Gliedmaße in Not-OP entfernt

"Bild des Grauens": Kater tappt in diese Falle

Brutal In diese Falle ist der dreijährige Kater getappt – und hat seinen Hinterlauf verloren. Foto: FKN

Hohenfurch - Schrecklich, was ein Hohenfurcher einem Kater angetan hat: Das Tier tappte in eine von dem Mann im Garten aufgestellte Tellerfalle und verletzte sich schwer. Der Anschlag hatte aber gar nicht der Katze gegolten.

Dr. Dominik Nienhaus ist noch Stunden danach total aufgebracht. „Ich habe erst zweimal in meiner Zeit als Arzt jemanden angezeigt, aber diesmal war es für mich sofort klar. Da ist jemand mit unvorstellbarer Grausamkeit vorgegangen“, ist der Peitinger Tierarzt empört. Den Verursacher, einen Hohenfurcher, meldete er deshalb auch bei der Polizei.

Gegenüber unserer Zeitung schildert Nienhaus den Fall, der nicht nur den knapp drei Jahre alten „Charly“ traumatisiert, sondern eine ganze Familie erschüttert hat. „Francesco Adamo aus Hohenfurch hat mich am Donnerstag in der Mittagspause angerufen und mich gebeten, in die Praxis zu kommen, weil er mit seiner schwer verletzten Katze dringend Hilfe braucht.“ Als Nienhaus dort eintraf, erwartete ihn „ein Bild des Grauens“. Der Hinterlauf des Tieres war abgetrennt, die Gliedmaßen hingen nur noch in Fetzen an ein paar Sehnen und etwas Haut. Als er Adamo fragte, wie es zu der Verletzung gekommen sei, habe ihm dieser unter Tränen den Vorfall geschildert. Er habe gerade einem Nachbarn geholfen, Holz in seinen Garten zu tragen, als er eine Katze jämmerlich maunzen hörte. Schnell habe er registriert, dass es sich da wohl um seinen Kater handelte, den er bereits den ganzen Vormittag vermisst hatte.

Kurz entschlossen sei er in das angrenzende Grundstück geklettert. Dort fand er seine Katze, gefangen in einer riesigen Falle, die zugeschnappt war. Nachdem es ihm gelungen war, Charly zu befreien, stellte er fest, dass der Hinterlauf seines Tieres komplett durchtrennt worden war.

Dominik Nienhaus blieb nur die Möglichkeit, dem Tier bei einer Notoperation die Gliedmaße zu entfernen. „Für mich ist dieser Fall absolut anzeigebedürftig, weil es sich nicht nur um unsagbar brutale Tierquälerei handelt, da die Tiere daran für gewöhnlich qualvoll verenden, sondern auch um eine kriminelle Straftat, die geahndet werden muss.“ Man stelle sich nur vor, ein Kind wäre in die Falle getreten, „der Fuß wäre genauso ab gewesen“. Adamo hat die Falle, nachdem er sie fotografiert hatte, sofort entsorgt.

Geschockt zeigte sich auch Hohenfurchs Bürgermeister Guntram Vogelsgesang. „Mir fehlen die Worte“, meinte der Gemeindechef: „Es ist unfassbar, dass so etwas bei uns passiert ist. Mitten in einem Dorf solche Fallen aufzustellen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, das überhaupt nicht nachvollziehbar ist.“ Er hat erfahren, dass mit solchen Fallen, „Marder erlegt werden sollten. Aber auch das ist absolut untragbar und mit einer solchen Maßnahme inakzeptabel.“

Aber genau das sei laut Polizei das Vorhaben des Fallenaufstellers gewesen sein. „Er hatte aber nicht daran gedacht, dass auch andere Tiere dadurch verletzt oder getötet werden könnten“, heißt es im Bericht der Beamten.

Vogelsgesang hat der betroffenen Familie einen Besuch abgestattet und sich selbst einen Eindruck von der Grausamkeit gemacht, mit der der Täter, der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt, vorgegangen ist. Und er hat auch gleich im EU-Gesetzbuch geblättert, demzufolge solche Fallen seit 1995 europaweit verboten sind.

Für Adamo, seine Frau Gisela und den Sohn Alexander (11) ist das aber ein schwacher Trost. Sie bangen mit ihrem lieben kleinen Kerl, den sie als lebenslustigen und intelligenten Kater beschreiben. Vor allem bei Alexander hat der Vorfall einen Schock hinterlassen. Der Junge versteht nicht, wie grausam Menschen gegenüber Tieren sein können.

Schlimm auch: Mutter und Sohn hatten in den Faschingsferien für vergangenen Freitag eine Kurzreise ins Zillertal gebucht, leider ohne Reiserücktrittsversicherung. Lust dazu hatten sie jetzt nicht mehr, fuhren aber trotzdem - damit sie nicht verfällt. Für Charly war in dieser Zeit aber gesorgt, weil die 31-jährige Tochter eigens am Wochenende aus Penzberg gekommen war, um das Tier zu versorgen und bei ihm zu sein. Herrchen Francesco kann dies nämlich nicht rund um die Uhr tun, weil er eine Pizzeria in Murnau betreibt.

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