Knobloch ruft zu Kampf gegen Antisemitismus auf

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Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, spricht am Mittwoch in München im bayerischen Landtag zum Holocaust-Gedenktag.

München - Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat im Bayerischen Landtag zum entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit aufgerufen.

“Wir müssen den Verfassungsfeinden gegenüber härter auftreten und alle rechtlichen Möglichkeiten ausnutzen“, sagte Knobloch am Mittwochabend in einer Gedenkstunde zur Befreiung des NS- Vernichtungslagers Auschwitz vor 65 Jahren. “Der heutige Tag erinnert uns daran, dass es mit Blick auf das Ausmaß des Verbrechens unsere Pflicht ist, Antidemokraten kein Forum zu geben.“

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Knobloch nannte es unbegreiflich, dass man in Deutschland immer noch nicht in der Lage sei, “der braunen Horden wirklich Herr zu werden. Denn im Ernst kann doch niemand behaupten wollen, dass es um unsere Rechtsordnung so fabelhaft bestellt ist, wenn Neonazis mit ihrem antisemitischen und fremdenfeindlichen Grölen lauthals durch unsere Städte stiefeln dürfen“, sagte sie. “Dieser Kannibalisierung demokratischer Rechte muss endlich ein Ende gesetzt werden.“

Die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

Sie haben sich dem Zugriff der Justiz entzogen. Auf der Liste der meistgesuchten Nazi- Kriegsverbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem stehen folgende Namen: © dpa
ALOIS BRUNNER (Jahrgang 1912) in Syrien: Der wichtigste bislang strafrechtlich nicht verfolgte Nazi-Kriegsverbrecher ist möglicherweise nicht mehr am Leben. © dpa
Der ehemalige SS-Hauptsturmführer soll als “Ingenieur der Endlösung“ für den Tod von etwa 130 000 Juden aus mehreren Ländern verantwortlich sein. © dpa
Brunner wurde das letzte Mal im Jahr 2001 in Damaskus (Syrien) gesehen. © dpa
ARIBERT HEIM (1914) in Ägypten: Der als “Dr. Tod“ berüchtigte frühere KZ-Arzt soll 1992 mit 78 Jahren in Kairo gestorben sein. Als Beleg gilt ein Auszug aus dem Sterberegister. © dpa
Aufgrund einer beim Bundesfinanzhof anhängigen Steuersache schließt das Wiesenthal- Zentrum jedoch nicht aus, dass Heim noch lebt. © dpa
Er soll in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Buchenwald und Mauthausen zahlreiche Menschen ermordet haben, viele durch Injektionen ins Herz. © ZDF
SANDOR KEPIRO (1914) in Ungarn: Der Polizeioffizier wird verdächtigt, an der Ermordung von mehr als 1200 Zivilisten im serbischen Novi Sad teilgenommen zu haben. © dpa
MILIVOJ ASNER (1913) in Österreich: Der ehemalige Polizeichef in Kroatien soll aktiv an der Verfolgung und Deportation von Serben, Juden sowie Sinti und Roma beteiligt gewesen sein. © AP
KLAAS CARL FABER (1922) in Deutschland: In den Niederlanden wurde er für den Tod von Gefangenen 1944 zum Tode verurteilt. © dpa
Das Urteil wurde 1948 in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. 1952 flüchtete er aus dem Gefängnis und lebt seit Jahrzehnten in Ingolstadt. © dpa
SOEREN KAM (1921) in Deutschland: Das ehemalige SS-Mitglied soll für den Tod eines dänischen Journalisten verantwortlich sein und die Deportation der jüdischen Gemeinde in Dänemark in deutsche Konzentrationslager ermöglicht haben. © dpa
Wegen Tötung in Dänemark verurteilt, lebt Kam heute in Kempten im Allgäu. © dpa
MICHAIL GORSCHKOW (1923) in Estland: Laut Wiesenthal-Zentrum war er am Mord an Juden in Weißrussland beteiligt. © dpa
ALGIMANTAS DAILIDE (1921) in Deutschland: Er soll Juden festgenommen haben, die später von Nationalsozialisten getötet wurden. © dpa
Von den USA ausgeliefert wurde er in Litauen verurteilt, musste seine Haft aber wegen seines Gesundheitszustands nicht antreten und lebt heute in Sachsen. © dpa

Knobloch betonte, es dürfe nie vergessen werden, welche Verbrechen die Nationalsozialisten im Namen einer menschenverachtenden Ideologie begangen hätten. “Die Verbrechen der Vergangenheit mahnen uns, wachsam zu sein“, sagte sie. “Sie erinnern uns daran, dass wir die moralische Pflicht haben, den Anfängen zu wehren und alles dafür zu tun, dass sich Minderheiten hierzulande sicher fühlen können.“ Demokratische Werte müssten gelebt und verteidigt werden. Neonazis seien “ernstzunehmende Feinde der Demokratie“, betonte sie.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) warnte vor “allzu bequemen Mechanismen des Vergessens und Verdrängens“. Die Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Unrechtsregime sei aber unabdingbar. Der Bayerische Landtag hatte bereits am Nachmittag mit einer Schweigeminute der Opfer der Nazi-Diktatur gedacht.

dpa

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