Sie gewinnen Preise, kommen aber kaum über die Runden

In Schönheit schließen: Viele Kinos in der Region müssen aufgeben

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Von Hollywood auf die große Leinwand? Funktioniert immer weniger, soweit es die Lichtspielhäuser betrifft.

Vor allem kleine Kinos tun sich schwer im Kampf gegen die Multiplex-Paläste. Zwar heimsen sie regelmäßig Preise für ihr Programm ein, aber das sichert das Überleben nicht. Sie schließen sozusagen in Schönheit.

Freising – Die Stadt Freising hat seit Jahren gar kein Kino mehr. Eine Stadt mit 50 000 Einwohnern – kinofreie Zone. Die Freisinger fahren notgedrungen zum großen Cineplex nach Neufahrn. 2008 machte das große, altehrwürdige „Bavaria“-Kino an der Unteren Hauptstraße dicht. Das war das Jahr, in dem das Cineplex eröffnete. 2013 folgte das angesehene und mit Preisen überhäufte Programmkino „Camera“ in der Stieglbräugasse – unter Protest der Stammgäste. Die Grünen im Stadtrat riefen damals sogar zu einem Sitzstreik auf, um das Kino zu retten. Den Sitzstreik gab es, das „Camera“ machte trotzdem zu. Immerhin: Die kinofreie Zeit soll im Frühjahr enden. Am südlichen Freisinger Stadtrand entsteht im Gewerbepark Schlüter Hallen ein typisches, aber eher kleines Cineplex, das die Kette Cinestar betreibt. Es wird vor allem von den jungen Freisingern sehnsüchtig erwartet.

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Neustart im Tegernseer Tal mit Programm-Umstellung

Im Tegernseer Tal erwischte es im Frühjahr 2016 das Kino in Weissach. Die Betreiberin warf aus wirtschaftlichen Gründen das Handtuch. Im Juli kam die Rettung in Person von Carmen Obermüller. Sie modernisierte, stellte das Programm um und gab dem Kino einen neuen Namen. Das „Kino am Tegernsee“ zeigt sogar Live-Übertragungen aus der Metropolitan Oper in New York.

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In Dorfen im Landkreis Erding hält sich das nur 50 Plätze zählende Kino im Jakobmayer-Kulturhaus wacker. Zwar hat auch hier der gute Sommer die Besucherzahlen gesenkt, aber das Kino ist kein Zuschussbetrieb. Es wird sogar ein kleiner Gewinn eingespielt. Und das reicht. Denn das Kino wird im Auftrag der Stadt von einem Förderverein betrieben. Es ist eines der wenigen Lichtspielhäuser in Deutschland, das in kommunaler Hand liegt.

Wasserburg im Landkreis Rosenheim hat noch ein kleines, feines Programmkino. Das „Utopia“ wird regelmäßig ausgezeichnet und kommt über die Runden. Im nicht allzu weit entfernten Haag gibt es Überlegungen, das seit Jahren geschlossene Kino wieder zu eröffnen.

Das Kino in Prien am Chiemsee hat sich mit bayerischen Filmen etabliert, kriegt oft prominenten Schauspielerbesuch und wird Jahr für Jahr für sein Programm ausgezeichnet. Die Leute, heißt es, würden das Kino schätzen, weil man dort bequem sitzt – und es günstig ist.

Das „Capitol Kino“ in Lohhof hat zwar gerade wieder einen Preis bekommen, kämpft aber auch. Das Kino befindet sich in einem Altbau – und steht damit Projekten der Stadt Unterschleißheim im Weg. Die Suche nach einem neuen Standort läuft. Also nicht nur der Besucherrückgang macht Probleme, sondern auch das enorme Wachstum in der Region.

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