Ihre Mutter ist fassungslos

Gockel hackt Vroni ins Gesicht - Kein Schmerzensgeld

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Der Gockel hackte in Vronis Gesicht tiefe Wunden: Am schlimmsten ist die Verletzung, die schräg über die Backe des Mädchens läuft

Rohrdorf - Die kleine Vroni wurde das Opfer eines Gockels. Das Tier attackierte das damals 16 Monate alte Mädchen und hackte ihr ins Gesicht. Schmerzensgeld bekommt die Familie nicht.

Die arme Vroni! Im April 2013 wurde die Kleine Opfer eines wildgewordenen Gockels – der attackierte das damals 16 Monate alte Mädchen am Hof der Rohrdorfer Montessori-Schule. Dabei hackte der Vogel dem Mädchen immer wieder mit dem Schnabel ins Gesicht und auf den Kopf, die Tochter von Sabine W. trug schwere Verletzungen davon. Doch Schmerzensgeld, das bekommt die Vroni nicht, wie das Portal rosenheim24.de berichtet.

Dabei schien nach dem Angriff eigentlich alles klar zu sein: Der Bayerische Versicherungsverbund erkannte den Schaden an und überwies ein Schmerzensgeld von 2000 Euro. Nach Rücksprache mit einem Anwalt und einem Berater des Versicherungsverbunds verhandelte die Familie noch einmal nach – beide hatten den Eltern dazu geraten, weil die Summe zu niedrig sei.

Schließlich macht der Angriff eine kosmetische Behandlung der Narben notwendig. Ergebnis: Die Summe wurde auf rund 5000 Euro aufgestockt. Dieses Geld legten die Eltern für eine spätere Behandlung der Tochter an. „Nach dem Angriff bin ich vier Wochen lang mit Vroni von Arzt zu Arzt gefahren, um das Schlimmste zu verhindern. Aber die große Narbe auf der Wange kann erst korrigiert werden, wenn sie ausgewachsen ist. Mit der muss sie jetzt durch ihre ganze Kindheit“, sagt Mutter Sabine W. „Da fragt sie eh jeder immer, was da passiert ist. Sie sagt dann: ,Das war der böse Gockel!‘“ Die Narbe müsse später definitiv entfernt werden.

Dann kam es anders: Ein Dreivierteljahr nach dem Vorfall fand die Gerichtsverhandlung gegen den Tierhalter in Rosenheim statt. Der angeklagte Bauer, der sich in unmittelbarer Nähe zur Schule befindet und dessen Tiere auf dem angrenzenden Grundstück frei herumliefen, hatte sein nach dem Unfall abgegebenes Schuldeingeständnis zurückgezogen. Und weil nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnte, dass der Hahn ihm gehört, wurde er freigesprochen.

Zwar wurden etliche Zeugen gehört, aber nach so langer Zeit konnte keiner den Hahn zweifelsfrei identifizieren. Das wäre nur möglich gewesen, wenn jemand den Vorfall gefilmt hätte oder man Blutspuren an dem Hahn mit dem Blut der kleinen Vroni verglichen hätte. Aber Blutproben hat damals natürlich niemand genommen. Und weil die Schuld nicht mehr feststeht, will der Bayerische Versicherungsverbund jetzt das Geld wieder haben.

Vronis Mutter Sabine: „Wir müssen das Geld inklusive Zinsen innerhalb von drei Wochen zurückzahlen.“ Sie ist überzeugt, dass der Gockel dem Bauern gehört hat. „Da waren nur seine Tiere auf dem Grundstück. Nach dem Vorfall hat er einen Zaun errichtet, und die Hühner durften nicht mehr frei laufen. Es gab zuvor Gespräche zwischen der Schulleitung und dem Bauern.“

Vroni hat nun die Schmerzen und den Schaden, aber keinen Ausgleich – „dabei kann sie gar nichts dafür“, sagt ihre Mutter. Besonders enttäuscht ist sie vom Verhalten des Bauern. Der Gockelhalter hat sich bis heute nicht entschuldigt. Für die Zukunft hat sich Mutter Sabine jedenfalls einen Plan zurechtgelegt: „Sollte jemals wieder ein Tier eines meiner Kinder angreifen, steck’ ich das sofort in einen Sack, damit zweifelsfrei feststeht, welches Tier das war.“

RA

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