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Die Isar ist abgetaucht

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© Thomas Sehr

Wallgau - Wo ist die Isar geblieben? Bei Wallgau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) ist von dem Fluss kaum noch etwas zu sehen. Warum die Isar für immer unter Kies verschwinden könnte:

Klar und frisch, immer für eine Abkühlung gut. So kennen die meisten Oberbayern ihre Isar. Nur in Wallgau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) sitzt man buchstäblich auf dem Trockenen. Dort, wo der Fluss eigentlich fließen sollte, laufen auf rund 800 Metern Länge nicht mehr als ein paar Rinnsale, umgeben von jeder Menge Kies. Seit den Jahrhundert-Hochwassern von 1999 und 2005 hat „die Kiesproblematik deutlich zugenommen“, sagt Horst Hofmann, Sachgebietsleiter Wasserbau beim Wasserwirtschaftsamt in Weilheim (WWA). Damals wurde extrem viel Geröll bewegt und aufgelockert. Seitdem lagert er sich nach Regenfällen immer stärker im Flussbett der Isar ab. Zudem ist er sehr sickerungsfähig, sodass das Wasser in ihm verschwindet, die Isar wirkt wie ausgetrocknet.

Auch der Bau des Wehrs im Nachbarort Krün und des Isarkanals, der Wasser aus dem Fluss zum Walchensee-Kraftwerk leitet, hat den natürlichen Fluss gestört. Der Kies nervt die Wallgauer seit langem. Am liebsten wären sie ihn schon gestern losgeworden. Dürfen sie aber nicht. „Aus Naturschutzgründen ist eine Kiesentnahme nicht erlaubt“, so Dora Schulz, stellvertretende WWA-Leiterin. Landwirtschaftliche, kommunale und wasserwirtschaftliche Interessen contra Naturschutz. „Diese Fragen werden gerade im Rahmen eines wasserrechtlichen Verfahrens geklärt“, sagt Heinrich Schuster, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, bei der die Naturschutzbehörde angesiedelt ist. Es gehe um „einen Ausgleich unterschiedlicher Belange“.

Auf der einen Seite die der Fischer, Landwirte und Gemeinde: Sie fürchten um weitere tausende Fische, die im trockenen Flussbett sterben, schützenswerte Wiesen an der Isar, die durch den Kies nicht mehr für die Viehweide nutzbar sind und die Trinkwasserversorgung Wallgaus, die gefährdet ist, wenn Kies in den Tiefbrunnen gelangt. Auf der anderen Seite „sind gerade diese Kiesbänke naturschutzfachlich von herausragender Bedeutung“, betont Schuster. In dem streng geschützten Bereich leben extrem gefährdete Insekten und Vögel brüten im Kies. Deshalb machen sich auch Vogelschützer für ihn stark. „Es ist mittlerweile sehr schwer, eine Erlaubnis zur Entnahme zu bekommen“, sagt Schulz. Nur an wenigen Stellen darf der Kies entfernt werden. Nicht aber da, wo es nötig ist. „Die Erlaubnis müsste bis zu den gefährdeten Stellen ausgeweitet werden“, fordert Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler. Doch gerade in diesen Naturschutzflächen „ist auch ein Kies-Abtransport extrem schwierig“, fügt Hofmann hinzu.

Eine endgültige Lösung gibt es nicht. Selbst durch eine Kiesentnahme können nur bestimmte Bereiche der Isar bei Wallgau gerettet werden. Hofmann ist sich sicher: „Beim nächsten großen Hochwasser können wir den Kies nicht mehr beherrschen.“ Und dann wird die Isar auf bestimmten Teilstrecken für immer unter dem Kies verschwinden.

Janine Tokarski

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