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Umweltminister alarmiert: Die Zugspitze taut immer schneller auf

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Von: Johannes Welte

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Das Gipfelkreuz auf der Zugspitze
Noch ist der Zugspitzgipfel im Inneren gefroren, doch das könnte sich schnell ändern © Sven Hoppe

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) schlägt Alarm: Die Zugspitze taut immer schneller auf! Ging man 2017 noch davon aus, dass der Dauerfrost im Inneren des Bergs bis 2080 verschwunden sein könnte, ist nach neuen Berechnungen das Ende des ewigen Eises schon 2040 möglich.

Während sich gerade auf dem Zugspitzgipfel der Schnee über einen Meter hoch türmt und die Temperaturen bei Dauerfrost nachts in den zweistelligen Bereich sinken, wird es tief im Berg immer wärmer: „Es dauert ungefähr sechs Monate, bis die sommerliche Erwärmung des Kalksteins im Innersten der Zugspitze ankommt“, erläutert Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt (LfU), wieso jetzt rund 30 Meter unter der Oberfläche des Gipfels „Sommer“ herrscht.

Im Januar erreicht die Temperaturkurve dort den Höhepunkt, jedes Jahr wird es ein bisschen wärmer: Kletterte die Temperatur im Januar 2010 auf minus 1,6 Grad, waren es heuer minus 1,2 Grad. „Das mag sich nicht dramatisch anhören, doch der Bereich des Gipfels, in dem Dauerfrost herrscht, wird immer kleiner“, warnt Eichhorn. Woher man das weiß? Geologen des LfU messen seit 2007 in Bohrlöchern mit 16 Temperaturfühlern die Gesteinstemperaturen in der Zugspitze.

Umweltminister Thorsten Glauber im Gespräch mit Professor Werner Rühm
 von der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (links, Freie Wähler) bei einem Informationsbesuch auf der Zugspitze. © Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

Derzeit ist der Eiskern des Bergs noch etwa 300 Meter dick. Doch bereits in 20 Jahren könnte er verschwunden sein. „Bayern verliert sein ewiges Eis. Der Klimawandel schreitet mit großen Schritten auch in unseren sensiblen Alpen voran“, warnt Umweltminister Glauber. „Setzt sich dieser Trend ungebremst fort, könnte die Null-Grad-Grenze und damit das Ende des Permafrosts in etwa 20 Jahren erreicht werden.“

Die Konsequenzen des Eisschwundes: „Mit dem Permafrost verschwinden auch die Gletscher, was Auswirkungen auf den Tourismus und auf den Wasserhaushalt hat, da die Gletscher im Sommer Schmelzwasser an die Flüsse und das Grundwasser abgeben“, so Eichhorn. Das Wasser von den Zugspitzgletschern fließt in die Loisach und dann weiter in die Isar. Der Pegel der Isar beeinflusst auch das Grundwasser. Sind die Gletscher weg, fehlt das Schmelzwasser im Sommer, die Pegel sinken - auch in München.

Außerdem werden die Berge brüchig: „Es gibt zwar keine akute Bergsturzgefahr in Bayern, aber Gemeinden und Skiliftbetreiber müssen das Schwinden des Dauerfrosts bedenken.“ Fundamentanker für Skililfte etwa müssten tiefer gebohrt werden. Das Schwinden des Ewigen Eises ist Eichhorn zufolge aber kein unabwendbares Schicksal: „Mit einer deutlichen Reduzierung der Treib­hausgase können wir den Permafrost im Hochgebirge etwa im heutigen Umfang erhalten.“

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