Der Sheriff von Osterhofen

Knöllchen-Harri zeigt alle Falschparker an

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Tatort Marienplatz: Obwohl die Polizei Streife fährt, kommt es häufig zu Gesetzesübertretungen.

Osterhofen - Knöllchen-Harri erwischt jeden: Allein 2013 hat der pensionierte Polizist bei der Polizei in Plattling 1000 Anzeigen gegen Parksünder eingereicht - inklusive Beweismaterial. Anwohner und Geschäftsleute sind verärgert.

Als er noch in Berlin seiner Arbeit nachging, wurde er zum nettesten Schutzmann der Stadt gekürt. Seit 2009 lebte Harri F. (71) nun in Osterhofen (Kreis Deggendorf), und dort hat sich der pensionierter Polizist einen anderen Ruf erarbeitet: Dort heißt er nur noch Knöllchen-Harri. Schließlich verfolgt der Ex-Polizist akribisch das Geschehen auf dem Marienplatz direkt unter seinem Fenster. Wer dort länger als die erlaubten 30 Minuten mit seinem Auto parkt oder sein Fahrzeug gar im Halteverbot abstellt, der kann sicher sein: Bald flattert ein Strafzettel ins Haus. Knöllchen-Harri erwischt nämlich jeden. Mehr als unglaubliche 1000 Anzeigen waren es alleine im Jahr 2013, die er erstattet hat.

Im Dreimonatsturnus gehen bei der für Osterhofen zuständigen Polizeiinspektion in Plattling dicke Umschläge ein. Inhalt jedes Mal: rund 200 bis 250 Anzeigen. Alle ausgearbeitet und mit Beweismitteln wie Skizzen und Fotos belegt. Und weil alles perfekt ausgearbeitet ist, werden die Anzeigen bei der Polizei nur noch in die EDV übernommen und dann an die Bußgeldstelle weitergeleitet. „Wir sind verpflichtet, diese Fälle zu verfolgen“, sagt Polizeipressesprecher Michael Emmer. Nur wenn Formfehler vorlägen, müssten Anzeigen aussortiert werden. Aber dem erfahrenen Knöllchen-Harri unterlaufen natürlich keine Formfehler …

Strafzettel über eine Gesamtsumme von 380 Euro an nur einem Tag

Anwohner und Geschäftsleute am Marienplatz sind verärgert wegen des Sheriffs von nebenan. Einer der Hauptbetroffenen ist Musa Ismaljaj. Er betreibt mit seinem Bruder eine Pizzeria am Marienplatz, 35 Meter von Harris Wohnzimmerfenster entfernt. Wenn Musa Ismaljaj sein Auto vor dem Lokal abstellt, um Waren ein- oder auszuladen, oder wenn sich Kunden schnell eine Pizza abholen – Harri ist irgendwie immer dabei. Einmal hat Musa Ismaljaj an einem einzigen Tag Strafzettel über eine Gesamtsumme von 380 Euro bekommen! Seine Versuche, mit dem Nachbarn zu reden, sind alle gescheitert. „Der Mann ist nicht zugänglich.“ Doch was ist seine Motivation? Gegenüber der PNP meinte Harri: „Der Marienplatz ist kein rechtsfreier Raum.“ Und dem Berliner Kurier erzählte der Hauptkommissar a. D.: „Ich habe als Bürger das Recht, eine Anzeige zu erstatten.“

Charlottenburg war einst sein Revier. Und als er 2002 seine Uniform auszog, weinten ihm dort viele nach. Eigentlich wollte Knöllchen-Harri nach der Pensionierung viel reisen, mit seiner Frau nach Usedom etwa oder zu Angeltouren. Stattdessen lebt er jetzt alleine in Osterhofen und macht Jagd auf Parksünder. Immerhin – man erinnert sich an ihn in der Hauptstadt. Als dort seine derzeitigen Kriminalfälle bekannt wurden, dachten die Berliner mit Wehmut an ihn zurück. Einer meinte: „Seit der Harri weg ist, machen hier alle, was sie wollen.“

rp

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