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Drama am Hochkalter: 24-Jähriger in Schneehölle gefangen – Bergwacht hat noch Hoffnung, ihn lebend zu finden

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Von: Katrin Woitsch

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Ein 24-Jähriger aus Niedersachsen ist allein zu einer Tour auf den Hochkalter aufgebrochen und von Eis und Schnee überrascht worden. Samstagabend musste die Suche nach ihm abgebrochen werden. Doch es gibt noch Hoffnung, dass er überleben könnte.

Ramsau – Die Wetterverhältnisse auf dem Hochkalter sind gerade grausam. Eiskalter Wind, Schneesturm, Neuschnee und Nebel. Ein 24-Jähriger aus Niedersachsen hatte die Bedingungen wohl gnadenlos unterschätzt, als er am Samstag allein zu einer Tour aufbrach. Er war mit dem Zug angereist, ein Freund, der ihn begleiten wollte, sagte wegen des schlechten Wetters ab.

Die Bergretter kämpfen sich durch einen Schneesturm am Gipfel
Schneesturm, Nebel, eisige Kälte: Unter extremen Bedingungen suchten die Retter nach dem Vermissten. © Bergwacht Ramsau

Drama am Hochkalter: Urlauber stürzt und verletzt sich

Der junge Mann entschloss sich, die Tour allein zu gehen – und verunglückte. „Ihm war offenbar nicht klar, auf was er sich einlässt“, sagt Markus Leitner, Sprecher des BRK im Berchtesgadener Land.

Schon nachmittags herrschten in dem hochalpinen Gebiet minus 6 Grad, Wind und Nebel, dann kam noch Schneefall dazu. Auf rund 2500 Metern Höhe stürzte der junge Mann und setzte einen Notruf ab. Die Einsatzkräfte in Ramsau erreichte zunächst die Information, der Mann habe sich beim Sturz am Kopf verletzt und wohl beide Arme gebrochen. Das stellte sich jedoch später als Falschinformation heraus. Er hatte bei dem Sturz aber seine Handschuhe verloren.

„Per Rettungshubschrauber wurden Einsatzkräfte an der Wolkenuntergrenze im Ofental abgesetzt“, berichtet Leitner. Sie stiegen bei Nebel und Schneefall zu der Stelle auf, wo der Verunglückte vermutet wurde. Die Retter waren mit dem 24-Jährigen über Handy in Kontakt. Er habe versucht, weiter abzusteigen, aber keine Wegmarkierungen mehr gefunden. Schließlich wurde es so steil und rutschig, dass er sich kaum mehr halten konnte. Er schickte seine Koordinaten über Whats-app an die Einsatzkräfte. „Die Genauigkeit liegt bei etwa 70 Metern“, sagt Leitner. In hochalpinem Gebiet und mit schlechtem Empfang und Wetterbedingungen blieb die Suche trotzdem erfolglos.

Grafik des Hochkalters und Umgebung
Am Hochkalter läuft die Suche nach dem Vermissten. © Grafik MM

Bergwacht telefoniert mehrmals mit dem Vermissten

Das Ofental ist vom Funk meist abgeschnitten, die Retter mussten zusätzliche Geräte aufbauen, um den Funk zu verstärken und weiterhin mit dem 24-Jährigen telefonieren zu können. Am Telefon berichtete er, dass er friere und nicht mehr wisse, wo genau er ist, berichtet Leitner. Die Bergwacht bat ihn darum, laut um Hilfe zu rufen – in der Hoffnung, ihn so schneller zu finden.

Der Untergrund war mittlerweile mit einem halben Meter Schnee bedeckt. Der Wind war so stark, dass sich die Einsatzkräfte kaum noch verständigen konnten. Bei Sonnenschein hätte der Mann innerhalb einer Stunde per Hubschrauber gerettet werden können, sagt Leitner. „Bei diesen Wetterbedingungen hätten ihn die Einsatzkräfte aber vielleicht weder gehört und gesehen, wenn er ein paar Meter entfernt gelegen hätte. Aus einer Lappalie ist eine Katastrophe geworden.“

Das Wichtigste ist, sich vor dem Wind zu schützen.

Michael Leitner, Bergwacht Berchtesgadener Land

Rettungsteam muss Suche abbrechen

In den Abendstunden wurde das Risiko für die Rettungskräfte größer und größer. Ein Trupp musste sich am Gipfel in einem Notzelt vor dem eiskalten Wind in Sicherheit bringen, die Bergretter auf der Westseite mussten absteigen. Alles war mittlerweile vereist. Jeder Schritt musste mit Seien abgesichert werden. Gegen 22 Uhr waren alle Einsatzkräfte wieder zurück im Ofental.

Mittlerweile hatte das Kriseninterventionsteam Kontakt zu den Eltern des 24-Jährigen aufgenommen, die sich auf den Weg nach Ramsau machten. Die Retter erreichten den jungen Mann das letzte Mal am Samstag um 21.30 Uhr auf seinem Handy. Sie sprachen ihm Mut zu, gaben ihm Tipps, wie er sich warmhalten solle. „Proviant hat er offenbar genug dabei“, sagt Leitner. „Das Wichtigste ist, sich vor dem Wind zu schützen.“ Wie gut der Mann ausgerüstet ist, weiß Leitner nicht.

„Wenn er einen Biwak-Schafsack hat und sich eine Schneehöhle bauen kann oder eine windgeschützte Stelle findet, könnte er ein paar Tage in der Kälte überleben.“ Sein Handyakku ist seit Samstagabend leer. Die Wetterbedingungen sind nach wie vor so schlecht, dass die Einsatzkräfte aktuell nur per Hubschrauber nach ihm suchen können. Erst am Mittwoch soll sich das Wetter bessern, bis dahin wird wohl kein weiterer Rettungstrupp aufsteigen können.

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