Bienen werden verhungern

Imker stöhnen über „Zementhonig“

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Georg Kellner zeigt einen Honigrahmen und deutet auf den Melezitosehonig. „Er sieht aus, als wäre er flüssig. Aber er kristallisiert schon in der Wabe.“ Der Lehrbienenstand in Wackersberg ist von dem Problem aber nicht so schlimm betroffen wie andernorts.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Viele Imker im Landkreis freuen sich heuer über sehr viel Honig - doch die Sache hat einen Haken: Der Honig ist schwer und kristallisiert schon in der Wabe. „Zementhonig“ wird er auch genannt.

„Das ist ein verrücktes Jahr für die Imker“, sagt Georg Kellner, Vorstand des Tölzer Imkervereins. „Erst hatten wir einen langen Winter, und die Völker hatten keine Brut. Da hatten wir Imker schon Bedenken, ob die Tiere es überhaupt schaffen.“ Im Mai gab es ein paar schöne Tage, doch dann „wurde es saukalt“. Im Juni mussten viele Imker deshalb zufüttern. Als dann im Juli das schöne Wetter anbrach und die Linden zu blühen begannen, schwärmten die Bienen schlagartig aus. „Die Tiere sammelten wahnsinnig viel ein“, so Kellner. Ende Juli sei normalerweise die Tracht zu Ende. „Aber jetzt dauert sie noch immer, und es ist schon Mitte August.“ Und die Bienen fliegen und fliegen.

Doch die Medaille hat leider eine Kehrseite. Viele Imker haben heuer „Zementhonig“ - in der Fachsprache heißt das „Melezitosehonig“. Verantwortlich dafür sind bestimmte Läusesorten. Sie sitzen eigentlich jedes Jahr auf den Bäumen und sind für die Bienen unerlässlich. Heuer gibt es jedoch, ebenfalls bedingt durch das Wetter, außergewöhnlich viele Läuse. Kellner merkt das selbst gerade sehr an den Tannen, aber auch an Lärchen und Fichten. Sammeln die Bienen dort Nektar, ist dieser anders als gewöhnlich. „Der Nektar in der Wabe schaut flüssig aus, aber man bekommt ihn leider nicht raus“, erklärt Kellner das Probleme. Er kristallisiere nämlich schon in der Wabe. Ihn zu lösen, sei „eine ziemlich schwere Sache“: Entweder, man schmelze die Wabe mit Honig ein, oder man weiche alles ein, damit sich der Honig herauslöse. „Ein Mordsaufwand“, sagt Kellner. Die Arbeit sei körperlich anstrengend, denn die Waben seien schwer, entsprechende Geräte, etwa zum Einschmelzen, sehr teuer.

Das letzte Mal habe er so eine Situation 1976 erlebt, erinnert sich Kellner. Können sich die Imker nicht untereinander helfen? „Es hat jeder schon selbst so viel zu tun, dass er nicht auch noch anderen helfen kann“, sagt Kellner. Vom „Zementhonig“ besonders betroffen seien Imker in den Bereichen Benediktbeuern, Königsdorf, Tölz (bis Richtung Schießplatz) und Geretsried. „Vor allem für Neuimker ist das demotivierend“, sagt Kellner. „Aber auch einige ältere haben schon gesagt: ,Wenn das nächstes Jahr nochmal so kommt, hören wir auf.‘“

Aber nicht nur für die Imker, auch für die Bienen ist die Lage nicht rosig. Denn: „Im Winter können die Tiere diesen Honig nicht auflösen. Sie werden dann verhungern.“ Hinzu komme, dass man wegen der langen Trachten die Bienen jetzt noch nicht gegen die gefürchtete Varroa-Milbe behandeln könne. Das geschehe eigentlich Ende Juli. „Die Bienen, die jetzt kommen, sind die Generation fürs nächste Jahr“, erklärt Kellner. „Wenn die Brut jetzt gering ist und die Altbienen so lange arbeiten müssen, sinkt die Lebenserwartung.“ Deshalb müsse man 2014 mit einem Verlust von Völkern rechnen.

(Christiane Mühlbauer)

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