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Paukenschlag bei Karwendelbahn: Betriebsleiterin reicht Kündigung ein

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Die Karwendelbahn darf sich wieder auf die Suche nach einem Technikchef begeben. Diesen Posten bekleidet – noch – Birgit Bohne. Wenn Ende des Monats die Frühjahrsrevision abgeschlossen ist, kehrt sie zurück in ihre Heimat Österreich. Über die Gründe ihres Rückzugs schweigt sie.

Mittenwald – Birgit Bohne mag nicht mehr. Die Revision erledige sie noch, meint sie gegenüber dem Tagblatt. Dann wolle sie ganz schnell heim nach Österreich. Über die Gründe ihrer Kündigung schweigt sich die Betriebsleiterin der Mittenwalder Karwendelbahn aus. Fakt ist: Am 27. April sollen die obligatorischen Wartungsarbeiten bei der Bahn abgeschlossen sein. Der Start in die Sommersaison erfolgt dann voraussichtlich ohne Technikchef. Mit Franz Reiter und Stefan van den Heuvel stehen lediglich zwei stellvertretende Betriebsleiter parat.

Kein Dauerzustand. Das wissen sicherlich auch die Verantwortlichen bei der Karwendelbahn. Doch eine Stellungnahme gegenüber dem Tagblatt bleiben Vorstand Patrick Kenntner und Aufsichtsratschef Wolfgang W. Reich von der Konsortium AG, die mit Abstand größte Aktionärin der Bahn ist und seit Jahren im Zwist mit der Marktgemeinde liegt, einmal mehr schuldig.

Der Umstand, dass die Karwendelbahn einen Technikchef verschlissen hat, ist nicht neu. In der zurückliegenden Dekade kamen und gingen gleich fünf Betriebsleiter – Stefan Meider, Norbert Höhne, Birgit Bohne, die bereits 2009/2010 ein Gastspiel gab, Hans Gehrz und jetzt wieder Bohne. Kein Wunder, dass der Posten in der Seilbahn-Branche inzwischen Schleudersitz-Charakter genießt.

Auch der Mittenwalder Bürgermeister, der als Vertreter der Marktgemeinde (zweitgrößter Aktionär) lange genug im Aufsichtsrat saß, kennt das sich munter drehende Personalkarussell aus dem Effeff. „Das lässt tief blicken“, meint Adolf Hornsteiner (CSU). Für ihn ist sonnenklar, dass „da hinter den Kulissen gewaltig was nicht stimmen kann“. Nur was – das bleibt die spannende Frage. Auf alle Fälle scheint bei Birgit Bohne, die sich nach ihrer Rückkehr im Sommer 2016 mit großem Engagement einbrachte, ein Stimmungswandel eingetreten zu sein.

Mittlerweile sucht die Karwendelbahn ganz offiziell einen Nachfolger für die Österreicherin und sogar noch einen stellvertretenden Betriebsleiter. Die jüngste Personalie scheint das Unternehmen der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) noch nicht gemeldet zu haben, obwohl das laut Artikel 32 des Bayerischen Eisenbahn- und Seilbahngesetzes „unverzüglich“ erfolgen sollte. „Zwar hat die Geschäftsführung der Karwendelbahn die Regierung von Oberbayern bisher nicht über Personalveränderungen informiert“, teilt hierzu Dr. Martin Nell, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, mit. „Die derzeitige Betriebsleiterin hat die TAB allerdings selbst darüber informiert, dass sie die Karwendelbahn voraussichtlich zum 30. April 2018 verlassen wird.“ Da die Karwendelbahn mit Reiter und van den Heufel zwei Stellvertreter vorweist, ist laut Nell „die Betriebssicherheit auch für diesen Fall gegeben“.

Trotzdem läuft die Zeit gegen die Karwendelbahn. „Nach dem Ausscheiden der Betriebsleiterin entspricht es der generell üblichen Praxis, dass die TAB dem Seilbahn-Unternehmer eine Übergangszeit von bis zu neun Monaten einräumt, um einen neuen Betriebsleiter zu finden“, verdeutlicht Nell. Also spätestens am 1. Februar 2019 muss ein Seilbahn-Experte präsentiert werden. Es wäre der Sechste in zehn Jahren.

Christof Schnürer

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