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Völlig irre: Feinstaub-Alarm im November!

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München - In den Alpen brennt der Wald, die Isar ist ein Rinnsaal – und seit Dienstag herrscht auch noch Feinstaub-Alarm mitten im November: Die tz erklärt das extreme Wetter

Von Schnee und Eis keine Spur – statt Glatteis stöhnt Bayern unter der Trockenheit. Die tz erklärt das extreme Wetter und wie die Wintersport­orte und der Handel darunter leiden.

Wetter-Weisheiten: Welche Sprüche wirklich stimmen

„Seit September bildet sich mit nur kurzen Unterbrechungen über Mitteleuropa immer wieder eine Kette von Hochdruckgebieten“, erklärt Dr. Karsten Brandt von donnerwetter.de im Gespräch mit der tz. „So eine festgemeißelte Wetterlage hat es seit 1947 nicht mehr gegeben.“ Derzeit bestimmen zwei Hochdruckzentren über Russland und der Ukraine unsere Wetterlage. Ein dritter Ableger über dem Alpenraum schlägt eine Brücke zum Azorenhoch. Diese Kette bietet atlantischen Tiefdruckgebieten die Stirn. Sie müssen in großem Bogen Richtung Polarkreis abziehen statt wie normal über Deutschland Richtung Baltikum zu ziehen.

Eine Schattenseite des Schönwetters: Den Fischen geht das Wasser aus! Präsident Manfred Braun vom Landesfischereiverband richtet deshalb einen Appell an alle Wasserkraftbetreiber, ausreichend Restwasser abzugeben. Das Leben im Wasser besitze „eindeutig einen höheren Stellenwert als eine maximale Energieausbeute um jeden Preis“.

Ein weiteres Problem: Das Umweltbundesamt schlug am Dienstag Feinstaubalarm! Seit Monatsbeginn treten in Deutschland großräumig Feinstaubwerte von bis zu 100 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Tagesmittel auf. Zum Vergleich: Der Tagesgrenzwert beträgt 50 Mikrogramm pro Kubikmeter! Ausgelöst wird das durch die sogenannte Inversionswetterlage. In den unteren kalten Luftschichten reichert sich der Feinstaub an. Weil es kaum Wind und Regen gibt und kein Luftaustausch stattfindet, verweilen die winzig kleinen Feinstaubpartikel in der Luft und gelangen über die Atemwege in unseren Körper, wo sie schwere Krankheiten wie Krebs auslösen können.

Auch in Bayern sind die Werte seit zwei Wochen erhöht. Sandra Brandt, Sprecherin des bayerischen Landesamts für Umwelt: „Die Lage entspannt sich begünstigt durch den Föhn im Moment wieder.“ Und das Wochenende soll endlich ein wenig Niederschlag bringen.

KB.

Waldbrand am Sylvenstein-Speichersee

Die November-Dürre – sie hat irre Folgen: So brannte auch am Dienstag der Falkenberg direkt am Sylvensteinsee weiter. Rund 20 Feuerwehrleute wurden bei ihren Löscharbeiten am Dienstag eigens von der Bergwacht mit Seilen in dem steilen und unwegsamen Gelände gesichert. Anders ist an die vielen kleinen Brandherde nicht heranzukommen. Das Löschen aus der Luft per Hubschrauber konnte das Feuer in den vergangenen zwei Tagen zumindest eindämmen. „Nun sind das Problem kleine Glutnester, die unter den vielen Zweigen oder auch in Ameisenhügeln stecken“, erklärte ein Einsatzleiter am Dienstag. Zur Brandursache konnte die Polizei noch immer keine Angaben machen. Da es in dem steilen Gelände kaum Wanderwege gibt, gehe man vorerst nicht von Brandstiftung aus.

Das sagen die Einzelhändler zum mauen Wintergeschäft

Weit und breit keine Flocke in Sicht – da kommt auch das Wintergeschäft im Einzelhandel nicht richtig in Schwung. Bei Sport Schuster am Marienplatz etwa sind die Ski-Regale noch prall gefüllt: „Gerade beim Skiverkauf hinken wir dem Vorjahr hinterher“, erklärt Ferdinand Juris, Leiter Bereich Outdoor und Schnee. Er hofft wie die Konkurrenz auf den ersten Schneefall: „Sobald es schneit, dreht sich das Blatt – die nächsten 14 Tage bleiben spannend.“

Auch Ralf Klein, Filialleiter von Karstadt Sports Oberpollinger am Stachus, wirft jeden Tag einen kritischen Blick auf die Wetterprognose. Zwar liege der Umsatz bei Wintersportartikeln momentan noch auf dem Niveau vom Vorjahr – doch 2010 sorgte am letzten Novemberwochenende plötzlicher Wintereinbruch für einen guten Geschäftsstart. „Gerade bei Skiern kaufen die Kunden nach Bedarf – also dann, wenn es schneit. Wir hoffen natürlich, dass sich das Wetter bald ändert.“

Wolfgang Fischer, Geschäftsführer des Einzelhandelvereins CityPartner München: „Der Wintersportbereich leidet gerade – aber der Verkauf von Winterware war schon immer temperaturabhängig. Erfahrungsgemäß ändert sich die Nachfrage schlagartig, wenn die ersten Schneeflocken fallen. Wir sind optimistisch!“

CS

Skigebiete

Auf der Zugspitze wurde die Skisaison-Eröffnung am Wochenende bereits wegen Schneemangels abgesagt, jetzt musste sogar Österreichs höchstgelegener Skiort, Kühtai in Tirol, den Termin von kommendem Wochenende um eine Woche verschieben. Alles ist grün! Auch das Skigebiet Winklmoos/Steinplatte sieht sich dazu genötigt. „Eigentlich wollten wir an diesem Wochenende aufmachen“, sagt Christina Weindl vom Tourismusamt Reit im Winkl. „Jetzt planen wir für den 3. und 4. Dezember – aber ob das klappt?“

Bei den Münchner Hausbergen im Alpen Plus-Gebiet ist die geplante Eröffnung zwar noch etwas hin (Spitzing 10. Dezember, Brauneck 18. Dezember), Sprecher Manfred Küpper ist dennoch beunruhigt: „Uns helfen ja auch nicht ein paar Flocken. Für eine gute Präparierung brauchen wir schon eine gewisse Grundlage – und für die künstliche Beschneiung Tagestemperaturen um den Gefrierpunkt …“ Auch der Skipass-Verkauf gestalte sich ohne Schnee schwerer.

nba

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