Slapstick oder Krimi?

Die irre Entführung eines Russen-Millionärs

Altötting - Ein Trio aus Amateurgangstern wollten laut Anklage  in Altötting einen russischen Millionär entführen und zwei Millionen Euro erpressen – doch die drei scheiterten auf ganzer Linie.

Kraftfahrer Sergej K. (39), Koch Vjaceslav L. (38) und Kfz-Mechaniker Viktor D. (37) müssen sich wegen erpresserischen Menschenraubs vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Das Opfer: der Geschäftsmann Andrei E. (33). Der Millionär logierte heuer im Februar im Münchner Luxushotel Vier Jahreszeiten. Er schoss Selfies, auf denen er vor einem Porsche Panamera posierte, und stellte sie ins Netz. Beeindruckt begann die fesche Ukrainerin Vita M., mit ihm zu chatten. Alles nur cybermäßig. Dennoch zum Missfallen von Sergej K., von dem Vita schwanger war. Und da in Sergejs Kasse Ebbe herrschte, reifte in ihm eine wirre Idee.

Er ließ durch Vita den vermögenden Andrei zum Tête-à-Tête nach Altötting bestellen. Als der mit einem geliehenen Mercedes vom Typ S350 dort aufkreuzte, war auch schon Sergejs Kumpan Viktor D. vor Ort – und der versperrte ihm mit seinem Auto die Ausfahrt. Vita kam nicht, dafür Sergej. Er berichtete gestern: „Ich wollte nur mit dem Mann reden. Er floh, ich bekam ihn zu fassen. Ich habe versucht, ihn zu beruhigen. Kann sein, dass ich brutal wurde.“

Der Millionär wurde in den Mercedes verfrachtet, Sergej und der zweite Komplize Vjaceslav L. rasten los. Dummerweise fuhren sie einen Reifen platt und ersetzten ihn mit einem viel zu großen BMW-X5-Rad. Doch auch so war die Flucht zum Scheitern verurteilt: Ihre Handys hatten die Ama­teurgangster auf die Adresse von Viktor D. angemeldet. Die Geräte konnten geortet und zugeordnet werden.

Große Überraschung aber, als die tschechische Polizei den Wagen stoppte: Da wollte der entführte Andrei E., der aus dem Auto heraus mehrmals einen Freund um zwei Millionen Euro fürs Lösegeld gebeten hatte, nichts mehr von einer Entführung wissen und kam selbst unter dem Verdacht der Erpressung in U-Haft. Später aber räumte er ein, entführt worden zu sein. Morgen soll er aussagen.

tz

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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