Jäger verärgert: Fallschirmspringer stören Wild

Die Ruhe vor dem Sturm: Berufsjäger Matthias Haut befürchtet, dass durch die Übung der Fallschirmspringer kein Rotwild an die Futterplätze kommen wird. foto: plettenberg

Bayrischzell - Etwa 75 Soldaten werden nächste Woche in Geitau ihr Lager aufschlagen und Fallschirmsprung-Übungen durchführen. Berufsjäger Matthias Haut befürchtet, dass dadurch das Rotwild massiv gestört wird.

„Was machen die denn da? Haben die sich verlaufen?“ Das waren die ersten Gedanken von Matthias Haut, als er vor einigen Tagen vier Bundeswehrsoldaten bei der Rotwildfütterung in Geitau gesehen hat. Auf seine Nachfrage hin erfuhr der Berufsjäger der Jagdgenossenschaft Bayrischzell, dass die Bundeswehr nächste Woche dort eine Übung plane und einen Biwak-Platz errichten werde. Das bestätigt Stabsfeldwebel Carsten Vennemann von der Pressestelle in Regensburg, die für die Division Spezielle Operationen zuständig ist. „Das Luftlandefernmeldebataillon führt vom 2. bis zum 4. Februar eine Sprung-Ausbildung durch“, sagt Vennemann. Bis zu 75 Berufs- und Zeitsoldaten aus dem ganzen Bundesgebiet nehmen daran teil. Geübt werden Fallschirmabsprünge, weshalb auch ein Hubschrauber zum Einsatz kommen werde. In Geitau werde für die Dauer der Ausbildung ein Biwak-Platz für die Soldaten errichtet.

Matthias Haut, der seit 1. Mai der neue zuständige Berufsjäger für das Revier Bayrischzell-Miesing 1 ist, hat bei der Unteren Jagdbehörde Beschwerde gegen die Übung eingelegt. „Das Wild wird massiv gestört“, befürchtet Haut. Auch die zweite Futterstelle des Reviers befindet sich laut dem Berufsjäger in der Nähe des Übungsgebiets. Weil jetzt durch Dauerfrost und Schneelage ein natürlicher Äsungsmangel herrsche, würden die Tiere versuchen, diesen Energieverlust durch erhöhten Verbiss und Schälung auszugleichen. „Die Rotwildfütterungen sind eine, während der durch Äsungsmangel bedingten Notzeit wichtige Hegemaßnahme, die zur Schadensminderung beiträgt“, erklärt Haut. Er befürchtet, dass das Rotwild während der Übungszeit gezwungen sein wird, seinen Hunger anderweitig zu stillen, weil es sich nicht traue, an die Futterplätze zu kommen.

Wie Frank Skodczinski, Sprecher des Landratsamts mitteilt, habe man die Bedenken an die zuständige Regierung von Oberbayern weitergeleitet. Die wiederum legte das Schreiben dem Bataillons-Kommando vor. Gestern erhielt man von dort eine Stellungnahme. In dieser werden die vorgebrachten Bedenken zurückgewiesen, berichtet Skodczinski. Demnach werde die Übung wie geplant stattfinden.

Die Bedenken hört Hubert Pöllinger zum ersten Mal. Der Geschäftsleiter der Gemeinde Bayrischzell berichtet, dass die Bundeswehr-Übung in den vergangenen Jahren regelmäßig stattgefunden habe – und im Vorfeld seien nie Probleme gesehen worden. „Wenn es Probleme gibt, hätten wir den Kontakt mit den zuständigen Stellen gesucht“, sagt Pöllinger. Von der Jagdgenossenschaft sei aber nichts an die Gemeinde Bayrischzell herangetragen worden.

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