Sein Fall bewegt ganz Bayern

Kommt Gustl Mollath bald frei?

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Gustl Mollath (56): Seit 2006 sitzt der Nürnberger nun in der geschlossenen Psychiatrie ein. Sein Fall bewegt ganz Bayern

Nürnberg - Der Fall des Nürnbergers Gustl Mollath dürfte wohl einzigartig sein in der deutschen Justiz. Tatsache ist: Das Martyrium des Mannes könnte nun bald ein Ende finden.

Ein Mann wird für geisteskrank erklärt, gegen seinen Willen in der geschlossenen Psychiatrie weggesperrt. Und das jahrelang! Alles zu Unrecht? Der Fall des Nürnbergers Gustl Mollath dürfte wohl einzigartig sein in der deutschen Justiz. Tatsache ist: Das Martyrium des Mannes könnte nun bald ein Ende finden. Nach dem Wiederaufnahmeantrag der Staatsanwaltschaft Regensburg ist Mollath jedenfalls voller Hoffnung: „Nun gehe ich davon aus, dass die Wahrheit zutage tritt und das würde in der Folge bedeuten, das ich als freier und unbescholtener Bürger aus dem Gerichtssaal gehen kann“, sagte er am Dienstag.

Die Causa Mollath: Seit Monaten stellt sich immer die selbe Frage: Was lief hier nur schief? Immerhin hat es in der bundesdeutschen Justizgeschichte noch nie zuvor eine Konstellation gegeben, bei der „Staatsanwalt und Verteidigung unisono ein Wiederaufnahmeverfahren beantragt haben“, sagte Mollaths Verteidiger, der Hamburger Anwalt Gerhard, am Dienstag  gegenüber der tz.

Zu den Erfolgsaussichten des Wiederaufnahmeverfahrens fügte sein Mandant zudem an: „Gemessen an dem, was ich bisher erlebt habe von entscheidenden Stellen, muss ich mit allem rechnen. (…) Ich kann nur hoffen und wünschen.“ Seine Vorsicht ist nach all den Gutachten und Einschätzungen zu seiner Person sicherlich nachzuvollziehen. Dankbar sei er allen, die ihn in den vergangenen Jahren unterstützt und es ermöglicht hätten, „dass die Öffentlichkeit erreicht wurde“. Dazu gehörten auch gute Journalisten, die versucht haben, die Wahrheit herauszufinden.

Mollath ist seit 2006 in der Psychiatrie untergebracht, weil er seine Frau misshandelt haben soll. Brisant ist der Fall, weil Mollath 2003 seine Frau, weitere Mitarbeiter der HypoVereinsbank und 24 Kunden beschuldigt hatte, in Schwarzgeldgeschäfte verwickelt zu sein. Die Staatsanwaltschaft leitete keine Ermittlungen ein. Doch eine Untersuchung der Bank bestätigte manche von Mollaths Vorwürfen. Der Fall wird plötzlich mehr als brisant …

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) veranlasste daraufhin, dass ein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt wird. Seit Montag liegt dem Landgericht Regensburg der Antrag vor. Die Anklagebehörde verweist auf „neue Tatsachen“, die dem Gericht im Jahr 2006 noch nicht bekannt gewesen seien. Zuvor hatte bereits Mollaths Anwalt einen Wiederaufnahmeantrag gestellt.

Mollath könnte also bald ein freier Mann sein – schon aus rein formalen Gründen. „Das Gericht hat bei dem Wiederaufnahmeverfahren zu entscheiden, ob mein Mandant weggesperrt bleiben soll oder auf freien Fuß zu setzen ist,“ erklärt Anwalt gegenüber der tz. „Nach den neuen Erkenntnissen bin ich hoffnungsvoll, dass Letzteres der Fall sein wird.“

Die geheimen Informationen über die illegalen Bankgeschäfte, die fehlerhaften Gutachten – glaubt der Anwalt eigentlich an eine Verschwörung gegen Gustl Mollath? „Nein, ich gehe ehrlich gesagt nicht von einer Verschwörungstheorie aus. Bei diesem Fall handelt es sich einfach um eine Verkettung von Fehlern und um eine Bündelung von Vorurteilen.“ Heißt in anderen Worten: Nachdem Mollath einmal von einer Instanz für „gemeingefährlich“ erklärt wurde, hatte der Mann nie eine Chance, das Gegenteil zu beweisen. Zweifellos eine beängstigende Tatsache …

Chronologie des Falls

August 2001: In der Wohnung des Ehepaares Mollath kommt es der Ehefrau zufolge zu einer tätlichen Auseinandersetzung. Sie gibt später an, von Gustl Mollath gewürgt und geschlagen worden zu sein. Er bestreitet das;

Mai 2003: Es erfolgt eine Anklage wegen Körperverletzung. Mollath soll seine Frau mindestens 20 Mal geschlagen haben. Er sagt hingegen, er solle wegen Schwarzgeldenthüllungen bei der HypoVereinsbank (in die auch seine Frau verwickelt sei) mundtot gemacht werden.

August 2006: Mollath kommt endgültig in die Psychiatrie, weil er unter anderem „paranoid“ sei, so ein Gutachten.

Sommer 2007: Ein Gutachter attestiert Mollath, dieser sei geschäftsfähig. Der beschriebene Wahn sei nicht zu erkennen. Mollath bleibt aber in Straubing weggesperrt.

November 2012: Es kommt heraus, dass es bei der HypoVereinsbank wirklich einen Schwarzgeldskandal gab. Mollath hatte also teils recht.

Dezember 2012: Bayerns Justizministerin Beate Merk (Foto oben) gerät unter Druck. Erst nach langem hin und her entscheidet sie später, dass der Fall neu beurteilt werden muss.

tz

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