Bürgermeister reagiert auf Ansturm

Instagram-Pilger stören die Natur: Trampel-Verbot für Touristen

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Auf Instagram sieht der Barmsee – wie auf diesem Bild unseres Fotografen – friedlich aus. Dass massenweise Fototouristen den Ort überrennen und die Gemeinde Schilder aufstellen lassen will, sieht man da freilich nicht.

Es ist dieser ganz besondere Lichteinfall am Morgen. Oder eine ungewöhnliche Architektur. Manche Orte sind ein Blickfang und landen auf Instagram, einem sozialen Netzwerk, das von Bildern und Videos lebt.

Krün/Nürnberg – Einige Innenstädte und Seen sind in den letzten Jahren zu regelrechten Social-Media-Wallfahrtsorten geworden. Wie gehen die Einheimischen mit dem Foto-Tourismus um? Vier Beispiele:

Barmsee und Geroldsee bei Krün

Für den Barmsee und den Geroldsee, beide idyllisch vor Wetterstein und Karwendel gelegen, ist die Aufmerksamkeit mehr Fluch denn Segen. „Wir machen keine Werbung mehr dafür, das läuft allein über neue Medien, und die Seen sind überlaufen“, klagt der Bürgermeister der Gemeinde Krün (Kreis Garmisch-Partenkirchen), Thomas Schwarzenberger (CSU). Es seien Trampelpfade quer durch die Wiesen entstanden. Das Problem: Der Zulauf an Menschen, die am Seeufer Fotos machen wollen, sei nicht zu kontrollieren.

Das Smartphone immer zur Hand: Viele Menschen betrachten Bayern hauptsächlich auf dem Display.

Schilder sollen ab Frühjahr das Bewusstsein der Instagram-Touristen schärfen, Details dazu sind noch offen. Zäune seien keine Option. Denn die müssten erhalten werden und das koste Geld. Eine weitere Überlegung seien Schranken. Allerdings müssten die Besitzer der Grundstücke diese auch weiterhin erreichen können. Bürgermeister Schwarzenberger hofft auf die Vernunft der Menschen, die sich zwar als naturbewusst ausgäben. Aber: „Wir nehmen da eine Art von Egoismus wahr.“

Neues Museum Nürnberg

Glasfassaden, viel Stahl und eine gewundene schwarz-weiße Treppe, die an ein modernes Schneckenhaus erinnert: Das Neue Museum in Nürnberg haben viele Instagram-Nutzer als Motiv für sich entdeckt. „Wir nehmen schon wahr, dass wir mit unserer Treppe, aber auch mit der großen gewölbten Glasfassade ein Ort sind, an dem für Instagram viele Fotos gemacht werden“, sagt Museumssprecherin Eva Martin. Auch viele Selfies, also Selbstporträts, entstünden dort. Das falle seit etwa eineinhalb Jahren verstärkt auf.

Für Ärger sorge das aber nicht. Es gebe keine Trauben von Menschen, die den Museumsbetrieb einschränkten oder störten. Im Gegenteil: „Wir freuen uns darüber, denn die Architektur ist für unser Haus einer der Image-Faktoren“, betont Martin.

Rothenburg ob der Tauber

Mit seiner mittelalterlichen Altstadt ist das mittelfränkische Rothenburg ob der Tauber weltweit bekannt, und das schon seit vielen Jahren. Instagram habe das nicht merklich verstärkt, sagt Stadtsprecher Robert Nehr. Vielmehr sei das soziale Netzwerk eine Möglichkeit, „eine Seite von Rothenburg darzustellen, die man sonst so nicht kennt“. So sei auf vielen Bildern stets das Plönlein zu sehen, jener kleine Platz im Herzen der Altstadt. „In der Gegend kann man aber auch toll wandern“, sagt Nehr. Dies könne die Stadt über den eigenen Instagram-Kanal transportieren, dem etwa 6000 Nutzer folgen. Es gebe auch Anfragen von Influencern (frei übersetzt „Einflussnehmer“), also Leuten, die vor allem in sozialen Netzwerken viel Aufmerksamkeit bekommen und ihre Präsenz für Werbung nutzen. Die führe er dann in der Stadt herum, sagt Nehr.

Bad Wörishofen

Auch im Kneippkurort Bad Wörishofen im Unterallgäu ist Instagram ein wichtiges Thema. Von fotohungrigen Menschenmassen sei man dort aber weit entfernt, sagt Cathrin Herd, die das Marketing für den Ort verantwortet. Auch wenn der Kurpark mit Rosengarten und Barfußweg schon jetzt ein beliebtes Motiv sei. Herd will Instagram nutzen, um vom Image als Alte-Leute-Ort wegzukommen und langfristig mehr Aufmerksamkeit nach außen zu schaffen. Dabei soll auch eine Influencerin helfen. „Die kommt uns im Sommer besuchen“, sagt Herd.

WERA ENGELHARDT

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