Umweltministerin warnt

Der Klimawandel: So trifft er Bayern

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München - Es wird immer wärmer, auch in Bayern. Deshalb warnt Umweltministerin Ulrike Scharf vor den Konsequenzen. Die tz beleuchtet mögliche Folgen des Klimawandels.

Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf.

Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) musste nur das Fenster aufmachen, um im Thema zu sein. „Wir haben den 7. Dezember, elf Grad hat es draußen. Gefühlt haben wir den Klimawandel schon länger, doch jetzt haben wir ihn wissenschaftlich belegt.“ Am Montag stellte sie mit Paul Becker, dem Vize-Präsidenten des Deutschen Wetterdienstes (DWD), und Claus Kumutat vom Landesamt für Umwelt (LfU) den Klimareport Bayern 2015 vor und zeichnete ein düsteres Bild: Der Temperaturanstieg ist alarmierend. Becker dazu: „Der Klimanwandel ist nicht mehr zu leugnen.“

Von 1881 an sei die Durchschnittstemperatur um 1,4 Grad gestiegen, was nicht groß daherkommt. Im historischen Vergleich sieht es aber so aus: Von der Eiszeit zur gegenwärtigen Warmzeit erwärmte sich die Erde um fünf Grad in 5000 Jahren. „Ein Grad pro 1000 Jahre“, sagte Becker. „Ein Grad haben wir nun in hundert Jahren geschafft“. Bis 2050 könnte es zwei Grad nach oben gehen, bis 2100 um vier. Becker: „Zwei Grad wären in Bayern beherrschbar, was dann passiert, dafür reicht meine Fantasie nicht aus.“ So trifft uns der Klimawandel.

Weniger Wintersport – Chancen im Sommer

Skifahren? Wird in Zukunft seltener möglich.

Der DWD beobachtete die Schneedeckenentwicklung von den Jahren 1951 bis 2011. Überall in den Bergen, ob Mittelgebirge oder Alpen, blieb in diesem Zeitraum der Schnee zwischen sieben und neun Tagen weniger lang liegen. Als Indikator für Schneesicherheit in den Wintersportgebieten geht man von einer Schneehöhe von 30 Zentimeterm aus, vom November bis zum April. Für zwei von neun Skigebiete gibt es belastbare Werte: Im Berchtesgadener Land wurde ein Rückgang der 30 Zentimetern Schneehöhe an 31 Tagen gemessen, in der Zugspitzregion an sieben Tagen.

Künftig wird es in den Wintersportgebieten mehr Risiken als Chancen geben. Große Wintersportevents seien laut der Studie durch die klimatischen Entwicklungen bedroht. Der Einsatz von Beschneiung sei dabei bis auf ausreichend hohe Gebiete „problematisch“. Allerdings gibt es im Klimawandel auch Chancen: Im Erholungs- und Wellnesssektor etwa, mit neuen Kundengruppen. Im Sommer könnte zudem das Urlaubsland Bayern attraktiver werden, nämlich für Touristen aus dem Mittelmeerraum, wo es zu heiß geworden ist. Insgesamt gehen die Forscher von einer Verlängerung der Sommersaison vom Frühjahr bis weit in den Herbst aus.

Einfluss auf Gesundheit: Kinder und Alte betroffen

Kitzingen in Unterfranken hat heuer den neuen Hitzerekord geschafft – 40,3 Grad. Eine Temperatur übrigens, für die die Meteorologen keinen Begriff haben. Ein Sommertag muss 25 Grad Celsius überschreiten, ein heißer Tag 30 Grad, danach kommt nichts mehr. Heiße Tage mit mehr als 30 Grad sollen deutlich zunehmen und bis 2050 auf 14 im Jahr steigen. Zwischen 1971 und 2000 waren es im Schnitt nur fünf.

Derart hohe Temperaturen sind für die Menschen, insbesondere für Kinder und Ältere, sehr belastend. Steigen die Außentemperaturen binnen eines Tages um mehr als fünf Grad, wachse die Herzinfarktgefahr für Menschen mit Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 60 Prozent. Dazu kommen Haut- und Augenerkrankungen durch UV-Strahlung. Allergikern mit Heuschnupfen oder Asthma macht der verlängerte Frühling mit längerem und intensiverem Pollenflug zu schaffen. Scharf: „Wir wollen deswegen in den nächsten Jahren ein leistungsfähiges Pollenflug-Monitoring aufbauen.“

Wirkung auf Gewässer und auf die Natur

Auch die Wasserversorgung steht vor Herausforderungen. Claus Kumutat vom LfU erwartet sogar „zeitweise Wassermangel in Nordbayern“. Das Wasseraustauschprogramm über den Brombach- und Rothsee, das dafür sorgt, dass Wasser aus dem Süden in den Norden gelangt, sei heuer an seine Grenze gelangt. Mit der Erwärmung sind zudem weitreichende Veränderungen bei Tier- und Pflanzenarten zu erwarten. Flüsse erwärmen sich schon jetzt in jeder Dekade um 0,5 Grad. Darum werden sich etwa die Bachforellen aus den Oberläufen der Flüsse zurückziehen. In der Landwirtschaft ergeben sich durch die Kohlendio

xid-Konzentration sogar Düngungseffekte und damit höhere Erträge. Dazu kommen längere Vegetationsperioden (in den vergangenen 50 Jahren sind diese um 26 Tage länger geworden). Gleichzeitig steigen aber die Risiken für den Ernteverlust wegen Dürre, Hagel- und Starkregen sowie Erosion.

Wie gegensteuern? So will Bayern reagieren

Weniger Kohlekraftwerke lautet eine Lösung der Ministerin.

Scharf will eine Energiepolitik weg von der Kohlekraft hin zu erneuerbaren Energien. Die Treibhaus-Emissionen in Bayern sollen bis 2050 pro Kopf auf zwei Tonnen gesenkt werden. Stand heute: neun Tonnen.

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