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Üble Aktion im Internet

Hetze gegen Flüchtlinge mit falschem Prügelopfer

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Prügelopfer? Mit diesem Bild macht die NPD auf ihrer Facebook-Seite Stimmung gegen Asylbewerber.

Miesbach - Angeblich wurde sie von Asylbewerbern verprügelt – Anzeige erstattete sie nicht. Dann tauchen Prügel-Bilder von ihr auf der Facebook-Seite der NPD auf, samt Opfergeschichte. Alles nur Lüge?

Auf jeden Fall ein Parade-Beispiel dafür, wie rechte Parteien im Internet gegen Flüchtlinge hetzen.

Eines der Bilder zeigt die junge Frau mit Blutergüssen auf der Wange. Auf dem anderen bedeckt sie die Stellen mit weißen Tüchern. Im Text darüber steht, zwei Ausländer hätten die Frau aus dem Kreis Miesbach in der Nacht auf Montag überfallen, sie ins Gesicht und in die Rippen geschlagen. Und beraubt. Erst als ein Auto um die Ecke bog, hätten die Täter von ihr abgelassen. Die Geschichte verbreitet sich gerade in der Region. Sie ist nicht irgendwo zu lesen, sondern auf der Facebook-Seite des NPD-Landesverbands. Hier wird die Sache dubios.

Zwar behauptet die junge Frau auf Facebook, dass sie Anzeige gegen Unbekannt erstattet habe. Auch im Text der NPD ist das so vermerkt. Unter dem Motto „Drah di net um, schau, schau der Asylant geht um“ ist von einem „gewalttätigen und brutalen Übergriff durch zwei Ausländer an einer jungen deutschen Frau“ die Rede. Mit Verweis darauf, dass sich in der Nähe des „Tatortes“ eine „Asylantenunterkunft“ befindet, behauptet auch die NPD, dass das vermeintliche Opfer Anzeige erstattet habe.

Diese Anzeige aber existiert nicht, wie Jürgen Thalmeier, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, mitteilt. Gegenüber dem Miesbacher Merkur, an den sich die Frau Mitte der Woche schriftlich wandte, um – so ihre Worte – alle anderen Frauen im Landkreis zu warnen, gibt sie zu, dass sie niemanden angezeigt habe. Als die Redaktion um ein telefonisches Gespräch bittet, teilt sie zwar ihre Nummer mit, geht dann aber nicht ans Telefon. Ob es überhaupt zu dem Angriff gekommen ist, ist also alles andere als klar.

NPD hat Überfall zu einer Tatsache erklärt 

Sicher ist, dass der NPD-Landesverband den Überfall zu einer Tatsache erklärt hat. Markus Schäfert, Pressesprecher des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz, überrascht das nicht: „Rechtsextremisten versuchen, Ängste in der Bevölkerung vor angeblicher Überfremdung und Steigerung der Kriminalität vor Ort zu schüren. Dazu werden auch Meldungen über angebliche Übergriffe von Asylbewerbern propagandistisch missbraucht.“ Es gehe darum, „pauschal gegen Asylbewerber Stimmung zu machen“.

Der Verfassungsschutz beobachtet diese Entwicklung besonders, seit die Asylbewerber-Zahlen so dramatisch ansteigen. Rechte Parteien suchten äußerst selektiv Meldungen aus, die ein negatives Bild der Menschen vermitteln, sagt Schäfert. Dass sie dabei wenig Wert auf Fakten legen, zeigt das Beispiel der Frau aus dem Kreis Miesbach. Auch dass Fälle dramatisiert und erfunden werden, schließt Schäfert nicht aus.

Dabei ist die NPD längst nicht die einzige Gruppierung, die auf diese oder ähnliche Weise Stimmung macht. Auch für die relativ junge Partei Der Dritte Weg, die in Bayern Fuß gefasst hat, ist laut Schäfert „die Agitation gegen Asylbewerber derzeit das Hauptaktionsfeld“. Rund 170 Artikel habe die Partei auf ihrer Homepage zum Thema Asyl zusammengetragen – hochselektiv und mit dem Ziel, gegen Asylbewerber Stimmung zu machen.

Bei alldem werden Fakten gerne durch Parolen ersetzt. Schäfert spricht von einer „total verzerrten Wahrnehmung, die da entsteht“. Ein Blick auf die Statistik hilft. Denn die spricht – zumindest für den Kreis Miesbach – eine ganz andere Sprache. Der Polizei liegt aus den vergangenen sechs Monaten keine durch Asylbewerber begangene Straftat vor. „Für derartige Behauptungen“, sagt Polizist Thalmeier, „gibt es keine Grundlage.“

Veronika Stangl / Marcus Mäckler

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