Geschäftsleute aufgepasst!

Internet-Abzocke: Mutige Friseurin wehrt sich

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Bekam Drohanrufe: Die Friseurin Gerdy Miglietta (51) wurde fast Opfer von Internet-Betrügern.

Kreuth - „Zahlen Sie 700 Euro, sonst schicken wir die Anwälte.“ Klingt unverschämt. Aber genau mit dieser Masche versucht eine Internetplattform gerade Geschäftsleute im Tal hereinzulegen.

Der Mann am anderen Ende der Leitung spricht sehr schnell mit einem leicht ausländisch klingenden Akzent: „Sie sind ja schon Kunde bei uns und können jetzt verlängern.“ Gerdy Miglietta kann sich nicht erinnern, dass sie für ihren Friseursalon an der Weißach jemals einen Brancheneintrag bei der Internetseite ebvz.de gebucht hat. Sie muss in ihren Unterlagen nachsehen, sagt sie, legt auf und kehrt zu ihrem Kunden zurück. Am nächsten Tag ruft der Mann wieder an. Miglietta wiegelt ab. „Sind sie Frau Miglietta“, fragt er dann. „Ja“, sagt sie.

Irgendwann kommt ein Drohanruf

Das eine Ja genügte dem Mann. Wenige Tage später kam der Brief: „Wir freuen uns, dass Sie sich für einen Eintrag bei ebvz.de entschieden haben“, ist da zu lesen. Im Anhang: eine Rechnung über 415 Euro. Das alles machte auch noch einen ganz seriösen Eindruck. Freundliches Anschreiben, Rechnungsnummer, Briefkopf, Firmenabsender. Verlag für elektronische Medien nennt sich das Unternehmen, eine Vanessa Gambietz ist als Inhaberin angegeben. Die Firma hat eine Adresse in Melle nähe Bielefeld.

Asyl in der Tegernseer Turnhalle: Jetzt gibt es eine Frist

Nur, dass die 51-Jährige dem Eintrag nie zugestimmt hat – und auf der Internetplattform war auch nichts über ihren Friseursalon zu finden. Miglietta beließ es dabei, ein Fehler, dachte sie sich – bis der Brief des Inkasso-Unternehmens kam. Der war nicht mehr so freundlich. Sie solle endlich zahlen – und zusätzlich 268 Euro an die Geldeintreiber. Miglietta kam ins Grübeln. „Vielleicht hab ich wirklich zugesagt“, dachte sie sich. Dann kam auch noch der Drohanruf. „Sie zahlen bis 13. November, sonst schicken wir die Anwälte“, sagte eine kalte Frauenstimme.

Gerdy Miglietta zahlte nicht, holte sich Hilfe bei Gerlind Schiele. Die Webdesignerin aus Reitrain kümmert sich um Migliettas Internetauftritt und konnte sie beruhigen. „Das ist nicht das erste Mal, dass ich von ebvz.de höre“, sagt sie unserer Zeitung.

"Die bauen einen gewaltigen Druck auf"

Die Abzocker seien in der Branche bekannt. Sie weiß von einigen Gastgebern und Unternehmern rund um den Tegernsee, die dem so genannten Elektronischen Branchenverzeichnis auf den Leim gegangen sind. „Die Firma macht den Leuten gezielt Angst.“ Viele wollen keinen Ärger und zahlen. Schiele rät zur Strafanzeige, auch wenn man schon bezahlt hat.

Paul Knott, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizei Bad Wiessee, pflichtet ihr bei: „Hier kann man schon von einem Tatbestand des versuchten Betrugs ausgehen.“ Die Masche sei immer die gleiche. „Die bauen einen gewaltigen Druck auf.“ Die Internet-Abzocker fallen laut Knott gezielt über eine Region her. „Das kommt oft wellenartig.“ Wegen ebvz.de lägen allerdings noch keine aktuellen Anzeigen vor.

Das wird sich bald ändern. Gerdy Miglietta wird sich nie wieder so unverschämt bedrohen lassen. Nächsten Montag stellt sie Strafanzeige.

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