Gewaltverbrechen in der Landkommune

24-Jährige gesteht Mord an diesem Mann

+
Mordopfer Egon G. in der 200 Jahre alten Marienkapelle. Mit den Kommunarden und den Ortsbewohnern hatte er sie saniert.

Rottal - Egon G. (75) ist tot in seiner Landkommune in Schacha (Kreis Rottal-Inn) aufgefunden worden. Eine junge Frau hat den Mord inzwischen gestanden.

Ein einziges Idyll: Egon G. (75) vor dem Hauptgebäude des historischen Anwesens im Rottal.

Er hatte immer ein offenes Herz und eine offene Tür für Menschen, mit denen es das Schicksal nicht gut meinte. Egon G. (75), der aus München stammte, empfing sie auf seiner Landkommune in Schacha (Kreis Rottal-Inn). Dort hatte der Gründer der Gemeinschaft viel Platz – „auch für Ausreißer und Lebenskünstler“, sagte er einmal zur PNP. Am Freitagnachmittag wurde der Egon, früher ein Weltenbummler, tot in seinem Bett aufgefunden. Dem Arzt kamen die Umstände komisch vor – Kripo! Eine Obduktion ergab später massive Gewalteinwirkung auf Kopf und Hals. Egon, der es immer mit den anderen gut meinte, war umgebracht worden. Unter Verdacht: Zwei junge Rumäninnen (21 und 24), die in der Kommune ein und aus gingen. Die Ältere hat am Donnerstag den Mord gestanden.

Kurz nach der Festnahme der beiden herrschte in der Gemeinde Egglham, zu der Schacha gehört, Fassungslosigkeit und Trauer. Vor allem unter den Bewohnern der Kommune, die so ein Verbrechen den Rumäninnen nie zugetraut hätten. „Ich fress’ einen Besen, wenn die beiden das waren“, war sich ein 74-Jähriger kurz nach der Festnahme noch sicher. Er lebte wie das Opfer schon seit Jahrzehnten auf dem großen, alten Hof. Zunächst habe er ja geglaubt, dass der Egon eines natürlichen Todes gestorben sei, „er war ja schon lange schwer krank“, zudem gezeichnet von einem Schlaganfall. Die Frauen schätzte er als „ehrlich und geradlinig ein“. Die eine wohne auch mit ihrem Freund auf dem Hof, die andere sei verheiratet. Sie würden stundenweise putzen gehen, mal in einem Laden arbeiten.

Vor Kurzem sei aber der Geldbeutel von Egon G. gestohlen worden, wusste der langjährige Freund. Viermal sollen mit der Karte je 2000 Euro abgehoben worden sein. „Ob das in einem Zusammenhang steht, weiß ich aber nicht …“ Doch in der Tat liegt hier das Motiv für das Gewaltverbrechen. Dies fand eine Ermittlungsgruppe der Passauer Kripo heraus, die mit Hochdruck an der Aufklärung arbeitete. „In den vergangenen Wochen wurde mehrfach mit einer Bankkarte Geld vom Konto des 75-Jährigen abgehoben“, so ein Sprecher. Hier sei die 24-Jährige als Täterin „aktiv gewesen“. Am Freitag, an dem also Tag, an dem er sterben musste, wollte Egon G. den Diebstahl der Bankkarte und die unerlaubten Abhebungen bei der Polizei anzeigen. Dies ergaben die Ermittlungen. Die ältere der Rumäninnen räumte in ihrer Vernehmung die Tat ein. Sie habe gehandelt, um die zuvor begangenen Straftaten zu verdecken. Die Jüngere hat mit allem nichts zu tun und befindet sich wieder in Freiheit.

Durchaus schillernde Figuren lebten in den vielen Jahrzehnten auf dem Hof, der so viel Friedfertigkeit ausstrahlt. „An ein ständiges Kommen und Gehen“, erinnert sich Bürgermeister Herrmann Etzel. Der Gründer des Ganzen ist jetzt auch gegangen, für immer.

Markus Christandl

Auch interessant

Meistgelesen

Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
Triathletin Julia Viellehner ist gestorben
Mann vergisst Auto - und dann macht er was ziemlich Dummes
Mann vergisst Auto - und dann macht er was ziemlich Dummes
„Unfassbarer Schmerz“: Große Trauer nach Tod von junger Radlerin
„Unfassbarer Schmerz“: Große Trauer nach Tod von junger Radlerin
Motorradfahrer übersieht abbiegenden Traktor - mit tödlichen Folgen
Motorradfahrer übersieht abbiegenden Traktor - mit tödlichen Folgen

Kommentare