"Mein Herrchen wird dich finden"

Cindy getötet: Unfallfahrer soll sich stellen!

Die Anzeige, wie sie in einigen Ausgaben des Münchner Merkur erschienen ist.

Bernried - Wer hat Cindy getötet? Unternehmer Robert H. (63) fordert Gerechtigkeit für den Familienhund - und ruft per Anzeigen den noch unbekannten Unfallfahrer auf, sich zu stellen.

Die fröhliche, liebenswerte Cindy mit den treuen Augen.

Erst schalteteder tieftraurige Unternehmer Robert H. (63) eine Todesanzeige für den Familienhund Cindy mit der Überschrift „Nichts im Leben ist unendlich“. Dann in den südlichen Lokalausgaben des Münchner Merkur eine Anzeige im Namen des toten Aus­tralian Shepherds. Sie wendet sich direkt an einen unbekannten Autofahrer oder -fahrerin: An jene Person, die den Familienhund auf dem Gewissen hat. „Mein Herrchen wird dich finden“, steht da. Und es wird dafür eine Belohnung von 1000 Euro ausgelobt.

Es passierte an einem Freudentag, In Bernried am Starnberger See feierte die Nichte von Robert H. ihren 18. Geburtstag. Fast die ganze Familie war an diesem Samstag, dem 8. August, dabei. Töchter des Unternehmers, Enkel und viele Gäste. „Es dürften rund 40 Leute gewesen sein“, erinnert sich der Mann, der am Ammersee lebt, an diesen 8. August. Und natürlich durfte Hund Cindy nicht fehlen. Ein Tier von ausgesprochen fröhlichem Wesen, „lieb und freundlich zu jedem“, sagt Robert H., „mit treuen Augen“. Kurz: Der tollste und beste Hund, den man sich wünschen kann. So steht es dann auch in der Traueranzeige der Familie.

Cindy war in der Nähe der Klinik von einem Auto erfasst worden.

Denn das Fest bekam in der Nacht eine dramatische Wendung. Irgendwo am Starnberger See wurde ein Feuerwerk abgebrannt, vermutlich während einer Hochzeit. Der Krach schreckte Cindy auf, sie geriet in Panik und rannte davon. Das Tier lief über das Gelände der Klinik Höhenried in Richtung Staatsstraße 2063, die hier Tutzinger Straße heißt. Die Gäste suchten in der Dunkelheit nach dem verängstigten Hund, einige der besorgten Leute befanden sich an der Straße. um Autofahrer zu warnen und zum Langsamfahren anzuhalten. Alle bremsten auch ab. „Nur einer nicht“, sagt Robert H. Die Person am Steuer soll sogar Gas gegeben haben – prompt erfasste das Auto die vermisste Cindy, die ausgerechnet in diesem Moment auf die Fahrbahn gelaufen war. Cindy war auf der Stelle tot, von dem Wagen ließen sich nur noch Rückleuchten erkennen. Die Polizei wurde zwar gerufen, doch rechtlich ist der Vorfall nur eine Ordnungswidrigkeit.

Darauf wollte es der Unternehmer nicht beruhen lassen. Er will im Namen des Hundes Gerechtigkeit. Doch was würde er machen, falls er tatsächlich die Identität des Fahrers erfährt? Robert H.: „Ich will von ihm wissen, weshalb alle abbremsten, nur er nicht. Weshalb einer einfach trotz der Warnungen ungerührt weiterrast, als sei nichts gewesen. Es hätte doch auch ein Mensch sein können – ein Kind – das da auf die Straße läuft.“

Seit die Suchanzeige erschienen ist, beteiligen sich viele Tierfreunde im Oberland und zwischen Ammer- und Starnberger See an der Fahndung nach dem Unfallfahrer. Auch in sozialen Netzwerken. Für Robert H. heißt es jetzt Warten auf den entscheidenden Tipp. Dabei denkt er oft an seine Cindy und schaut auf das frische Grab im Garten, wo sie ihre letzte Ruhe gefunden hat. Keine vier Wochen vor ihrem zehnten Geburtstag …

Markus Christandl

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