Kaum Schnee, Plus-Grade

Wetter spielt verrückt: Der Warm-Winter

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Tegernsee, gestern am frühen Nachmittag - Wintergefühle kommen hier nicht auf

München - Das Wetter spielt heuer mal wieder verrückt. Der Warm-Winter hat Bayern fest im Griff. Die tz sprach mit Diplom-Meterologe Dominik Jung von wetter.net:

Ja, ist denn wirklich scho’ Winter? Das fragen sich derzeit wohl die meisten Bayern. Satte sieben Grad zeigte das Thermometer am Donnerstag beispielsweise am Tegernsee. Und Schnee? Von dem fehlt jede Spur – zumindest in den Tälern. Für Skifahrer ein Graus. Und es bleibt auch so: Die Meteorologen versichern, dass es auch in den nächsten Tagen mild und lau bleibt – teils bei über 10 Grad.

Der Warm-Winter – er hat Bayern fest im Griff. Verantwortlich dafür sind milde Atlantik-Tiefs aus dem Westen (siehe unten). Und genau die nerven Wirtin Katharina Lindlbauer so richtig. Tage wie am Donnerstag sind die schlimmsten. Denn wenn es warm und bewölkt ist, kommt manchmal kein einziger Gast zu ihrer Quenger-Alm am Brauneck. Die Hütte liegt im hinteren Teil des Skigebiets. Dem Abschnitt, in dem der Lift diese Saison noch gar nicht gelaufen ist. Zu wenig Schnee. „Zu Fuß sind es 20 Minuten zur Hütte“, sagt Katharina Lindlbauer. An Sonnentagen nehmen wenigstens ein paar Spaziergänger den Weg auf sich – aber allein während der Weihnachtsferien gab es viele Tage, an denen sie und ihr Koch den ganzen Tag niemanden bewirten konnten. „Noch nie hatte ich so wenig Gäste!“

Auf Schnee warten hier alle: In der Skischule in Ostin beispielsweise lernen die Kinder ihre ersten Schwünge derzeit auf einem Fleckerl Kunstschnee aus den Kanonen. „Wir bräuchten auch dringend etwas kühleres Wetter – mit Niederschlägen“, sagt ein Lehrer. „Zurzeit gehen hier viele Touristen nur Wandern, weil das Wetter wie im Frühling ist.“

Auch lästig: Wegen der warmen Winde entstehen derzeit zudem viele Stürme über dem Freistaat. So gab es am Donnerstag für die Region um Günzburg eine Unwetterwarnung. Auch am Freitagabend müssen sich Teile Schwabens und Franken auf heftige Böen einstellen.

Immerhin: Die Liftbetreiber in Zugspitzgebiet und im Skigebiet Garmisch Classic reagieren gelassen auf die unwinterlichen Temperaturen. In beiden Gebieten sind bis auf jeweils einen Lift alle Anlagen im Betrieb, auch alle Talabfahrten sind befahrbar. „Allerdings müssen die Pistenpräparierer in diesem Jahr Vollgas geben“, sagt Sprecherin Verena Lothes. Schon in den vergangenen Wochen haben die Pistenraupen ein Schneedepot angehäuft, dass sie nun verteilen, um die Pisten befahrbar zu halten.

tz-Interview mit Dominik Jung, Diplommeterologe bei wetter.net

Kein Schnee in Sicht, viel zu milde Temperaturen und Frühlingsgefühle im Januar – warum spielt das Wetter so verrückt? Die tz  sprach mit Wetterexperte Dominik Jung von www.wetter.net.

Warum ist der Winter derzeit so warm?

Dominik Jung

Dominik Jung: Unser Wetter kommt derzeit vom Atlantik. Dort bilden sich Tiefs, die Richtung Europa ziehen. Und nun schickt ein Tief nach dem anderen milde Luft, manchmal auch mit Regen und Wind, zu uns und hält die Russenkälte aus dem Osten ab. Solange das so bleibt, hat der Winter bei uns erstmal keine Chance.

Warum kommen diese Tiefs vom Atlantik zu uns und halten das milde Wetter so stabil?

Jung: Das liegt an der Großwetterlage über Europa. Diese ist derzeit auf Westwindwetterlage eingefahren. So lange sich nichts dieser Zugbahn der Tiefs in den Weg stellt, wird das Wetter erst einmal so weitergehen. Aber in der Regel stellt sich jede Wetterlage irgendwann auch mal wieder um. Das heißt: Irgendwann kommt der Winter – nur wann, weiß keiner.

Das heißt: Es bleibt jetzt erstmal so warm?

Jung: Bis mindestens Monatsmitte ist keine große Änderung in Sicht. Was danach passiert, kann man derzeit noch nicht sagen. Erste Trends deuten darauf hin, dass der gesamte Januar zu mild ausfallen könnte.

Hat dies denn auch etwas mit der Klimaerwärmung zu tun?

Jung: Nein. Aus ein oder zwei Monaten kann man keine Aussagen zum Klima ablesen. Insgesamt gesehen war das Jahr 2013 sogar das zweitkälteste Jahr der vergangenen zehn Jahre in Deutschland. Und sogar das viertkälteste der letzten 25 Jahre.

Trotzdem hat man den Eindruck, die Jahreszeiten verschieben sich: Dezember zu mild, April zu kalt.

Jung: Das kommt den Menschen vielleicht so vor. Das Wetter lässt sich eben nicht auf den Kalender planen. Es gibt eben mal zu warme Winter, dafür dann kalte Frühjahre. Und im nächsten Jahr ist wieder alles anders.

tz

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