Chemikalie aus Klinikum?

Umweltverschmutzung: 1000 tote Fische in der Kanker

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Otto Oswald, Vorsitzender des Fischereivereins Burgrain, mit einem Teil der toten Fische

Garmisch-Partenkirchen – Eine Umweltverschmutzung mit gewaltigen Folgen: An die 1000 Bachforellen könnten in der Kanker verendet sein – durch eine bisher unbekannte Substanz. Pikant: Es deutet derzeit alles darauf hin, dass die Flüssigkeit am Klinikum eingeleitet wurde.

Otto Oswald ringt um Worte. Seit 23 Jahren ist er Vorsitzender des Fischereivereins Burgrain, zuvor war er 25 Jahre Schatzmeister. „Die Fischerei ist mein Leben“, sagt er. Doch einen Tag wie den Montag, den hat Oswald in all der Zeit noch nicht erlebt. Er ist den Tränen nahe. „Das ist schlimm.“ Am Morgen war er von einer Anwohnerin verständigt worden, dass eine Art Schaum auf der Kanker fließt, die teilweise bestialisch stinke. Die ersten Fische, hieß es, seien schon verendet. Oswald machte sich sofort auf den Weg. Was er sah, das traf ihn bis ins Mark: überall tote Bachforellen. Er streifte an dem ganzen Bach entlang. Nachmittags zog er eine erste Bilanz. Eine erschütternde Bilanz: „An die tausend Fische sind tot, von den kleinsten, der Brut, bis zu den fangreifen Forellen.“ Er schätzt, dass etwa die Hälfte des Bestandes in kurzer Zeit vernichtet wurde.

Die Polizei eilte herbei, die Freiwillige Feuerwehr Partenkirchen mit rund 20 Männern ebenso. Schnell kam der Verdacht auf: Die Substanz könnte durch Entwässerungsrohre des Klinikums Garmisch-Partenkirchen in die Kanker eingedrungen sein. Deshalb dichtete die Feuerwehr die beiden Leitungen mit einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern sofort ab. Außerdem legte sie nach Auskunft von Kommandant Klaus Straub Ölsperren aus. Die Einsatzkräfte arbeiteten schnell, aber sie kamen zu spät. Da hatte die Flüssigkeit schon enormen Schaden angerichtet. Hinzu kam, dass wegen einer Baustelle an der Mittenwalder Straße derzeit wenig Wasser durch das Bett der Kanker geleitet wird.

Um was es sich bei der Chemikalie handelt, ist noch völlig unklar. Experten des Wasserwirtschaftsamtes nahmen Proben, um die Substanz in einem Labor analysieren zu lassen. Mitarbeiter im Klinikum verfuhren in allen Schächten, die zu den Leitungen führen, genauso.

Rund 1000 Tiere sind verendet

Garmisch-Partenkirchen: 1000 tote Fische in der Kanker

„Es spricht viel dafür, dass unsere Entwässerungsleitung den Schaden verursacht hat“, räumte Geschäftsführer Peter Lenz nachmittags ein. Auch seine Fachleute könnten nicht sagen, um welche Substanz es sich handelt oder woher sie stammt. Für das Wasserwirtschaftsamt erstellte die technische Abteilung Listen mit allen Chemikalien, die zum Beispiel zur Reinigung oder zur Sterilisation eingesetzt werden. Dazu hielten die Mitarbeiter stetig Kontakt mit den Behörden. „Wir bedauern das wirklich sehr, es tut uns sehr leid“, betonte Lenz. Sollte das Klinikum das Fischsterben tatsächlich verursacht haben, „müssten wir natürlich für die Konsequenzen aufkommen“. Natürlich auch finanziell. Die Polizei hat die Ermittlungen ebenfalls aufgenommen.

Ob die Chemikalie auch in der Partnach oder in der Loisach Schaden angerichtet hat, war unklar. Dort suchten Fachleute das Gebiet ab. Helfen könnte, dass dort weiter mehr Wasser fließt und die Substanz deswegen schneller und stärker verdünnt wird.

Wie es mit den toten Forellen weitergeht? „Ich weiß es nicht“, sagt Otto Oswald. „Ich muss mich da erst mal informieren.“ Einige Tiere, das hat er in Erfahrung gebracht, solle er für Analysen sicherstellen. „Und danach müssen wir mal schauen.“ Erst einmal muss er sich sammeln. Und die Ereignisse dieses schlimmen Tages verdauen.

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