1. tz
  2. Bayern

Neue Zahlen: In Bayern laufen der Kirche die Schäfchen davon

Erstellt:

Von: Stéphanie Mercier

Kommentare

Viele Katholiken kehren der Kirche den Rücken zu. Über die Gründe müssen die Austretenden keine Rechenschaft ablegen
Viele Katholiken kehren der Kirche den Rücken zu. Über die Gründe müssen die Austretenden keine Rechenschaft ablegen. © Dagmar Rutt

Im vergangenen Jahr 2018 haben im Freistaat Bayern wieder zahlreiche Menschen der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Doch nicht überall ist die Zahl gegenüber 2017 gestiegen.

Sexueller Missbrauch oder der Finanzskandal im Bistum Eichstätt – die Kirche fällt zur Zeit nicht gerade mit positiven Schlagzeilen auf. Das scheint sich – zumindest mutmaßlich – auf die Zahlen der Kirchenaustritte auszuwirken: Ein Viertel mehr Katholiken und Protestanten sollen im vergangenen Jahr der Kirche den Rücken gekehrt haben als noch im Jahr 2017. Das fand der Bayerische Rundfunk in einer Studie heraus – sie basiert auf Zahlen aus 57 bayerischen Städten mit mindestens 20.000 Einwohnern.

In München sagten sich im vergangenen Jahr demnach 13.879 Menschen von der Kirche los – 16 Prozent mehr als im Vorjahr und etwa zwei Prozent allerer Christen der Stadt. Das katholische Erzbistum München will sich erst einmal nicht äußern. Eine Sprecherin: „Unsere Zahlen kommen erst im Sommer. Wir wollen auf die belastbaren Informationen warten, bevor wir Stellung beziehen.“

Die Welle rollt durch München – anderswo ist sie allerdings noch heftiger. Auffällig sind etwa Bad Kissingen (153 Austritte, Steigerung um 74 Prozent), Forchheim (239 Austritte, 67 Prozent) oder auch Passau (471 Austritte, 52 Prozent mehr).

Kirchenaustritte in Bayern: In einer Stadt ist der Trend rückläufig

Orte mit eher gemäßigter Steigerung sind beispielsweise Bamberg (584 Austritte, 12 Prozent) und Bayreuth (558 Austritte, 8 Prozent). In nur einer der befragten Städte – nämlich in Weiden (Oberpfalz) – sind 2018 weniger Menschen ausgetreten als 2017. Mit 223 Austritten waren es dem BR zufolge sogar 18 Prozent weniger.

null
© tz/mm

Inwiefern die Austritte mit den Skandalen der Kirche zusammenhängen, lässt sich nur mutmaßen, denn die Austretenden müssen keinen Grund für ihre Entscheidung angeben. Doch hört man sich in München um, merkt man schnell, dass die meisten nicht nur austreten, um die Kirchensteuer zu sparen.

Der Vatikan arbeitet derzeit immerhin in Sachen Missbrauchs-Skandal an Schadensbegrenzung. Ab Donnerstag trifft sich Papst Franziskus in Rom mit den Vorsitzenden der 113 katholischen Bischofskonferenzen und anderen Teilnehmen, um bei einem viertägigen Gipfel über das Thema zu diskutieren. 

Lesen Sie auch: Kurioser Vorschlag - Aktivisten bieten Papst Franziskus 1 Million Dollar wenn er Veganer wird

S. Mercier

Auch interessant

Kommentare