Pumpspeicherwerk spaltet Region

Der Kampf um den Jochberg

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Ein beliebtes Ausflugsziel: der 1565 Meter hohe Jochberg.

Kochel am See - Er zählt zu den beliebtesten Hausbergen der Münchner: der Jochberg (1565 Meter hoch) zwischen Kochel- und Walchensee. Doch seit einigen Wochen tobt ein heftiger Streit um den idyllischen Berg.

Denn hier soll das größte Pumpspeicherwerk Bayerns entstehen. Für die einen ein Segen, für andere pure Umweltzerstörung. Auf 1300 Metern Höhe soll ein Speichersee mit 22 Hektar Fläche, einem Damm mit rund 35 Metern Höhe und einem Fassungsvermögen von drei Millionen Kubikmetern Wasser entstehen. Ein 600 Meter tiefer Schacht, durch den das Wasser auf die Turbinen stürzt, das Turbinenhaus und der Auslaufkanal in den Walchensee sollen unterirdisch und damit quasi unsichtbar errichtet werden. Der Investor? Das ist die Energieallianz Bayern (ein Zusammenschluss aus 33 Gemeinde- und Stadtwerken).

Der Plan sieht vor, noch in diesem Jahr das Raumordnungsverfahren einzuleiten. Baubeginn soll in fünf Jahren sein. So mancher Anwohner ist davon wenig begeistert. Die tz sprach mit vier Experten über das Bauprojekt – mit zwei Skeptikern und zwei Befürwortern:

Pro: Stadtwerke und Stiftung Energiewende Oberland

Beitrag leisten

„Wir brauchen in Bayern die Energiewende“, ist sich Michael Hofmann, Chef der Tölzer Stadtwerke, sicher. Da Photovoltaik-Anlagen nicht immer ausreichten, müsse jede Region ihren Beitrag zur Energiewende leisten. „Und wir stehen jetzt vor der Aufgabe zu klären, welchen Beitrag leisten wir?“, so Hofmann. Wasserkraft sei eine gute Lösung für die Energiewende. Durch die Berge und Seen sei in der Tölzer Region ein Pumpspeicher sinnvoller als beispielsweise Windkraft. „Fakt ist, irgendwann werden wir unsere Beitrag leisten müssen.“

Für Energiewende

Wolfgang Seiler

Die Energiewende Oberland Bürgerstiftung befürwortet das Projekt – ist aber auch für andere Lösungen offen. Professor Dr. Wolfgang Seiler sagt: „Wer einen Pumpspeicher baut, errichtet diesen für Generationen.“ Es sei ein tiefer Eingriff in das Landschaftsbild und das Ökosystem, der gut überlegt sein sollte. „Man muss vorher auf jeden Fall prüfen, welche Möglichkeiten gibt es noch – wie beispielsweise eine Methanisierung.“ Wie sinnvoll ein solches Großprojekt im Oberland ist, will der Verein genau prüfen.

Kontra: Bund Naturschutz und Alpenverein sind skeptisch

Genau hinsehen

Martin Pfund

Martin Pfund, Vorsitzender des Alpenvereins Bad Tölz, beobachtet derzeit die Planungen rund um das Pumpspeicherwerk: „Wir als Freizeitverein wollen erstmal sehen, wie die Fakten sind, bevor wir uns dazu äußern.“ Wichtig sei es aber, dass alle Hintergründe betrachtet werden. „So ein Pumpspeicher kann Vor- und Nachteile haben.“ Die Vereinsmitglieder erfreuten sich an der Bergwelt – inwiefern ein Pumpspeicher problematisch sein könnte, wolle man sehen. „Generell gilt aber: Wasserkraft ist mir immer lieber als Kernenergie.“

Natur erhalten

Friedl Krönauer

„Wir alle wollen die Energiewende.“ Da ist sich die Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen des Bund Naturschutzes einig. Doch das geplante Pumpspeicherwerk Jocheralm bereitet dem Vorsitzenden Friedl Krönauer und seinen Mitstreitern Bauchschmerzen. „Teile der Brotzeitstation Jocheralm würden geflutet werden.“ Auch hochwertige Alpenmagerweiden mit seltenen Pflanzenarten würden zerstört werden. Der Lärm der Baustelle könnte die letzten sechs Birkhähne vertreiben. „Wir müssen kämpfen, damit dieser Plan schnell begraben wird.“

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