Debatten um Wellnesshotel und Querbau

Königssee: Hotelpläne spalten die Gemeinde

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Ein Blick auf den Königssee

Schönau am Königssee - Die Traum-Aussicht am Königssee könnte sich bald ändern: wenn zwei Hotelprojekte den Gemeinderat von Schönau passieren. Doch da herrscht ein Patt, gleichzeitig Ausdruck eines Dilemmas.

Es gibt diese Silhouetten, die sich bei jedem sofort einprägen: Die Anfahrt zu Hohenschwangau etwa, wenn sich weit oben Schloss Neuschwanstein abzeichnet. „So romantisch“, heißt’s dann im Bus. Oder das Olympiazentrum („Welch‘ futuristische Architektur“) – und die Anfahrt auf die Seelände von Königssee auf der Rückfahrt von einem Ausflug nach St. Bartholomä: Langsam werden die zum See ausgerichteten Häuser größer, die Wirtschaften, die Bootshütten. Doch diese Aussicht könnte sich ändern: wenn zwei Hotelprojekte den Gemeinderat von Schönau passieren. Doch da herrscht ein Patt, gleichzeitig Ausdruck eines Dilemmas.

Um das geht es: Zwei Bauwerber haben in Königssee Großes vor. Schweizer Investoren wollen 50 Millionen Euro in ein 140-Zimmer Hotel- und drei sechsgeschossige Apartmenthäuser einbringen. Der Name: Parkhotel. „Mit Wellnessbereich, dazu Geschäftsgebäude und Gastronomie“, berichtet Projektleiter Florian Jennewein. Eng an dieses, bereits abgespeckte Projekt geknüpft sind die Pläne des Hotel-Königssee-Betreibers Josef Größwang. Der möchte das traditionelle Hotel erweitern und auf den neuesten Stand bringen. Das geschieht u.a. mittels Querbau, den die Münchner Städteplanerin Claudia Schreiber beim Schönauer Gemeinderat laut Berchtesgadener Anzeiger so kommentierte: „Vom See aus gesehen wirkt dieser große Riegel im Gegensatz zum Ensemble der Bootshäuser und anderen Gebäude wie ein Fremdkörper.“ Das Hauptproblem: Wegen der Parkhotel-Pläne habe das Hotel Königssee keine andere Bebauungsmöglichkeit.

Bürgermeister Stefan Kurz (CSU) mahnte Kompromissbereitschaft bei den Lokalpolitiker an. Schon Ende Januar hatte er bei der Bürgerversammlung klargemacht, dass die Übernachtungen seit Jahren zurückgingen. Bei der gleichen Veranstaltung meinte Hotelier Größwang: „Wir müssen auf dem Gelände etwas tun, denn es ist für einen Tourismusort nicht mehr ansehnlich.“

Doch getan wird erstmal nichts am Königssee: Der Gemeinderat votierte 9:9 fürs Parkhotel und 10:8 für den Erweiterungsbau. Damit herrscht Stillstand. Bürgermeister Kurz hernach: „Wenn wir den Querbau nicht wollen, dann kann Josef Größwang nicht bauen und dann ist das Gesamtprojekt gestorben.“

Beide Projektbetreiber wollen nun nachbessern und ihre überarbeiteten Pläne schnell vorstellen. Größwang meinte allerdings: Eine größere Umplanung sei für ihn aufgrund der beengten Lage mit dem Parkhotel im Norden nicht möglich.

Und die Schönauer, die Königsseer? Sie zeigen sich gespalten wie ihr Rat. So meinte der Technische Leiter der Seenschifffahrt, Michael Brandner noch bei der Bürgerversammlung: „Mich wundert’s, dass es nicht mehr Gegenwind gibt, schließlich wird das Eingangsportal zum Königssee verbaut.“ Schifffahrtsdirektor Walter Sürzl erhofft sich – auch angesichts des Nationalparks – „die nötige Sensibilität“.

mc

 

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