Auch im Fall der Wiederwahl

Kreidl wirft hin: "Nehme Amt nicht mehr an"

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Jakob Kreidl will auch im Fall einer Wiederwahl das Amt des Miesbacher Landrats nicht mehr antreten.

Miesbach - Jakob Kreidl wirft hin. Nach langem Zögern folgt der Miesbacher CSU-Landrat dem kaum verhohlenen Befehl der Parteispitze, den Wahlkampf einzustellen. Falls er versehentlich gewählt wird, will er das Amt nicht annehmen.

Am Ende lässt sich der gedemütigte Landrat aufreizend viel Zeit. Jakob Kreidl hat beschlossen, seinen Wahlkampf einzustellen, er hat versprochen, es der Öffentlichkeit mitzuteilen. Aber Stunde um Stunde lässt der Miesbacher die CSU-Größen in München zittern. Sie fluchen, und manche bangen sogar, ihm sei etwas zugestoßen. Um 19.02 Uhr lässt Kreidl dann knapp verbreiten: Sein Hausarzt habe ihn krankgeschrieben, er dürfe seine Gesundheit nicht dauerhaft gefährden. „Daher habe ich mich nach reiflicher Überlegung entschlossen, selbst für den Fall meiner Wiederwahl zum Landrat das Amt nicht anzunehmen.“

Kreidls Geduldsprobe führt der Parteispitze nochmal ihre Ohnmacht vor Augen. Kein Gesetz, kein Machtwort kann ihn noch vom Wahlzettel verdrängen. Seine freiwillige schriftliche Erklärung, auf das Amt selbst im Fall seiner Wahl zu verzichten, war der einzige Ausweg.

Der CSU-Vorstand unter Führung des erbosten Horst Seehofer hatte ihn am Vortag dazu aufgefordert – ein beispielloser Vorgang. Bezirkschefin Ilse Aigner reiste dann am Montagabend gen Miesbach, um Kreidl das beizubringen. Ein sehr ernstes Gespräch sei das gewesen, berichten Beteiligte. Der Noch-Landrat habe gefasst reagiert. Er habe Züge von Einsicht gezeigt und angekündigt, gut nachzudenken.

Beim Nachdenken lässt er sich auch nicht stören. „Halb Bayern will bei ihm anrufen“, stöhnen sie am Nachmittag in der CSU-Spitze, der 61-Jährige ist aber nicht erreichbar. Aigner reagiert höchst erbost, ruft den Kreisvorstand für 20 Uhr zusammen und teilt öffentlich mit, sie werde Kreidl jetzt auch zum Rücktritt als CSU-Kreisvorsitzender auffordern. Auch Seehofer legt nach. Wenn es Überlegungen gebe, wie man sich das Wahlrecht zurechtzimmere, dann gehe das „die ganze politische Familie CSU an“, sagt er am Rande der Landtagssitzung. „Es geht um die Frage, dass er der Bevölkerung klipp und klar sagt: Ich würde eine Wahl nicht annehmen, um diese Tricks zu verhindern.“

Tricks sind nun noch immer nicht ganz ausgeschlossen. Sollte Kreidl die Wahl gewinnen, weil die Bürger auf seinen Verzicht pfeifen und ihn trotzdem wählen, könnte er sich theoretisch auch umentscheiden und die Wahl annehmen. Falls er tatsächlich verzichtet, würde die Wahl binnen drei Monaten mit einem neuen CSU-Kandidaten wiederholt.

Christian Deutschländer und Stephen Hank

Hier finden Sie die Erklärung im Wortlaut

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