Umstrittene Pumpspeicher-Anlage

Das Jochberg-Kraftwerk ist auf Eis gelegt

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Wo der Münchner das Wandern lernt: der Jochberg (kahler Gipfel in der Bergmitte) thront über dem Walchensee.

Kochel/Hallbergmoos - Ist das schon das Aus für das umstrittene Pumpspeicherwerk am Jochberg? Die Energieallianz Bayern will vorerst kein weiteres Geld in das Projekt investieren. Notwendig sei vorher ein klares Bekenntnis der bayerischen Staatsregierung.

Ein Oberbecken so groß wie 16 Fußballplätze, umgeben von einem 30 Meter hohen Wall, vorher jahrelanger Baulärm in der idyllischen Jachenau, Sprengungen im Massiv des Jochbergs – die Energieallianz Bayern, ein Zusammenschluss regionaler Energieerzeuger, plante unweit des Walchensees ein Bauprojekt der Superlative. Mindestens 600 Millionen Euro sollte das Pumpspeicherwerk kosten, gegen das es in der Region – aber auch darüber hinaus – bereits Widerstand gibt.

Jetzt tritt das Stadtwerke-Bündnis auf die Bremse. Auf der Gesellschafterversammlung am Firmensitz in Hallbergmoos (Kreis Freising) beschloss die Energieallianz Bayern gestern, die Planungen nur auf Sparflamme weiter zu betreiben. Zuvor hatte bereits der Stadtrat von Bad Tölz in nicht-öffentlicher Sitzung so entschieden – die Stadtwerke Bad Tölz sind Mitglied in der Energieallianz und haben nach Angaben von Werksleiter Michael Hofmann schon 80 000 Euro in das Projekt gesteckt. Der „finanzielle Rahmen des Projekts“ werde vorerst „nicht aufgestockt“, heißt es nun in einer Pressemitteilung der Energieallianz. Um die derzeit ruhenden Vorbereitungen für ein Raumordnungsverfahren wieder aufzunehmen, sei „vor allem ein klares Bekenntnis der Landes- und Bundespolitik zur Energiewende und den damit verbundenen Eingriffen in das Lebensumfeld der Bürger erforderlich“, erklärt die Allianz weiter. „Insbesondere soll die Bewertung der Pumpspeicherstudie der bayerischen Staatsregierung abgewartet werden.“ Genau so hatte es vor einer Woche bereits der Geschäftsführer der Energieallianz, Achim Thiel, in einem Interview mit unserer Zeitung erklärt („wir brauchen von der Politik ein klares Ja“). Ganz ähnlich gestern der zweite Bürgermeister von Bad Tölz, Andreas Wiedemann: „Kleine Stadtwerke sind damit überfordert, sich laufend allein der Kritik zu stellen.“

Nun also ist die bayerische Staatsregierung am Zug – die wegen der anstehenden Kabinettsneubildung derzeit aber lahm gelegt ist. Zudem wartet die Regierung auf zwei Studien, die erst 2014 vorliegen werden. Zum einen hat das bayerische Umweltministerium eine Potenzialstudie zu Pumpspeicherkraftwerken im bayerischen Alpenraum beim renommierten Ingenieurbüro Lahmeyer Hydrotechnik in Auftrag gegeben. „Untersucht werden sollen alle möglichen Aspekte, also Geografie, Geologie, der notwendige Netzanschluss“, sagt eine Ministeriumssprecherin. Zum zweiten steht eine Studie des bayerischen Wirtschaftsministeriums aus: Die „bayerische Energiesystemanalyse“ ist ein Simulationsmodell, mit dem unterschiedliche Szenarien der Stromerzeugung-, -verteilung und -nutzung für Bayern berechnet werden. Die Studie wird von der Energieagentur „Energie innovativ“ sowie zwölf Unternehmen und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg erstellt. Sie wird wohl im ersten Halbjahr 2014 fertig.

Bis dahin will die Sprecherin des Umweltministeriums keine Aussagen zu möglichen Standorten machen – getreu der Linie von Umweltminister Marcel Huber (CSU), der trotz des seit Monaten schwelenden Konflikts um den Jochberg eisern schweigt.

Von Dirk Walter und Andreas Steppan

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