Krisendienst Psychiatrie

Hotline: Hier finden seelisch Kranke Hilfe

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Die Nummer für Notlagen: Der Krisendienst Psychiatrie ist nun oberbayernweit ausgebaut. Darauf ist Bezirketagspräsident Josef Mederer stolz. 

Immer mehr Menschen haben psychische Probleme. In Oberbayern gibt es nun flächendeckend eine Hotline für seelisch Kranke, die nicht mehr weiter wissen.

München – Der Zusammenbruch von Franz Mayer (Name geändert) kam aus dem Nichts. Familie, Freunde und Kollegen hatten nicht geahnt, wie schlecht es dem Vater einer kleinen Tochter schon seit Monaten ging. Nie habe der Mann aus dem Raum München über seine Probleme geredet – „alles in sich hineingefressen“, sagt einer seiner Freunde. Der Handwerks-Geselle mittleren Alters hatte sich übernommen, neben seiner Vollzeit-Arbeit jobbte er noch fast jeden Abend in der Gastronomie. Mitunter arbeitete er 60 oder 70 Stunden pro Woche – dennoch war es finanziell immer eng. Am Ende konnte er schlicht nicht mehr. Burn-out – noch am Tag seines Zusammenbruchs begab er sich freiwillig in eine Psychiatrie, um sich helfen zu lassen.

Offenbar war für Meyer die Hemmschwelle, zu einem Psychiater zu gehen, zu hoch – vielleicht war ihm auch die Wartezeit zu lang. Doch seit Anfang Oktober gibt es für psychisch Kranke wie ihn einen flächendeckenden oberbayernweiten Krisendienst Psychiatrie. Menschen in seelischen Krisen können sich unter der Telefonnummer 0180/6553000 täglich von 9 bis 24 Uhr fachkundig beraten lassen.

In einer Vielzahl von Landkreisen ist die Nummer bereits seit 2016 erreichbar, zuletzt kam unter anderem noch der Kreis Pfaffenhofen hinzu. „Nun können wir endlich flächendeckend ein niedrigschwelliges, wohnortnahes Angebot für Menschen in seelischen Notlagen bieten“, sagte Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern. Der CSU-Politiker hat sich seit vielen Jahren für die Schaffung des Krisendienstes eingesetzt – 7,4 Millionen Euro kostet dieser den Bezirk Oberbayern jährlich.

Jeder dritte hat in seinem Leben einmal psychische Probleme

Zuletzt hatten pro Monat etwa 1500 bis 1700 Menschen die Notfall-Hotline genutzt – Tendenz steigend. „Die Ursachen warum Menschen nicht mehr weiter wissen, sind sehr verschieden“, berichtetet Mederer aus Gesprächen mit den Notfall-Psychologen. Die Hilfebedürftigen, die anriefen, verkraften etwa den Tod eines geliebten Menschen, eine Scheidung oder einen Arbeitsplatzverlust nicht. „Andere kommen mit der gestiegenen Belastung und dem Druck in der Arbeit nicht mehr klar.“ Früher habe man gesagt, jeder vierte Mensch habe in seinem Leben irgendwann einmal psychische Probleme, mittlerweile sei dies jeder dritte, erläuterte Mederer, der auch Mitglied des Landesvorstands des Bayerischen Roten Kreuzes ist.

Viele Betroffene sagen ihm zufolge: „Hätte es die Nummer früher gegeben, dann hätte es viel Leid und sogar manchen Suizidversuch nicht gegeben.“ Denn im Ernstfall bleibt es nicht bei einer deeskalierenden Beratung durch einen Fachmann am Telefon. Wenn es nötig ist, erfolge innerhalb von einem bis drei Tagen eine Vermittlung zu einem Therapeuten vor Ort. „Und, falls es gar nicht mehr anders geht, ist sogar innerhalb einer Stunde der mobile Krisendienst beim Patienten, der dann zusammen mit dem Betroffenen aushandelt, ob ein stationärer Aufenthalt notwendig ist“, sagt Mederer.

Großer Vorteil der Hotline: Keine lange Wartezeiten

Aufgrund der telefonischen Krisenberatung müsse im Ernstfall immer seltener eine Zwangseinweisung mit Hilfe der der Polizei erfolgen, so Mederer, der selbst viele Jahre lang ehrenamtlich als Rettungsassistent gearbeitet hat: „Das läuft dann recht ruhig ab, sodass es nicht gleich die ganze Nachbarschaft mitbekommt.“ Ein großer Vorteil des Angebots: Wer Hilfe braucht, muss nicht lange warten. Denn wer auf eigene Faust einen Termin beim Psychiater oder Psychologen benötigt, muss in weiten Teilen Oberbayerns oft viele Wochen warten. Und damit steht der Münchner Speckgürtel sogar noch gut da, in Niederbayern belaufen sich die Wartezeiten nicht selten auf ein halbes Jahr oder länger.

Angebote wie den Psychiatrischen Krisendienst gibt es derzeit nur in wenigen Regionen Deutschlands – etwa in Berlin. Denn die Krankenkassen weigern sich, für die Kosten der Hilfs-Hotlines aufzukommen – und vielerorts haben die Bezirke und Kommunen schlicht nicht die nötigen Mittel. Mederer wünscht sich nun eine Millionenhilfe vom Freistaat. Noch ist allerdings offen, wie viel Geld die Staatsregierung tatsächlich springen lässt.

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