Gefährlicher Bauschutt verbrannt

Dioxin-Alarm auf berühmter Alpenhütte

+
Der Abriss der Höllentalangerhütte bei Grainau im letzten Jahr.

Grainau - Beim Abbruch der Höllentalangerhütte (1387 Meter) des Deutschen Alpenvereins (DAV) im Wettersteingebirge ist giftiger Bauschutt verbrannt worden. Nun ist der Boden mit Schwermetallen verseucht.

Umweltskandal an der Zugspitze: Beim Abriss der berühmten Höllentalangerhütte (Grainau) haben Arbeiter giftiges Material verbrannt. Das bestätigt jetzt ein Gutachten. Die Folge: Der Boden ist teils schwer verseucht, Werte liegen im kritischen Bereich, von krebserregenden Stoffen ist die Rede. Sogar das Trinkwasser muss nun kontrolliert werden!

Blei und Kupfer, Dioxine und Furane im Boden nachgewiesen

Eine Münchner Firma war mit dem Abbruch beauftragt. Fest steht nun: Arbeiter haben den Baumüll nicht etwa – wie vertraglich vereinbart – ordnungsgemäß ausgeflogen, sondern Teile davon vor Ort verbrannt. Jetzt bestätigt eine chemische Analyse den Umweltfrevel. Das Gutachten liest sich überaus besorgniserregend. Demnach haben Sachverständige des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen sowie des Landesamtes für Umwelt Schwermetalle wie Blei und Kupfer, Dioxine und Furane im Boden nachgewiesen, die in der Natur nicht abgebaut werden.

Dioxine und Furane entstehen bei Verbrennungsvorgängen, „sind hochtoxisch und krebserregend“, heißt es in der Analyse. Und weiter: „Bereits geringe Konzentrationen genügen für eine nachhaltige Gesundheitsschädigung.“ Gefährlich wird’s, sobald die Stoffe in den Körper gelangen. Besonders spielende Kinder könnten verunreinigte Kieselsteine in den Mund nehmen. „Das kann schon ausreichen“, so die Experten im Landratsamt.

Kritische, aber „noch nicht sehr besorgniserregende Ergebnisse"

So soll der Neubau aussehen

Trotz der drastischen Formulierungen kommen die Sachverständigen erstaunlicherweise zu dem Schluss: Es handelt sich um kritische, aber „noch nicht sehr besorgniserregende Ergebnisse“. Dafür sind die nachgewiesenen Mengen der Schwermetalle und Dioxine zu gering. Dennoch rät das Landratsamt, „eine geplante Trinkwassernutzung aus der neu zu erschließenden Quelle im Höllentalanger an ein Überwachungsprogramm zu knüpfen“. Zudem muss das belastete Material, das ausgehoben und in der Nähe der Hütte zwischengelagert wurde, entsorgt werden. Die Kosten trägt der Verursacher.

Die Höhe der Kosten ist derzeit noch unklar

Auf dem Papier ist das der Deutsche Alpenverein als Bauherr. Der werde selbstverständlich die für den Abriss zuständige Firma in Haftung nehmen, betont Hüttenreferent Thomas Gesell, der das 4,5-Millionen-Euro-Großprojekt Höllentalangerhütte verantwortet. Um welche Menge an Material es sich handelt, können die Experten noch nicht sagen. Daher ist auch die Höhe der Kosten unklar.

Der Abbriss der 1893 erbauten Traditionshütte am Fuß der Zugspitze war von Anfang an eine Mammutaufgabe. Gegner beschimpfen die neue Hütte, die 2015 eröffnet werden soll, als „modernistischen Schachtelbau“. Nun stellt sich die Frage: Wann wird der Neubau fertig?

K. Bromberger

Auch interessant

Meistgelesen

Allerheiligen 2017: Wie lange dauert das Tanzverbot in Bayern?
Allerheiligen 2017: Wie lange dauert das Tanzverbot in Bayern?
Das Geisterhotel am Tegernsee: Er lebt noch drin - ohne Strom
Das Geisterhotel am Tegernsee: Er lebt noch drin - ohne Strom
Bildungsalarm: Niveau bei Grundschülern sinkt, nur Bayern sticht hervor
Bildungsalarm: Niveau bei Grundschülern sinkt, nur Bayern sticht hervor
Ungewöhnlicher Protest: Zombie-Walk vor H&M
Ungewöhnlicher Protest: Zombie-Walk vor H&M

Kommentare