Feuer breitete sich rasend aus

Inferno in Schneizlreuth: Opfer hatten keine Chance

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Sechs Männer starben in dem Feuer. Markus S. (†30) hinterlässt seine Ehefrau und sein Baby.

Schneizlreuth - Ein Betriebsausflug endete im Inferno: Sechs Männer sind in den Flammen umgekommen, die sich wohl rasend schnell ausbreiteten.

Vom Ristfeuchthorn oberhalb des Weißbachs stürzt ein hunderte Meter langer Wasserfall in die Schlucht. Der Regen trommelt und nimmt dabei den Brandgeruch mit sich in die Gullys. Einige Stunden ist es erst her, dass bei der Event-Firma Straub in Schneizlreuth ein verheerendes Feuer ausgebrochen war. Mannschaften reißen im ersten Stock der Ruine, das einmal ein uraltes Bauernhaus war, durchgekohlte Bohlen weg. Sie suchen nach den letzten Vermissten von sechs Mitarbeitern der Firma Lindner aus Arnstorf im Kreis Rottal-Inn. Sie suchen im Zentrum eines Infernos, das an der Stirnwand liegt. Wer dies beobachtet, dem steht die Beklemmung im Gesicht. Gleichzeitig gilt das Mitgefühl den Angehörigen, die plötzlich, über Nacht, Hinterbliebene sind. Sechs Männer sind tot, fünf von ihnen im Alter von 30 und 35, einer 42 Jahre alt. Zwei weitere haben schwere Brandverletzungen erlitten. „Das waren doch alles Leute in einem Alter, in dem man auch eine Familie gründet“, sagt Schneizlreuths Bürgermeister Wolfgang Simon (50), der gleich nach der Alarmierung zum Großbrand gekommen ist. „Das ist so etwas von schlimm. Man will sich ein schönes Wochenende machen, und dann ereignet sich so eine Tragödie.“

47 von 66 Mitarbeitern der Firma hatten in dem Bauernhaus, in dem sich auch ein Partystadel befindet, übernachtet. Das Feuer brach gegen 3 Uhr im oberen Stockwerk im Flur in der Nähe der Treppe aus, also zu einem Zeitpunkt, als alle im Tiefschlaf waren. Man vermutet, dass ein marodes Kabel oder eine defekte Sicherung der Ausgangspunkt war.

Ein Rauchmelder schlug jedenfalls an. Daraufhin sollen Mitarbeiter der Firma versucht haben, die Flammen zu bekämpfen, andere weckten Freunde und Kollegen. Dann herrschte Chaos, Flammen schossen explosionsartig durchs Bauernhaus. Qualm, Rauch, Hitze, gitftige Dämpfe. Menschen stürzten nach draußen, halfen anderen, Mitarbeiter der Event-Agentur warfen Leiter an die Balkone, um Eingeschlossene herunterzuholen. Veronika Lindner, Finanzvorstand der Lindner Group: „Die, die dabei waren, erzählten davon, das es alles so rasend schnell ging, in Minuten. Unsere Mitarbeiter konnten wenigstens die Schwerverletzten rausbringen.“ 41 von 47 schafften es.

Am Montag trafen sich Mitarbeiter und Vorstand der Lindner Group in Arnstorf, um gemeinsam zu trauern, mit allen Geistlichen des niederbayerischen Marktes. Ein Kripobeamter berichtete von den Ermittlungen. Es wurde zudem informiert über Betreuungsangebote für Hinterbliebene und überlebende Kollegen, „um die Leute emotional auffangen zu können“, so Veronika Lindner. Denn trotz der Größe des auf Innenausbau spezialisierten Unternehmens mit rund 5000 Beschäftigten weltweit, „sind wir familiär geblieben“, wie Lindner betont.

Auch deswegen wollte man allen Kollegen zum heurigen 50-jährigen Bestehen des Unternehmens mit der Einladung zu dem Team-Event eine Freude machen. Am Freitag fuhren sie nach Schneizlreuth, zum Rafting und Canyoning. Abends wurde gegrillt. „Es war lustig, alle hatten Spaß“, wurde Lindner berichtet. Bis gegen 3 Uhr die Hölle losbrach.

Markus Christandl

Messe für die sechs Opfer

Die Schneizlreuther versammelten sich an Pfingstsonntag, einen Tag nach der Katastrophe, in ihrer Kirche zum Trauergottesdienst für die sechs Todesopfer. Unter den Trauernden befand sich auch der Leiter der Staatskanzlei Marcel Huber. Der Minister sagte zur PNP: „Ich bin erschüttert. Da sich das Unglück im Rahmen eines fröhlichen Ausfluges abspielte, sei es besonders tragisch. Er sprach im Namen von Ministerpräsident Horst Seehofer den Angehörigen sein tiefstes Mitgefühl aus.

Neben Huber nahmen auch Bürgermeister Wolfgang Simon, Landrat Georg Grabner und Peter Mauthofer, Vize-Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, an der Messe teil. Auch der Passauer Bischof Stefan Oster meldete sich: „Es ist zutiefst erschütternd, wenn sich ein solches Unglück ereignet, bei dem jüngere Menschen, von denen einige Verantwortung für eine Familie tragen, ums Leben kommen.“ Es sei nun wichtig, einander zu trösten, zu stärken und sich der Barmherzigkeit Gottes anzuvertrauen.

Großbrand in Schneizlreuth - Bilder

Großbrand in Schneizlreuth - Bilder

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