Plötzlich sind Kredite 20 Prozent teurer

Kommunen verzocken sich mit Franken

München - Etliche bayerische Gemeinden, Städte und Landkreise haben Kredite in Schweizer Franken. Und plötzlich 20 Prozent mehr Schulden.

Als vor einer Woche die Schweizer Notenbank den Mindestkurs des Franken gegenüber dem Euro aufgab, dürfte das in etlichen bayerischen Gemeinden, Städten und Landkreisen manchem Kommunalpolitiker den Angstschweiß auf die Stirn getrieben haben, die Kredite in der Währung der Eidgenossen haben. Denn plötzlich hatte man rund 20 Prozent mehr Schulden: Statt 1,20 Euro stand der Wechselkurs des Franken auf nur noch 0,9527 Euro (Stand Freitag, 30. Januar).

Die Stadt Burglengenfeld beispielsweise knabbert an einem Kredit von mehr als 30 Millionen Franken. Das sind nun fast 3,7 Millionen Euro mehr Schulden, die quasi über Nacht der mit rund 60 Millionen Euro verschuldeten Kommune aufgebürdet werden. Es seien Verträge, die vom früheren Bürgermeister geschlossen wurden, erhielt die tz als Auskunft aus der Stadtverwaltung. „Der Kredit ist politisch umstritten“, sagt Pressereferent Michael Hitzek. Aber er muss abbezahlt werden. Ein großer Teil des Geldes steckt im Wohlfühlbad Bulmare. Finanziert wurden damit auch Ausgaben für die Stadtwerke und die Feuerwehr.

In ähnlichen Dimensionen bewegen sich die Kredite, die Ingolstadt zurückzahlen muss. 16,2 Millionen und 16,76 Millionen Schweizer Franken stehen da seit 1998 zu Buche, als diese Kredite einstimmig aufgenommen wurden. Dieses Geld floss in die Wirtschaftsförderungsgesellschaft IFG, zu deren Projekte derzeit beispielsweise die Erweiterung des Güterverkehrszentrums, die Neugestaltung des ehemaligen Gießereigeländes in der Innenstadt sowie die Neugestaltung des Umfeldes rund um den Hauptbahnhof gehören.

Genauso einstimmig, wie damals der Kredit beschlossen wurde, hat nun die Stadt die Kündigung der beiden Kredite beschlossen. Dies kostet die Kommune zwar etwa 1,2 Millionen Euro – aber da gilt vermutlich das Prinzip, dass ein Ende mit Schrecken billiger kommt als ein Schrecken ohne Ende.

In Burglengenfeld ist noch offen, wie es weitergeht. Der 2014 neu gewählte Bürgermeister Thomas Gesche wartet auf ein Gutachten zur aktuellen finanziellen Situation. Aber egal, wie er sich entscheidet – es wird teuer.

Volker Pfau 

Rubriklistenbild: © dpa

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