Wie kann ein Vater nur so etwas tun?

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Die Mutter Lacramioara († 37) mit ihrem kleinen Schatz Marcus (†). Franz Müller (48) ist laut Polizei "dringend tatverdächtig".

Rosenheim - Polizisten haben am Montag die Leichen von Lacramioara (37) und ihres Sohnes Marcus (3) in einem Wohnhaus in Rosenheim gefunden. Vater Franz Müller hatte die Frau erschlagen und sein Kind erhängt. Er ist auf der Flucht.

Es ist ein Bild der Liebe: Ganz zärtlich hält die Mutter ihr Kind im Arm. Freude. „Das ist jetzt alles vorbei, alles aus“, sagt Nachbarin Gerda H. mit stockender Stimme. „Ich kann nicht fassen, dass sie sterben mussten. Dass er das tun durfte.“ Mit er, damit meint die Rentnerin Franz Müller. Denn der 48-jährige Rosenheimer wird verdächtigt, am Montag ein Familienglück brutal zerstört zu haben. Mit einer Tat, die jedem den Atem stocken lässt. Erst prügelte er hemmungslos seine Ex-Frau mit zig Schlägen zu Tode, dann hängte er seinen Sohn Marcus (3) an einem Seil auf. Löschte das junge Leben auf brutalste Weise aus. Jetzt ist Müller auf der Flucht.

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Ex-Mann erhängt Bub (3) - Frau erschlagen

Das Verbrechen geschah am Brückenberg in Rosenheim, und die gesamte Gegend ist wie gelähmt seit der Tat: Jeder trauert um die armen Opfer, jeder hier ist fassungslos. Es ist Montagnachmittag, als eine Freundin von Lacramioara Müller in den Keller des vierstöckigen Hauses in der Hochgernstraße geht. Urplötzlich sieht sie die 37-jährige Mutter am Boden liegen, blutüberströmt, regungslos. Sofort ruft die geschockte Frau die Polizei. Schon nach wenigen Minuten treffen die Beamten am Tatort ein und machen eine weitere grausame Entdeckung: In einem Raum finden sie den kleinen Buben. Erhängt. Ein Anblick, den auch hartgesottene Polizisten nie wieder vergessen werden.

Sofort fällt der Verdacht auf den Ex-Mann der Mutter: Franz Müller. Auch er wohnt in Rosenheim, und er hat ein sogenanntes „Annäherungsverbot“ gegenüber seiner Frau, wie das Internetportal rosenheim24.de berichtet. Zu oft hat er Lacramioara – was übersetzt Maiglöckchen heißt – schon geschlagen. Müller, der ursprünglich aus Hermannstadt in Siebenbürgen stammt, saß deswegen sogar schon im Gefängnis. Anfang des Jahres kam er aber wieder auf freien Fuß.

Wer hat Franz Müller (48) gesehen?

„Er ist ein schrecklicher Mann, vor dem Lacramioara immer Angst hatte“, erzählt Gerda H. der tz. Sie lernte die Rumänin im Kleiderladen des Roten Kreuzes kennen und freundete sich mit ihr an. Auch weil Gerda. H. etwas Rumänisch spricht. Eine Freundschaft, die jetzt wahrscheinlich Leben rettete: Denn Lacramioara hatte drei Kinder. Den zwei älteren spendierte Gerda H. vor Kurzem eine Fahrt nach Rumänien – wo sie die Ferien bei ihren Onkels und Tanten verbringen dürfen. Nicht auszudenken, wenn die Kinder auch in Rosenheim gewesen wären, als Franz Müller durchdrehte.

Eine Frage stellen sich viele am Brückenberg: Hätte der Tod der hübschen Mutter und des Buben nicht verhindert werden können? „Wer sie kannte, wusste, dass sie von ihrem Ex-Mann verfolgt wird“, erzählt Nachbar Sigmar L. Der Mann schüttelt den Kopf. Seit Jahren sei das schon gegangen. Fakt ist: Lacramioara war schon im Frauenhaus untergetaucht – aus Angst vor ihrem Mann. Auch bei der Polizei war sie, weil Franz Müller, der übrigens fast direkt gegenüber ihrer Wohnung eine Sozialwohnung zugeteilt bekam, nicht von ihr abließ. Einmal versuchte er, den kleinen Sohn mitzunehmen. „Da hätte man doch etwas tun müssen – mit der Polizei“, schimpft Gerda H.

Polizei sucht flüchtigen Franz Müller

Die Polizei war gestern damit beschäftigt, den Täter überhaupt erst einmal zu finden. Noch fehlt jede Spur. Deswegen wurde am Dienstagabend ein Fahndungsfoto Franz Müllers herausgegeben. Er sei laut Polizei „dringend tatverdächtig“, die beiden getötet zu haben. Müller ist etwa 1,70 Meter groß, über die aktuelle Bekleidung ist nichts bekannt. Die Polizei bittet um sachdienliche Hinweise zu dem Fall unter der Telefonnummer 0 80 31/2 00-30 14 oder -30 16.

Lacramioara war eine tapfere Frau. Sie schaffte es, sich von ihrem brutalen Mann zu lösen. Eine Freiheit, die sie und ihr Sohn mit dem Leben bezahlen mussten. „Sie hätte halt Schutz gebraucht“, sagt Gerda H. Dann blickt sie auf das Foto, auf dem die junge Mutter zärtlich ihren Marcus im Arm hält.

Armin Geier

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