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Isental: Alle Fragen zu Bayerns umstrittenstem Bauprojekt

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Dorfen - Es gibt in Bayern wohl kein Bauprojekt, das so umkämpft ist wie der Bau der A 94. Isental - Ja oder Nein? Am Mittwoch fällt die Entscheidung. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen

Seit sage und schreibe 34 Jahren geht der Streit nun schon zwischen Isentalern und der Staatsregierung. Die einen sagen, man brauche die Autobahn durchs Isental nicht – die anderen haben entschieden, sie zu dennoch bauen. Ganz langsam, nur stückchenweise ging es daher mit dem Monster-Projekt voran (siehe Grafik). Als im Dezember 2009 der Bau des 17 Kilometer langen zweiten Abschnitts der Autobahn zwischen Pastetten und Dorfen genehmigt wurde, klagten sofort wieder viele Isentaler gegen die Entscheidung. Am Mittwoch fällt das Gericht nun sein endgültiges Urteil. Isental – Ja oder Nein?

Die tz beantwortet alle wichtigen Fragen zu dem umstrittensten Bauprojekt Bayerns:

Wann wurde das Projekt erstmals geplant?

Anfang 1977. Schon damals gab es einen Plan, die Trasse durch das Isental zu legen (damals von München bis Pocking), um endlich den Südosten Bayerns an das Ballungsgebiet München anzuschließen. Sofort regte sich Widerstand. Das Argument: Die unberührte Flusslandschaft würde völlig zerstört werden.

Wer ist für die Isental-Autobahn?

Für das Projekt spricht sich natürlich der Freistaat aus, aber auch mehrere Kommunen, Unternehmen und natürlich zigtausende Pendler sind dafür – hauptsächlich aus dem Raum Mühldorf und Altötting.

Warum fordern Sie den Autobahn-Bau?

Zum einen natürlich, weil es um die Fertigstellung eines riesigen Projekts geht. Prestige! Teilstücke der A 94 sind ja schon seit Jahren befahrbar. Zum anderen will man endlich die Todesstrecke B 12 entschärfen. Hier liegt die Belastung mit abschnittsweise über 25 000 Fahrzeugen pro Tag irrwitzig hoch. Und: Sie soll noch steigen – nach Prognosen auf 35 000 bis 55.000 Fahrzeuge pro Tag bis zum Jahre 2015.

Warum die Trasse über Dorfen laufen soll?

Weil diese um rund 2,9 Kilometer kürzer ist als die Trasse über Haag.

Wer ist gegen das Autobahn-Projekt?

Zum Großteil Anwohner und auch viele Naturschützer sowie prominente Künstler (unter anderem Gerhard Polt). Ihre Forderung: Man solle doch die Trasse über Haag – also über die jetzige B 12 – ausbauen. So müsste man nicht ins Isental eingreifen, hätte aber dennoch die A 94 von Forstinning nach Heldenstein fertiggestellt. Ihren Berechnungen nach könnte man so zudem 200 Millionen Euro sparen.

Was ist denn im Isental so schützenswert?

Hier gibt es seltene Pflanzen und Tiere, unter anderem Amphibien. Nach den gesetzlichen Richtlinien der Fauna-Flora-Habitat sind sogar drei potenziell betroffene Baugebiete als rechtsgültige Schutzflächen zu behandeln, in denen keine Eingriffe zugelassen sind, die sie „ernsthaft beeinträchtigen“ könnten. So gibt es dort beispielsweise die letzten urtümlichen Auwald-Reste in Bayern. Auch die Regierung weiß das – und betont immer wieder, beim Bau der Autobahn „äußerst vorsichtig“ vorzugehen.

Wie wird das jetzt

entscheidende

Urteil wohl ausfallen?

Viele Insider sind sich ziemlich sicher: Der Bau der Trasse über Dorfen wird wahrscheinlich genehmigt werden. Dann bliebe den Gegnern auch keine Möglichkeit mehr zu klagen. So würden ab 2013 im Isental dann doch die Bagger rollen.

age

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