Bilder und Video

Irre Aktion: Künstler pilgern zu Hoeneß' Haus

+
In einer Bittprozession pilgerte die Gruppe um Aktionskünstler Christian Diaz (2.v.r.) zu Hoeneß’ Haus in Bad Wiessee.

Bad Wiessee - Aktionskünstler sind am Dienstagvormittag zu Uli Hoeneß Haus in Bad Wiessee gepilgert und haben das „Uli-versum“ ausgerufen - eine reichlich absurde Kunst-Aktion.

Am Ende kommt er doch. Die Schauspieler der Theatergruppe „Unkoordinierte Bewegung“ und ihre zusammengetrommelten Mitstreiter sind schon auf dem Weg in Richtung Tal, da taucht aus dem Wald, plötzlich, wie aus dem Nichts, ein roter Audi auf. Am Steuer sitzt: Uli Hoeneß, Ex-Präsident des FC Bayern und frisch verurteilter Steuerhinterzieher. Mit grimmiger Miene fährt er an den Aktionskünstlern vorbei, hebt kurz grüßend die Hand in Richtung Polizisten und biegt auf sein Grundstück ein. Ein paar Sekunden vergehen, dann schnackelt’s auch bei den Künstlern: „Uli, Uli“, rufen sie dem Audi hinterher. Und: „Er hat sich doch noch gezeigt!“

Damit hatte wohl keiner gerechnet an diesem Dienstagvormittag in Bad Wiessee. Schließlich klang das, was die Mitglieder der „Unkoordinierten Bewegung“ da vorhatten, auch reichlich absurd. War es auch, um das schon einmal vorwegzunehmen. Im Rahmen des derzeit laufenden Festivals Radikal jung des Münchner Volkstheaters hatte die Gruppe angekündigt, in einer „Bittprozession“ zu Uli Hoeneß Haus am Tegernsee zu ziehen – „für eine künstlerische Intervention im öffentlichen Raum“. Hinter der Gruppe steckt vor allem der Österreicher Christian Diaz, der durch eine rebellische Aktion am Wiener Burgtheater bekannt geworden ist.

Uli Hoeneß soll sein Haus öffnen - schließlich braucht er es bald nicht mehr

Am Haus angekommen, so der Plan weiter, wollten sie Uli Hoeneß davon überzeugen, seine Villa für Flüchtlinge und Kulturschaffende zu öffnen. Schließlich brauche er sie in den nächsten Jahren sowieso nicht, weil er im Gefängnis sitze. Stimme Uli Hoeneß zu, werde in der Nähe seines Hauses außerdem das „Burgtheater am Tegernsee“ errichtet. „Im Tal der Millionäre protzt selbstbewusst die neue Burg als ein Zeichen für die Libertas Bavariae“, hieß es in einem Facebook-Post. Na dann, auf an den Tegernsee!

Kunstaktion an Hoeneß-Haus in Bad Wiessee

Kunstaktion an Hoeneß-Haus in Bad Wiessee - die Bilder

Am Dienstag gegen 11.30 Uhr dann schleppen sich rund 30 Kunstschaffende und ihre Anhänger in geistlicher Kostümierung „Danke Uli“-Lieder singend hinauf zu Hoeneß Wiesseer Haus. Oben warten bereits Wiesseer Polizisten und Sondereinheiten und Vertreter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd auf die Prozession. „Wir fragen uns: Wird das Kunst oder eine Versammlung“, sagt Präsidiumssprecher Jürgen Thalmeier ein bisschen ironisch. Stellt sich das Ganze als Demonstration heraus, bekommen die Veranstalter Ärger. Denn die hätten sie anmelden müssen. Läuft es unter dem Begriff Kunst, haben die Organisatoren kein Problem. Die darf nämlich auch ohne Anmeldung gezeigt werden – wenn sie niemanden beleidigt.

Die Künstler krabbeln als Katzen in Richtung Uli Hoeneß' Haus

Als die Gruppe am Hoeneß-Haus ankommt, ist auch Thalmeier schnell klar: Das wird Kunst – und zwar ganz schön absurde. Die Künstler halten Reden – „Danke Uli, dass du dein Haus als Zuflucht für alle, die keine Rechte haben, öffnest!“ – , bauen einen Hoeneß-Altar, rufen ekstatisch „das wird ein neues Uli-versum“ und bitten: „Uli, erscheine uns!“ Von Uli Hoeneß allerdings keine Spur. Die Polizisten lächeln entspannt. Noch.

Irgendwann klettern nämlich einige Mitglieder der „Unkoordinierten Bewegung“ über einen Zaun auf Hoeneß’ Grundstück, bespritzen sich mit Kunstblut und krabbeln auf allen Vieren einer Katze in Richtung Hoeneß Haus hinterher. Jetzt ist Schluss mit Kunst, die Polizisten schreiten ein und schicken die Aktionskünstler zurück auf den öffentlichen Weg. Damit ist die Luft raus aus der reichlich seltsamen Aktion. Die Gruppe sammelt die mitgebrachten Hoeneß-Devotionalien ein und macht sich auf den Weg in Richtung Tal. Und Uli Hoeneß schleicht sich – fast unbemerkt – in seinem Audi zu seinem Haus. Kurz flammt die Aktionskunst bei denjenigen, die ihn gesehen haben, noch einmal auf – „sollen wir nicht doch klingeln?“ – und die Polizisten stellen sich noch einmal breitbeinig vor das Hoeneß-Anwesen – man weiß ja schließlich nie. Dann ist der Spuk vorbei.

Rundgang durch Hoeneß-Gefängnis: Bilder

Rundgang durch Hoeneß-Gefängnis: Bilder

Als die Mitglieder der „Unkoordinierten Bewegung“ schon außer Sichtweite und die Polizisten am Abrücken sind, rollt ein Porsche Cayenne auf dem Waldweg heran und hält bei einem älteren Herrn mit Wanderstöcken, der das Ganze aus gebührender Entfernung beobachtet hat. „Entschuldigen Sie, war das für oder gegen Uli Hoeneß?“, fragt die ältere Porsche-Fahrerin. Der Mann antwortet: „Ja mei, des war halt Kunst.“

Von Veronika Stangl

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Bildungsalarm: Niveau bei Grundschülern sinkt, nur Bayern sticht hervor
Bildungsalarm: Niveau bei Grundschülern sinkt, nur Bayern sticht hervor
Ungewöhnlicher Protest: Zombie-Walk vor H&M
Ungewöhnlicher Protest: Zombie-Walk vor H&M
Tödliches Überholmanöver in Rosenheim: Angeklagter erhält Führerschein zurück
Tödliches Überholmanöver in Rosenheim: Angeklagter erhält Führerschein zurück

Kommentare