13 Mio. Leit sprechan unsa Sproch

Karte: Wia ma wo Bairisch redt

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Minga - Die Sprachgrenz ged heid von Österreich bis nauf ins Allgäu und teils nei bis Mittelfranken. Und narrisch is: Überoi werd a bisserl anders gredt! Mia ham den Sprachatlas zum O'klickn .

Dieser Text stammt aus der tz-Ausgabe vom Freitag, 21.02.2014, die komplett auf Bairisch erscheint. Die Erklärung dazu lesen Sie hier, mehr Texte finden Sie auf dieser Übersichtsseite.

Wissn Sie, wos a Bayer is? Oiso wos des hoaßt? Des Wort kimmt ausm Keltisch-Germanischen und bedeit baio-warioz – übersetzt: „Leid, de aus Böhmen san“. Do hod si unser Sproch zerst entwicklt, sogn die Wissenschaftla. Eh klar, dass Boarisch scho lang ned blos im Gebiet rund um an Boarischn Woid gredt werd. Die Sprachgrenz ged heid von Österreich bis nauf ins Allgäu und teils nei bis Mittelfranken. Und narrisch is: Überoi werd a bisserl anders gredt!

Do kimmt ma zum Sprachatlas zum O'klickn 

De Gstudiertn unterscheidn drei bayerische Sprachfleckerl: Nordbairisch (die Gegend um Nürnberg und Rengschburg), Mittelbairisch (vo Passau bis Augsburg num) und Südbairisch (vo Garmisch bis Klagenfurt owi). Sauba: Mit guad 13 Millionen Sprechern is des Bairische des greßte zamhängade Dialektgebiet in Mittl-Europa. Dazu kimmt: A jede Stod, a jeds Dorf sogt, daß bloß bei eahna des richtige Bairisch gredt werd. Komplizerta gehds ned! Wia fui bairische Varianten es bloß vo am oanzign Wort gibt, zoagt des Beispui „Mädl“. Deandl, Diandl sogt ma in Niederbayern, in Minga sogt ma Maadl, in Ansbach Maadla, und bei Weidn Moidl (siegt ma auf dera Kartn links). Der Augschburger Forscher Werner König hod extra an Atlas entwickelt, wo ma eben genau nochschaung ko, wer wo wia wos sogt. „Des Bayerische is narrisch vuiseitig“, sogt da König. Oft werd scho vo oana Stod zur nächstn a Wort ganz anders ausgsprocha.

Hier gibt es die tz auf Bairisch als Einzelausgabe digital

Aba a bor Sachan gibts, de san im Oid-Boarischn oiwe gleich: So meng die Leid im Donau-Isar-Land koane hartn P, T und K. Die wern (wenns gehd), ersetzt durch a weichs B, a D oder a G. So sogt da Bayer Bech und ned Pech, Dog und ned Tog. Und am eahm duad s Gnia und ned s Knie. Logisch, dass do aa Ausnahmen gibt: Ma sogt Kuah (oda Kouh) und Kotz, Koda. De Regeln lernd a jeder Bua und jeds Madl automatisch.

Genauso wia jede Bayer des Imperfekt ois Zeitform voi aus seina Sproch streichd. „Bin i amoi in Woid ausseganga“ hoaßts , ned: „I ging moi in Woid ausse“. Oder: „Sie hod schee gsunga.“ Nia: „Sie sang schee.“

Wos mia Bayern a gern dean – schlucka: Ja, a Bier – aba Buachstabm a. So gibts bei unsre Verbn nia a en-End – oiwe bloß -n oder -a:. Aus tanzen werd danzn, aus heben - hebn, hem, aus werfen - werfa. So redt‘s sichs einfach bequemer. Kurz meng mas! Lang schmatzn? Na!

Is jetz des Bairische a Dialekt oder a eigene Sproch? Da Professor Dr. Robert Hinderling aus Bayreuth hat dazua grodaus gsogt (mir hams ins Bairische übersetzt): „Des Bairische hat so vui grammatische Bsonderheitn und unterscheidt se so stark vom Schriftdeitschn, daß ma locka von a eigna Sproch redn ko.“ Ah, no wos: Wer Bairisch redt, is fei koa Dimpfe. Forscha aus Würzburg hom bewiesn, daß Leid, de Bairisch beherrschn, oft recht gscheid san. Hed ma ned anders erwart‘. Wer hod scho so scheene Sätz wia „Der is aba gescheid bled“. Gscheid bled – griabig! Oder: „Du bist aa vom Boa weg deppad“. Des is do a Sprach, oda?

Da Geier Armin 

Sechs Wörter – sechsmoi anders

a) Beule b) Wäscheklammer c) geschneit d) euch e) Schluckauf f) Holz spalten

1. Mittel-Oberfranken

a) Hübel

b) Zwicker, Zwickerle

c) gschnait

d) aich

e) Hetsche/Hätscher

f) klieben

2. Unterfranken

a) Bölla

b) Zwigge/Wöschklamerl

c) gschnait

d) oich

e) Schlucker

f) spalten

3. Oberpfalz

a) Bauggn

b) Glupperle

c) gschnaint/gschnept

d) ennk

e) Schnagglin

f) gleim

4. Niederbayern

a) Binggl

b) Klupperl

c) gschniim/gschnaipt

d) enk

e) Schnaggl/Schnaagla

f) gloim

5. Schwaben/Allgäu

a) Biile/Knüpfel

b) Klupper/Glufen

c) gschniiwe/gschnitt

d) ui/uib

e) Häscher/Hescher

f) gliabe

6. Oberbayern

a) Binggl/Bünkel

b) Klupperl

c) gschnait/gschniim

d) eng/enk

e) Schnaggla

f) gliam

Quelle: Sprechender Sprachatlas von Bayern

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