Ich sollte schon dreimal zuvor entführt werden

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Richard Oetker.

Weihenstephan - Richard Oetker (57) ist Optimist, und das rettete ihm das Leben. 1976 entführte Dieter Zlof den Industriellen-Sohn auf dem Parkplatz der Technischen Universität Weihenstephan in Freising.

Oetker überlebte mit einer kaputten Lunge, zwei gebrochenen Wirbeln und Hüftfraktionen schwer verletzt. In zwei Jahren wird Oetker die Gesamtleitung des gleichnamigen Bielefelder Konzerns übernehmen. Jetzt kehrte er an den Tatort von 1976 zurück. Im Hörsaal 14 in Freising erzählte er auf Einladung der Opferhilfe „Weißer Ring“ minutiös die Geschichte seiner Entführung – mit brisanten Details.

Am 14. Dezember 1976 beendet Richard Oetker sein Botanik-Seminar zehn Minuten früher. Seine Kommilitonen sind noch in der Uni. Es gibt keine Zeugen, als ihn Dieter Zlof bedroht und in die Kiste in seinem graublauen VW-Kastenwagen zwingt. Oetker ist damals 25 Jahre alt, Student der Brauerei- und Agrarwissenschaften, Heute weiß Oetker über seinen Entführer: „Das war sein vierter Versuch. Die drei vorherigen waren erfolglos.“ Nach den späteren Ermittlungen ist klar: Dieter Zlof, damals 37 und arbeitslos, streifte schon sechs Wochen vorher durch Freising.

Im Jahr 1976 hatten bereits zwei Entführungen berühmter und reicher Männer Schlagzeilen gemacht: Der Millionärssohn Gernot Egolf und der Springreiter Hendrik Snoek wurden verschleppt. Oetker erhält von der Polizei eine Broschüre mit Verhaltenstipps.

„Deshalb habe ich auch ein Päckchen mit unbekanntem Absender sofort zur Polizei gebracht“, sagt Oetker. Als sich herausstellt, dass es nur ein verspätetes Hochzeitsgeschenk ist, holt er es wieder ab. Da klopft ein Fremder vor der Inspektion an sein Autofenster. Dieter Zlof. Er fragt, ob er mitfahren darf. Oetker verneint. Der erste Entführungsversuch scheitert.

Ein paar Tage später stellt der Student seinen Wagen abends vor einer Baustelle bei Hohenbachern ab. Er geht die kurze Strecke zu seiner Freisinger Wohnung. Wieder ist Zlof in der Nähe, beobachtet ihn. Das gibt Zlof auch später zu.

Seinen letzten erfolglosen Versuch unternimmt der Entführer kurz vor dem 14. Dezember. Oetker: „Er hat mich angerufen und sich als Reporter der Zeitschrift Bravo vorgestellt. Er wollte ein Interview in meiner Wohnung. Ich habe Nein gesagt.“

Der vierte Versuch klappt. Als Oetker in der Kiste gefangen ist, denkt er nicht an ein schreckliches Ende. „Ich habe mich auf die Uhrzeit, das Licht, die Geräusche konzentriert.“ Er spricht mit seinem Bewacher, bietet ihm das „Du“ an. Er verhandelt mit ihm sogar über die Lösegeldsumme – erfolglos.

In der Kiste sieht das Opfer Drähte und Kabel. Oetker ist sich heute sicher: „Zlof hat den Stromschlag aus Versehen ausgelöst.“ Dabei bricht sich Oetker zwei Wirbel und beide Seiten der Hüfte, die Lunge kollabiert. Zlof lässt ihn einen Tag früher frei. Oetker: „Einen Tag länger in dieser Kiste und ich wäre erstickt.“

Quelle: tz

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