Neue tz-Serie

Exklusiv: Deutschlands härtester Privatermittler packt aus

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Joseph Resch

München - Josef Resch stammt vom Tegernsee. Er gilt als erfahrenster Privatermittler Deutschlands. Nun packt er in seinem Buch aus. Teil eins der exklusiven tz-Serie: So wurde Resch zum Jäger.

Privatermittler Josef Resch (67) ist bekannt für seine unkonventionellen Methoden: Vertrauen aufbauen und Misstrauen säen gehören zu seinem Geschäft. Aufgewachsen auf der Schwaigeralm beim Tegernsee hat er seinen Kaiserschmarrn schon für Altkanzler Ludwig Erhard zubereitet – und 20 Jahre später für Drogenbaron Pablo Escobar in Kolumbien. 

Nach 35 Jahren Verschwiegenheit packt der erfahrenste Privatermittler Deutschlands jetzt in seinem Buch aus. Im ersten Teil der exklusiven tz-Serie erzählen wir in einzelnen kleinen Kapiteln, wie Josef Resch durch effektive Informationsbeschaffung die 7. Klasse geschafft hat und wie er zum Jäger wurde, der 47 Millionen Dollar Belohnung aussetzt. 

Mega-Belohnung 

47 Millionen US-Dollar Belohnung lobt Josef Resch auf die Hintermänner des Abschusses von Malaysia-Airlines-Flug 17 über der Ukraine aus. Aus Tausenden Informationen siebt er den einen heraus, der die Wahrheit kennt. Wer MH17 am 17. Juli 2014 abgeschossen hat? Resch unterzeichnet eine Verschwiegenheitserklärung. Und hat jetzt ein Buch über sein aufregendes Leben als Privatermittler im juristischen Graubereich geschrieben.

Matheklausur 

Josef Resch als kleiner Bub.

Schon als Schüler ist Josef Resch auf „effektive Informationsbeschaffung“, wie er es nennt, angewiesen. Aufgewachsen auf der Schwaigeralm, ist er zweieinhalb Stunden zur Schule unterwegs. Wenn er nach dem Marsch im warmen Klassenzimmer ist, dauert’s nicht lange, bis er schläft. Dementsprechend sind die Noten. Als es in der 7. Klasse mit der Versetzung eng wird, klettert Josef Resch nachts aus seiner Schlafkammer ins Freie und macht sich auf den Weg zur Schule. Im dreistöckigen Schulhaus wohnt oben der Hausmeister. Ein rechter Schluckspecht, und genau damit kalkuliert der kleine Josef. Indem er Steine ans Fenster wirft, lockt er ihn raus – die Tür lässt der angetrunkene Hausmeister offen. Genau so, wie sich Sepp Resch das gedacht hat. Mit einem Haken angelt er sich den Klassenzimmerschlüssel, um am Lehrerpult seiner Arbeit nachgehen zu können. Fast die ganze Mathearbeit schreibt er beim Klassenbesten ab – nur ein paar kleine Fehler macht er extra hinein. Und bekommt so die Note 1,5 – die braucht er zur Versetzung. Über die Rettung seiner Mathenote hat Resch (bisher) mit niemandem geredet. Verschwiegenheit ist sein Beruf.

Rotlichtmilieu 

Der robuste Kerl aus den Bergen wird 1979 von ein paar Mädchen aus dem Münchner Rotlichtmilieu gefragt, ob er nicht in der Nacht auf sie aufpassen könne, wenn sie Besuch empfangen. Von dem leicht verdienten Geld kauft sich Resch als stiller Teilhaber in einen Nachtclub ein – und investiert in noch einen Club und noch einen. Doch ständig rückt die Polizei in seinen Nachtclubs an, um bei den Gästen nach Drogen zu suchen. Die ewigen Razzien sind schlecht fürs Geschäft und so schlägt Josef Resch der Polizei einen Deal vor: Er kauft für sie verdeckt die Drogen auf, liefert die Hintermänner ans Messer und als Gegenleistung gibt es weniger Razzien. Der Privatermittler Josef Resch hat seine Arbeit aufgenommen.

Bundeskanzler 

Joseph Resch Senior mit Kanzler Ludwig Erhard

Sowohl mit den einfachen Leuten als auch mit den Großkopferten umzugehen, hat Josef Resch bei seinen Eltern auf der Schwaigeralm gelernt. „Weißt was? Wenn sie dich in Bonn nicht mehr brauchen, dann kommst zu mir als Schankkellner, weil saufen kannst gut“, sagt sein Vater 1967 zu einem Stammgast. „Abgemacht“, antwortet der Stammgast und reicht ihm die Hand. 1970 geht die demütige Geste eben jenes Mannes um die Welt, als er am Ehrenmal der Helden des Ghettos in Warschau auf die Knie fällt. Sepp Resch Senior stirbt ein Jahr vor Willy Brandts Kniefall im Alter von 48 Jahren. Er hat sich zu Tode gearbeitet. Obwohl auf der Schwaigeralm Promis wie Kaiserin Soraya, Prinz Louis Ferdinand von Preußen oder der Multimilliardär Friedrich Karl Flick verkehren, hat die Familie finanzielle Nöte.

Millionen-Jäger 

Im Mai 2012 bläst Josef Resch zur Jagd auf Florian Homm, dessen Onkel, Versandhändler Josef Neckermann, ein gern gesehener Gast auf der Schwaigeralm ist. In einem Youtube-Video, das es in mehreren Sprachen gibt, bietet Josef Resch ein Kopfgeld von 1,5 Millionen Euro für denjenigen, der Hinweise auf den Aufenthaltsort des Hedgefonds-Managers Florian Homm gibt. Homm ist zu diesem Zeitpunkt seit mehr als fünf Jahren auf der Flucht vor den US-Behörden und geprellten Anlegern. Nach einigen Monaten zieht Reschs Auftraggeber die Bitte nach der Suche zurück. Da hat der Privatermittler schon so viele Informationen gesammelt, dass Florian Homm sich unbedingt mit ihm treffen will – um zu erfahren, wer der Maulwurf in seinem Umfeld ist. Am Münchner Hauptbahnhof treffen sich der Ermittler und der Gejagte zu einem eineinhalbstündigen Gespräch. Sie gehen als Freunde auseinander, die fortan großen Respekt füreinander empfinden. Drei Tage später wird Florian Homm in Italien verhaftet. Mit den US-Behörden geht ein Gezerre um seine Auslieferung los. Florian Homm ist an Multipler Sklerose erkrankt. Die Mutter von Homm beauftragt Resch, die Flucht von Homm aus dem Gefängnis zu organisieren. Sie hat Angst, dass ihr Sohn im Gefängnis stirbt. Ein aberwitziger Fluchtplan steht schon, als Homm überraschend entlassen wird. Jetzt hat Resch seine Memoiren aufgeschrieben. Auch wenn es immer noch Geheimnisse gibt, die er nicht preisgibt: Wer die MH17 abgeschossen hat oder wie ihm sein Kaiserschmarrn so vorzüglich gelingt.

Jasmin Menrad

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