieten. Also habe ich kurzerhand einige Schlafplätze in meiner Wohnung in München angeboten. Bislang hat sich zwar noch keiner gemeldet, aber der gute Wille zählt. Ich nehme jederzeit gern Gestrandete auf. Wenn es hart auf hart kommt, müssen wir zusammenhalten.

Wilfried Hafner (40) aus München

Zusammenhalt spürbar

Wir hier in Passau sind wohl das einzige Wohnheim, das vor dem Hochwasser verschont geblieben ist. Hier gibt’s noch Strom und noch fließendes Wasser. Also haben wir, so 60 bis 70 Leute, uns am Montagabend aufgemacht und Hilfe angeboten. Wir haben Kaffee und Tee gekocht, Kuchen besorgt und belegte Semmeln organisiert und sind damit in die Innenstadt gefahren. Vor allem die vielen Helfer und Einsatzkräfte haben sich über ein warmes Getränk gefreut. Man merkt auch richtig, wie groß der Zusammenhalt nicht nur bei uns, auch in der ganzen Stadt ist: Die Stimmung ist wirklich so nach dem Motto: „Lasst uns alle zusammenhalten!“ Und das tun wir jetzt auch. Wir helfen, solange wir helfen können.

Andrea Fischer (24) mit anderen Studenten des Leonhard-Studentenwohnheims in Passau

Natürlich helfen wir!

Bei mir läuft rund um die Uhr der Fernseher: Ich finde die Flutkatastrophe wirklich sehr schlimm. Also habe ich sofort gedacht, da müssen mein Mann und ich helfen. Wir haben ein großes Haus – und bieten Leute Schlafplätze an. Die Betroffenen brauchen doch einen sicheren Ort, wo sie auch mal ausschlafen können. Für mich ist es völlig selbstverständlich, in solchen Tagen zu helfen.

Astrid Herbst (55) aus Roßbach

Kleidung für Flut-Opfer

Ich habe am Montag gleich Kleidung für Hochwasser-Opfer im Internet angeboten. Und tatsächlich, am Vormittag meldeten sich ein paar Betroffene und nahmen die Hilfe sofort dankend an. Viele von ihnen haben erzählt, dass sie gar nichts mehr haben. Da habe ich gleich noch ein paar Toilettenartikel draufgepackt! Statt auf dem Flohmarkt landete die ausrangierte Kleidung nun bei denen, die sie brauchen.

Elisabeth Dutter (28) aus Passau

Auch interessant

Meistgelesen

Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Junger Motorradfahrer (17) stirbt bei Unfall
Junger Motorradfahrer (17) stirbt bei Unfall
Die letzten Musikkapellen ohne Frauen – und das wollen die Männer nicht ändern
Die letzten Musikkapellen ohne Frauen – und das wollen die Männer nicht ändern
Ehepaar stirbt bei Brand in Einfamilienhaus - Sohn kann gerettet werden
Ehepaar stirbt bei Brand in Einfamilienhaus - Sohn kann gerettet werden

Kommentare