Dialog

Kardinal Reinhard Marx über …

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Kardinal Marx.

München - Kardinal Reinhard  Marx hat einen Einblick davon gegeben, was ihn derzeit am meisten bewegt – und auch wo sich seine Kirche bewegen muss.

Nein, Kardinal Reinhard Marx ist kein Phrasendrescher. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist bekannt dafür, dass er gerne Klartext spricht. Genau das schätzen viele an ihm. Am Freitag gab der 62-Jährige in einem Gespräch mit Pressevertretern nun Einblick, was ihn derzeit am meisten bewegt – und auch wo sich seine Kirche bewegen muss. „Wichtig ist doch, dass wir über alle Probleme reden, sie ansprechen“, machte der Kardinal gleich zu Beginn des Dialogs deutlich. Dann sprach er frei über die Flüchtlingskrise, den Papst und dessen Erfolge sowie über sein Bistum. Aber auch über die Angst vieler vor einer Islamisierung. Die tz lauschte seiner Weihnachtsbotschaft und fasst diese für Sie zusammen. Armin Geier

… Islamisierung

rdinal Marx sofort deutliche Worte: „Die 3,5 Millionen in Deutschland lebenden Muslime sind eingeladen worden, bei uns zu arbeiten und unseren Wohlstand zu sichern. Wir dürfen diesen Menschen nicht sagen, sie dürfen ihren Glauben nur in der Garage ausüben“, stellte der 62-Jährige klar und fügte an: „Ich kann dennoch nicht erkennen, dass wir alle in zehn Jahren Allah anbeten.“ Diese religiöse Vielfalt sei auch eine Möglichkeit für viele Christen, wieder vertiefter zu ihrem eigenen Glauben zu finden. „Natürlich muss man die Ängste der Bevölkerung ernst nehmen – aber hier geht es um erfolgreiche Integration.“ Nicht jeder Muslim sei ein Fundamentalist. „Erst, wenn die Menschen hierherkommen und keine Zukunft haben, besteht die Gefahr, dass sie Salafisten in die Hände fallen.“

… Flüchtlinge

„Diese Aufgabe, diese Hilfestellung wurde uns vom lieben Gott auf die Tagesordnung gesetzt“, betont Marx, als er über die Masse an Flüchtlingen spricht. „Hier dürfen wir nicht fragen: ‚Was wird aus mir?‘ Sondern der christliche Ansatz ist doch zu fragen: ‚Was wird aus ihm – aus dem, der in Not ist‘?“ Dies sei von der Glaubenszugehörigkeit völlig unabhängig. Natürlich müsse man Zuflucht gewähren – und auch Verantwortung übernehmen. „Ich bemerke auch nicht, dass die Helfer beispielsweise in unseren Pfarreien müde sind, den Flüchtlingen beizustehen. Sie sehen genau den Sinn ihrer Arbeit. Auch wenn nicht immer alles reibungslos läuft, wird hier doch Immenses geleistet.“ Dennoch müsse auch über eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen nachgedacht werden. Es dürfe nicht sein, dass sich manche osteuropäischen Länder bei dem Problem abschotten.

… Kirche

„Die Kirche braucht den Dialog. Es gibt keine Diktatur bei uns und das ist auch gut so“, erklärt Marx. „Auch wenn der Papst natürlich letztendlich die Entscheidung trifft.“ Schnell wird deutlich, dass der Pontifex mit seiner offenen Art den Münchner begeistert: „Dieser Papst ist ein Segen. Er reist viel, ist wissenshungrig, stellt sich den Problemen – das ist jedes Mal eine Inspiration“, schwärmt der Geistliche. Zu den Ergebnissen der Bischofssynode über Familie und Sexualität rechnet Marx mit einer baldigen Entscheidung von Papst Franziskus. „Ich erwarte ein postsynodales Schreiben.“ Er ließ aber offen, ob Franziskus dabei auf Hoffnungen in deutschen Diözesen eingehen wird, geschiedene Katholiken wieder zur Kommunion zuzulassen. Die Synode im Oktober im Rom hatte eine Einzelfallprüfung angeregt, ohne konkrete Schritte vorzuschlagen.

... Bistum

„Wir wollen unsere Finanzstrukturen transparenter machen“, versprach der Kardinal bei dem Gespräch zudem. „Das ist manchmal nur gar nicht so einfach.“ Müsse man doch bestimmte Details oder Besitzstände genau analysieren und dann auflisten. Daran arbeite man aber. „Auf der anderen Seite werden wir natürlich auch vermehrt Geld in unser Bistum investieren. Auch als Signal für alle unsere Gläubigen. So wird es eine ganz neue Kirche in Poing geben und auch in Holzkirchen.“ Des Weiteren werden Teile des Dombergs in Freising im großen Stile saniert, was eine Stange Geld kosten wird. Bei dem Gespräch betonte Kardinal Marx mehrmals, dass sich die Katholiken nicht vernachlässigt fühlen müssen. „Trotz all der Probleme, die derzeit uns alle im Land beschäftigen und auch beherrschen, werden wir unsere Gläubigen natürlich keinesfalls vergessen.“

Armin Geier

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