Seine Witwe berichtet

Kenia: Räuber erschießen Berchtesgadener Pensionär

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Maja und Lenz R. waren 36 Jahre lang zusammen. Am Strand von Kenia lebten sie wie im Paradies.

Watamu - Lenz R. lebte über 30 Jahre lang in seinem Paradies – Kenia. Bei einem versuchten Einbruch vor sechs Tagen wurde der 73-Jährige erschossen. Seine Witwe berichtet:

Vor sechs Tagen erst verlor Maja R. ihren geliebten Ehemann Lenz, mit dem sie 31 Jahre lang verheiratet war, bei einem Einbruchsversuch in Kenia. Doch der 52-jährigen Frau ist nach den Stunden der Trauer besonders eines wichtig: „Das, was uns passiert ist, kann überall passieren, in der Schweiz, in Bayern, das hat nichts mit dem Land Kenia zu tun …“

Lenz ist etwas misstrauisch, als einer der Angestellten vor der Tür steht

An Sonntagabend sitzen sie und ihr Mann Lenz (73) vor dem Fernseher. Der gebürtige Berchtesgadener hat sich vor Jahrzehnten in das Land verliebt, zunächst arbeitet der begeisterte Taucher noch als Klima- und Kältetechniker, dann aber schon als Tauchlehrer, später erfüllt er sich seinen Lebenstraum und gründet die eigene Tauchbasis. Über 30 Jahre lang ist er im Geschäft, setzt sich schließlich zu Ruhe, macht aber mit einer Vermietung im Ort Watamu weiter. Er kennt das Land und seine Leute.

Lenz ist etwas misstrauisch, als an jenem Schicksalstag einer der Angestellten vor der Tür steht. Seine Frau Maja R.: „Ein anderer Mitarbeiter sei plötzlich schwer erkrankt, sagte dieser.“ Doch zu diesem Satz wird der Mann von einem bewaffneten Räuber gezwungen.

Dem Berchtesgadener wurde ins Gesicht geschossen

Die Eheleute besitzen beide einen Waffenschein. „Mein Mann wollte halt vorsichtig sein“, sagt Maja. Deswegen steckt Lenz R. auch seine 9-Millimeter-Pistole in die Gesäßtasche. Er sperrt die Tür auf, die wird mit Gewalt sofort nach innen gedrückt, Lenz stemmt sich aber mit aller Kraft dagegen. „Ich selbst lief gleichzeitig ins Schlafzimmer nebenan, um meine Waffe zu holen, doch da hörte ich schon Schüsse.“ Wieder im Wohnzimmer sieht sie ihren Ehemann in einer Blutlache. „Ihm wurde ins Gesicht geschossen.“ Der Räuber ist jetzt draußen, Maja schießt zweimal mit einer Pistole vom Kaliber 38 in seine Richtung, sie hört die Wörter „Hatari, Hatari“, was auf Suaheli Gefahr bedeutet. „Ich schoss nicht mehr weiter, weil ich auch Munition sparen wollte.“ Aber die Unbekannten sind weg.

Sie kümmert sich um ihren Mann, der mit einer Kleinkaliber-Waffe im Auge getroffen wurde, Maja versucht die Blutung zu stoppen, aber es gelingt kaum. „Ich wusste, ich brauche sofort einen Neurochirurg.“ Nachbarn sind inzwischen da, um zu helfen, aber ein angeforderter Rettungsflieger, der den Schwerverletzten schnell wegbringen könnte, kann nicht landen. Es fehlt an Personal für die Befeuerung der Landebahn. „Mir wurde deswegen geraten, meinen Mann mit der Ambulanz nach Mombasa zu bringen, eine Strecke von 120 Kilometern.“

Eine halbe Stunde vor Mombasa stirbt Lenz an seinen schweren Verletzungen

Lenz ist schon bewusstlos, im Transporter bekommt Maja das Gefühl, „dass es dem Ende entgegengeht“. Und so ist es auch, eine halbe Stunde vor Mombasa stirbt Lenz und mit ihm Majas große Liebe. Das Opfer ist bereits eingeäschert.

Seine Witwe hegt keinen Groll, sie bleibt im Land, das sie und ihr Mann so ins Herz geschlossen haben. Maja R.: „Auch wenn die eine Hälfte von mir jetzt fehlt.“

Markus Christandl

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