Hotelgast muss Einsatz zahlen

"Warum?????": Feuerwehr grantelt - solche Einsätze nerven einfach nur

Augsburg - Die Augsburger Berufsfeuerwehr ist genervt. Zwei Mal Fehlalarm, zwei Mal der gleiche Grund: rauchen im Hotelzimmer. Und das auch noch beide Male die gleiche Person. Nun muss der Hotelgast wohl blechen.

Auf den ersten Blick liest sich der Text der Feuerwehr Augsburg zunächst wie ein normaler Einsatzbericht: Um 3.15 Uhr am Donnerstagmorgen wurden die Retter zu einem Hotel in die Hermanstraße nahe des Augsburger Hauptbahnhofs gerufen. Auslöser dafür war der Alarm eines automatischen Brandmelders. Die Räumung des Hotels verlief laut Feuerwehr "sehr ruhig und zügig" und als die Feuerwehrleute in das vierte Obergeschoss vorstießen, kam ihnen Rauch entgegen. Allerdings Zigarettenrauch. Und der Geruch von Deo-Spray, mit dem versucht wurde, den Rauch zu überdecken. Und an diesem Punkt hatten die Retter ein Déjà-vu der genervten Art, was angesichts der Vorgeschichte auch kein Wunder war.

Denn dieser Einsatz kam den Feuerwehrmännern und -Frauen wie den Gästen und Angestellten des Hotels ziemlich bekannt vor. Schließlich gab es dasselbe Prozedere laut Feuerwehr schon am Nachmittag davor: als auch der Brandmelder im vierten Stock des Hotels Alarm schlug, im gleichen Zimmer, desselben Hotelbewohners.

Der zweite Fehlalarm wird in Rechnung gestellt

Die Genervtheit der Feuerwehr ist zu verstehen, denn selbstverständlich wird jede Brandmeldung ernst genommen.  "Wenn man erst nachfragt, wäre das ein zu großer Zeitverlust", sagt Pressesprecher Anselm Brieger gegenüber unserer Onlineredaktion. Also wird jedes Mal mit dem gleichen großen Aufgebot angerückt. Im Falle des heimlichen Rauchers im Hotel: etwa 30 Feuerwehrkameraden und dazu Polizisten und der Rettungsdienst. 

Nach dem ersten Einsatz wurde der Hotelgast belehrt. "Von uns und auch vom Hotelmanager", erklärt Brieger. Und die Belehrung sei auf jeden Fall auch angekommen. "Er war der deutschen Sprache mächtig und hat das verstanden", sagt der Feuerwehrler. Anscheinend hat es aber dennoch nicht gefruchtet. Als er den Alarm erneut mit dem Qualm seiner Zigarette auslöste, versuchte der Hotelgast, den Geruch mit Deo zu vertuschen. "Klar, das ist ihm natürlich unangenehm, wenn wegen ihm das ganze Hotel geräumt wird", sagt Brieger.

Diese zweite Zigarette wird den Unbelehrbaren jetzt wohl teuer zu stehen kommen. "Den ersten Einsatz zählen wir nicht als Fehlalarm, der ist für den Betreiber kostenfrei", erklärt Brieger. Beim zweiten Alarm sei das aber anders. "Das ist ja fast schon Vorsatz", sagt der Augsburger Feuerwehrler. Die Rechnung dafür wird an den Hotelbesitzer gehen. "Und der wird es vermutlich an den Gast weitergeben", sagt Brieger. Für einen Einsatz wie diesen seien das um die 1000 Euro. Für dieses Geld hätte sich der Raucher eine Menge Schachteln Zigaretten kaufen können. 

Erst umsonst ausgerückt, dann beinahe überfahren

Einsätze wie diese kommen immer mal wieder vor. Mal ist es der Rauch eines Wasserkochers, mal eben der einer Zigarette. "Die Alarmanlagen sind aber oft auch sehr empfindlich", gibt der Feuerwehrler zu. Aber lieber einmal mehr ausrücken - oder auch zwei Mal - als dass dann doch etwas passiert. 

Wenn dann aber noch unaufmerksame und unflätige Autofahrer hinzukommen, ist die Genervtheit gleich doppelt verständlich. Als die Feuerwehr zum zweiten Mal am Hotel stand, fuhr ein Auto mit Karacho auf die Einsatzstelle zu und bremste trotz eines auf der Straße stehenden Feuerwehrmannes zunächst nicht ab. 

Als der Raser dann doch anhielt, und ihn der entgeisterte Feuerwehrmann fragte, ob er ihn überfahren wollte, entgegnete der Fahrer auch noch dreist: "Ich hab' sie schon gesehen!" Und gab beim Weiterfahren "wild gestikulierend zu verstehen, dass er eigentlich im Recht war", heißt es im Pressebericht der Feuerwehr. "Der Ton wird rauer", erzählt Brieger. Da komme es immer mal wieder vor, dass Passanten empört fragen "Könnt ihr eure Karre nicht auf die Seite stellen?" 

Warum?????

Die Retter stellen sich nach so einem Abend berechtigterweise zwei Fragen: "Warum? Löst ein Hotelgast trotz Belehrung zweimal den Brandmeldealarm aus?" und: "Warum? Achtet ein Autofahrer nicht auf einen gut durch Reflektoren-Streifen super sichtbaren Einsatzleiter und fühlt sich auch noch im Recht…?" Glücklicherweise kam dabei niemand zu Schaden. Höchstens der Glaube einiger Feuerwehrleute an die Menschheit. Und auch die Hotelgäste waren so erleichtert, dass keine Gefahr bestand, dass sie das Handyfilmen dann doch irgendwann einstellten.

Der Bericht der Feuerwehr zu diesen Einsätzen trägt übrigens die Überschrift: Das große „WARUM“.

nip / bix

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Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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