Überfüllte Plätze, überfüllte Gefängnisse

Beschlagnahmte Transporter: Der Schrott der Schleuser

Die gesamte Grenzregion in Südostbayern leidet unter beschlagnahmten Transportern. Ein weiteres Problem sind die Schleuser selbst: Die Gefängnisse platzen aus allen Nähten. Die Probleme werden somit immer größer.

Es sieht auf den ersten Blick aus wie auf einem Markt für gebrauchte Transporter. Wer genauer hinschaut, entdeckt vornehmlich südosteuropäische Kennzeichen, und viele der Fahrzeuge dürften als nächste Station nur noch die Recycling-Anlage sehen. Es sind beschlagnahmte Transporter, der Schrott der Schleuser. Die gesamte Grenzregion in Südostbayern leidet da­runter. Ein weiteres Problem sind die Schleuser selbst: Die Gefängnisse platzen aus allen Nähten.

Pro Monat stellen die Fahnder derzeit rund 100 Fahrzeuge sicher. Und sie haben inzwischen Probleme, passende Stellplätze für die beschlagnahmten Transporter zu finden. Zwar seien viele davon nur noch schrottreif, so Bernhard Gollinger, Leiter des Kommissariats 10, gegenüber dem Berchtesgadener Anzeiger. Aber nach deutschem Recht muss zuerst der Besitzer ausfindig gemacht werden. Erst, wenn der sein Fahrzeug nicht abholt, kann die Verschrottung angeordnet werden.

Viele der Transporter werden aber auch als Beweismittel in Prozessen gegen die Schleuser gebraucht. Die Fahrer, die festgenommen werden, sind nur ganz selten auch die Besitzer. „Da steckt meist eine Organisation dahinter, die die Fahrzeuge besorgt“, sagt Ursula Raab-Gaudin, Oberstaatsanwältin in Passau, im Gespräch mit der tz. Aber Justiz und Polizei haben andere Sorgen: „Im Moment liegt der Fokus nicht darauf, den Eigentümer zu ermitteln.“

Wichtiger sei, mit der Flut der festgenommenen Schleuser fertig zu werden. So wurden in den ersten beiden Juliwochen rund 100 Schleuser in der JVA Passau in Untersuchungshaft genommen. „So viele hatte wir im gesamten Jahr 2013“, weiß Ursula Raab-Gaudin. Aktuell würden rund 350 Schleuser in U-Haft sitzen. Das kleine Gefängnis von Passau mit seinen 75 Plätzen ist hoffnungslos überfüllt. „Wir verteilen sie in ganz Bayern“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Viele der Verhafteten seien typische Kleinkriminelle, die auf der Straße rekrutiert werden. Die Schleuserfahrten nach Deutschland beginnen meist in Ungarns Hauptstadt Budapest, wo man den Fahrern ein paar Hundert Euro verspricht. „Das sind aber die ganz kleinen Rädchen.“

Und es werden immer mehr: Im gesamten Freistaat wurden im ersten Halbjahr 1323 Ermittlungsverfahren gegen Schleuser eingeleitet. Im gesamten Jahr 2012 waren es noch 641 Verfahren, 2014 dann schon 1606.

Volker Pfau

Rubriklistenbild: © dpa

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