500 Jahre nach der Reformation

Coburg bekommt Landesausstellung

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Martin Luther lebte einst auf der Veste Coburg.

Coburg - Vor allem in Franken war die Reformation vor 500 Jahren erfolgreich. In Coburg wird es deshalb eine Landesausstellung geben. Auf der Veste lebte einst für mehrere Monate Martin Luther.

Wallfahrten, prachtvolle Barockkirchen - und bis vor kurzem gab es sogar noch einen Papst aus Bayern. Der Freistaat gilt als durch und durch katholisches Land. Doch das stimmt nicht. Bayern hat auch eine bemerkenswerte protestantische Tradition, das gilt vor allem für Franken. Deshalb wird es 500 Jahre nach der Reformation 2017 eine Landesausstellung in Coburg geben. Auf der Veste verbrachte der Reformator Martin Luther im Jahr 1530 mehrere Monate.

Luther predigte in der Morizkirche

Im April war er in die Stadt gekommen, er verfasste dort zahlreiche Briefe und Schriften, empfing Gäste und predigte in der Morizkirche. Coburg sei damit die bedeutendste Luther-Stätte in den alten Bundesländern, sagt Norbert Tessmer, zweiter Bürgermeister und Kulturreferent der Stadt: „So selbstbewusst können wir sein.“

Nach Angaben des Hauses der Bayerischen Geschichte wird die Landesausstellung 2017 den Titel „Ritter - Bauern - Lutheraner“ tragen. Auch die evangelische Landeskirche freut sich über die Ausstellung: Man könne zeigen, dass die lutherischen Traditionen in vielen Orten des heutigen Bayerns eine große Bedeutung haben, sagt Sprecher Johannes Minkus. Die Reformationszeit und die spätere katholische Gegenreformation hätten beide Konfessionen bis in die Gegenwart hinein geprägt.

"Er war quasi Schlossherr"

Die Veste als Ort sei „spektakulär“, sagt Klaus Weschenfelder, Direktor der Kunstsammlungen der Veste. Schließlich sei sie ein authentischer Ort: Die Stube, in der Luther einst wohnte, kann heute noch besichtigt werden. Luther habe bei seinem Aufenthalt in Coburg auch Besuch empfangen: „Viele Leute wollten mit ihm reden.“ Während Luther sich auf der Wartburg bei Eisenach anonym versteckt hielt, lebte er in Coburg offen. „Er war quasi Schlossherr“, sagt Weschenfelder.

Der Reformator wollte 1530 eigentlich zum Reichstag nach Augsburg reisen, doch da er geächtet war, musste er auf dem Gebiet des sächsischen Kurfürsten Johann des Beständigen bleiben, der seine Sicherheit garantieren konnte. Coburg war der südlichste Zipfel des Gebiets.

Die Schau soll sich aber nicht nur Luther und der Reformation widmen, sondern auch all den anderen Umbrüchen dieser Zeit. Die Sammlungen der Veste hätten zahlreiche passende Exponate zu bieten, sagt Weschenfelder, der auch auf viele Gäste aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt hofft. „Da gibt es gemeinsame Wurzeln, die nicht vergessen sind.“ Coburg war bis 1918 Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Coburg und kam erst nach einer Volksabstimmung 1920 zu Bayern.

dpa/lby

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